Junge Frau leitet nach dem Tod des Vaters Weimarer Firma

Weimar  Jennifer Hutschenreuther übernahm nach dem Tod des Vaters 2018 praktisch über Nacht die angesehene Firma

Mit Helm und Aktenordner ist Jennifer Hutschenreuther in ganz Deutschland unterwegs, wenn es um die Zertifizierung von Mischanlagen geht.

Mit Helm und Aktenordner ist Jennifer Hutschenreuther in ganz Deutschland unterwegs, wenn es um die Zertifizierung von Mischanlagen geht.

Foto: Michael Baar

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Seit 21 Jahren laden die Dr. Hutschenreuther GmbH und die Bauhaus-Universität zum Weimarer Straßenbau- und Baustoff-Symposium. Nach dem überraschenden Tod von Jürgen Hutschenreuther im vergangenen Sommer eröffnet am Donnerstag erstmals seine Tochter Jennifer Hutschenreuther den Fachtag. Die 32-Jährige führt seit August das Unternehmen und freut sich über 120 Anmeldungen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. Es sind so viele Teilnehmer wie noch nie und ihr bislang größter Auftritt vor Fachöffentlichkeit.

Ohne ihr 18-köpfiges Team hätte Jennifer Hutschenreuther den Schritt an die Firmen-Spitze nicht gewagt. Die Techniker, Baustoffprüfer und Ingenieure sind ein eingespieltes Team mit einem unschätzbaren Fachwissen, sagt sie. Auf zwei Azubis (Baustoffprüfer) könne zudem auch nicht jede Firma dieser Größe verweisen.

Bis Jennifer Hutschenreuther ihren Weg in die Firma fand, dauerte es eine Weile. Ihr Vater schickte sie zwar nach dem Abitur 2005 am Weimarer Schillergymnasium ein Jahr nach Holland in eine Modifizierungsanlage für Bitumen. Danach entschied sie sich jedoch zunächst für Wirtschafts- und später für Geisteswissenschaften. Nach dem Studium und ersten Praxiserfahrungen stand sie doch vor der Firmentür. Nun war aber ihr Vater skeptisch. Er verordnete der Tochter ein Bewerbungsgespräch, eine Probezeit und natürlich Qualifizierung. Vollends überzeugt hatte sie ihn erst nach drei Jahren, als er ihr auch Prokura erteilte.

An eine so schnelle Übernahme der Firma durch Jennifer Hutschenreuther dachten aber weder Vater noch Tochter. Die Firma hatte gerade ihr 25-jähriges Bestehen begangen, in denen die GmbH zu einem angesehenen Institut für bautechnische Prüfungen geworden war. Seine Tochter schubste Jürgen Hutschenreuther immer wieder ins kalte Wasser. Dazu gehörte auch ein Auftrag im Iran, der von ihr Diplomatie, Durchsetzungsfähigkeit und Arbeit mit Kopftuch forderte.

„Dennoch hatte ich im vergangenen Jahr die Wahl“, sagt die junge Frau, „und habe meine Entscheidung nicht allein aus Pflichtgefühl meinem Vater gegenüber, sondern mit ganzer Überzeugung getroffen.“ Dabei will sie sich zunächst vor allem auf das Kerngeschäft konzen­trieren: „Wir prüfen Baustoffqualität für öffentliche und private Auftraggeber“, sagt sie. Die Oberflächenbeläge müssen verschiedensten Ansprüchen genügen, je nachdem, ob es sich um eine Autobahn, eine Landstraße oder ein Fahrsilo handele.

Beim Symposium in Weimar ist für sie deshalb der Vortrag zur regelkonformen Probenahme von Asphalt einer der wichtigsten. Dazu passt, dass sie sich im Fachblatt „asphalt“ gerade für mehr Sensibilität für die Belange von Prüflaboratorien und partnerschaftlichem Umgang mit ausschreibenden Stellen ausgesprochen hat.

Auch Forschung und Entwicklung bleiben ein Thema in der Firma, die mit ihrem Füllasphalt für Schlaglöcher (PFA) die Haltbarkeit solcher Reparaturen immens vergrößerte. Zudem werden Recyclingprodukte als Zusatzstoffe immer wichtiger, weiß Jennifer Hutschenreuther. Ein aktuelles Projekt befasse sich mit der Standhaftigkeit von Asphalt im sandreichen Amazonasgebiet in Brasilien, wo sich die Firma einst bei der Sanierung der Formel-1-Rennstrecke in Interlagos (Sao Paulo) einen Namen machte.

Nach sieben Monaten kann sich die junge Geschäftsführerin aber auch über kleine Erfolge noch freuen. So wurde sie gerade von einem langjährigen Vertragspartner zur Abgabe zweier Angebote aufgefordert. Und für einen wegen Krankheit abgesagten Vortrag zum Symposium fand sie mit nur einem Anruf in NRW gleichwertigen Ersatz.

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