„Was in Jena und Berlin funktioniert, können wir auch“

Schöten.  In Apolda Ortsteil Schöten eröffnete unlängst ein Tauschhaus im Ort und erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit

Wurde gut angenommen: Das Tauschhaus in Schöten. Im Bild: Yves Schreiber, Ingo Reimann und Carola Braun (von links)

Wurde gut angenommen: Das Tauschhaus in Schöten. Im Bild: Yves Schreiber, Ingo Reimann und Carola Braun (von links)

Foto: Sascha Margon

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Ganz unbestritten leben wir Deutschen heute in einer Wegwerfgesellschaft. Einmal gekauft, landen viele Dinge über kurz oder lang im Keller, auf dem Dachboden oder verstauben ungesehen im Regal. In Schöten wollte der Ortschaftsrat dem nun zumindest einen kleinen Riegel vor schieben und ein bisschen Nachhaltigkeit in den Apoldaer Ortsteil bringen.

Das Konzept eines Tauschhauses ist dabei nicht neu. Im Gegenteil, erklärt Ingo Reimann vom Ortschaftsrat, kenne er solche öffentlichen Tauschstellen etwa aus Apoldas Nachbarstadt Jena. Auch Bürgermeister Yves Schreiber und mithin der gesamte Ortschaftsrat war von dem Plan gleich zu Beginn begeistert. Ganz nach dem Motto: „Was woanders funktioniert, können wir in Schöten auch“, sagt Ingo Reimann selbstbewusst.

Im Dezember letzten Jahres wurde das Projekt nun in die Tat umgesetzt. Der anfängliche Gedanke, die Tauschbörse in der Bushaltestelle einzurichten, stieß beim zuständigen Kommunalservice auf wenig Begeisterung. Deshalb machte man seitens der Verwaltung einen anderen Vorschlag, der dann letztlich so in die Realität umgesetzt wurde. Seither steht auf dem Spielplatz hinter der Kirche eine hölzerne Markthütte, die in Kooperation mit der Stadtverwaltung vom Kommunalservice hier nach dem Lichterfest aufgebaut wurde. Gemeinsam mit Tischler Michael Jewanski hatten Yves Schreiber und weitere Helfer die Holzkonstruktion noch ein wenig wetterfest gestaltet, damit sie lange durchhält.

Drinnen ist fein säuberlich in den Regalen einsortiert, was die Schötener eben nicht mehr benötigen. Bücher, Geschirr, Spiele, CDs und Schallplatten, Elektrogeräte, Kinderkleidung und vieles mehr lässt sich hier finden. Wie gut das Tauschhaus angenommen wird, zeigt die Reaktion von Carola Braun, die beim Pressetermin vor Ort zufällig vorbei kam: „Ich war schon seit zwei Tagen nicht mehr hier, jetzt muss ich erst einmal schauen, was es Neues gibt“, meinte sie freudestrahlend. Das Tauschhaus sei eine prima Idee erklärt sie beiläufig, als sie die Regale absucht. Dabei, so die Frau aus Schöten, sei sie auch schon fündig geworden und habe etwas mit nach Hause genommen. Parallel dazu sei sie aber auch eigene Dinge, die sie nicht mehr braucht, auf diese Art und Weise losgeworden, und die Sachen haben offensichtlich schon einen neuen Besitzer gefunden, freut sie sich.

Damit im Tauschhaus alles mit rechten Dingen zugeht wird dies regelmäßig kontrolliert. Yves Schreiber oder Ingo Reimann schließen allabendlich die Klappläden und machen sie morgens wieder auf, wenngleich die Tür immer offen steht.

Demnächst soll in Schöten zusätzlich noch eine Telefonzelle aufgestellt werden. Die soll allerdings nicht etwa für Telefonate genutzt werden, sondern künftig eine Bibliothek beherbergen. Ausgelesene Bücher können hier abgestellt und neue mitgenommen werden. Die Idee dazu kommt vom Heimatverein, der sich um die Organisation kümmert. Derzeit befindet sich das ausrangierte und aufgearbeitet Telefonhäuschen allerdings noch in Brandenburg in einem Zentrallager der Telekom. Per Spedition soll es demnächst nach Apolda kommen und dann feierlich eingeweiht werden.

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