Krankenschutz für Hund und Katze

Berlin  Die Behandlung von Haustieren kann teuer werden. Abhilfe versprechen Versicherungen. Doch wie sinnvoll sind diese?

Vorsorgeuntersuchungen oder Wurmkuren sind in Versicherungen oft nicht enthalten, warnen Experten.

Vorsorgeuntersuchungen oder Wurmkuren sind in Versicherungen oft nicht enthalten, warnen Experten.

Foto: istock

Impfungen, verletzte Pfoten, Knochenbrüche: Vorsorge- und Behandlungskosten für Hunde und Katzen gehen ins Geld. Eine Operation kann locker einen vierstelligen Eurobetrag verschlingen. Aber lohnt es sich, deshalb eine Tier-Krankenversicherung abzuschließen? Verbraucherschützer winken eher ab – und nennen doch einen Grund, weshalb eine Police im Einzelfall sinnvoll sein kann.

Es gibt zwei Varianten der Versicherung. Eine reine OP-Versicherung deckt die Kosten von chirur­gischen Eingriffen nach Unfällen oder Erkrankungen sowie teils auch Voruntersuchungen ab. Teurer, aber leistungsfähiger ist der Krankenvollschutz. Damit sind – neben den Operationen – Heilbehandlungen inklusive Arznei und je nach Tarif auch Diagnostik wie Röntgen, EKG oder MRT eingeschlossen. Aber Vorsicht: Der Umfang des Schutzes kann sich von Angebot zu Angebot stark unterscheiden. „Wer eine Versicherung abschließen möchte, sollte die Bedingungen genau unter die Lupe nehmen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV).

Oft gibt es eine Selbstbeteiligung

Generell gilt: Die Kosten hängen oft vom Alter, der Rasse, der Größe, dem Gewicht und mitunter der Art der Haltung des Tieres – Freigänger-Katze oder Stubentiger – ab. Wegen des Altersfaktors ist es ratsam, das Tier möglichst jung zu versichern. Die Anbieter geben in der Regel ein Mindest- und Höchstalter für Abschlüsse vor. Laut Stiftung Warentest kostet etwa die Vollversicherung für eine bis zu fünf Jahre alte Katze mindestens 130 Euro im Jahr. Einige Gesellschaften verlangten mehr als 300 Euro. Die OP-Versicherung ist demnach ab etwa 100 Euro jährlich zu haben.

Günstige Tarife für Hunde gibt es der Stiftung zufolge ab etwa 250 Euro im Jahr – teure zum fast doppelt so hohen Preis. Zuschläge müssten für Rassen wie Labrador, Rottweiler oder Schäferhund einkalkuliert werden. Eine reine Hunde-OP-Versicherung veranschlagt die Stiftung im günstigsten Fall mit etwa 130 Euro im Jahr. Wegen der Kosten rät der BdV dazu, vor einem Abschluss genau zu prüfen, ob eine Police „wirklich sinnvoll ist“.

Wichtig: In den Verträgen sind Selbstbeteiligungen oft mit vereinbart, so dass der Kunde einen Teil der Rechnung – meist 20 Prozent oder einen fixen Euro-Betrag – aus eigener Tasche zahlen muss. Dies gilt vor allem für Vollkostenpolicen. Andere Tarife sehen Höchsterstattungen vor.

Auch Kastrationen sowie Vorsorge wie Impfungen oder Wurmkuren sind im Schutz häufig nicht oder nur eingeschränkt enthalten. Zu achten ist auch darauf, bis zu welchem GOT-Satz (Gebührenordnung für Tierärzte) – ein-, zwei- oder dreifach – eine Abrechnung möglich ist.

Die Verbraucherzentralen sind der Auffassung, dass sich der Tier-Krankenschutz „zumeist“ nicht lohnt. „Vorsorge betreiben sollte der Tierhalter zwar sehr wohl – und sich nicht auf den Standpunkt stellen, meinem Tier wird schon nichts passieren. Es ist aber sinnvoller, sich die monatliche Prämie zu sparen und das Geld stattdessen eigenständig anzusparen“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie führt aus: „Wer nur 30 Euro monatlich zurücklegt, hat, wenn das Tier älter und anfälliger für Krankheiten geworden ist, einen beachtlichen Betrag auf der hohen Kante – beispielsweise 2160 Euro nach sechs Jahren.“ Das passt zum ehernen Grundsatz der Verbraucherschützer: Versicherungen sollten finanziell existenzbedrohende Risiken abdecken – nicht aber Kosten, die die meisten Tierhalter bei Bedarf auch selbst stemmen können. Doch es gibt einen Einwand: „Für relativ gut situierte Personen stimmt das. Aber nicht alle Tierbesitzer haben die finanzielle Rücklage, um größere Operationen, die kurzfristig anstehen können, auf einen Schlag selbst zu bezahlen“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Er spricht von der „engen emotionalen Beziehung“ vieler Menschen zu ihrem Tier, die eine Police sinnvoll machen könne. „Sollte etwa ein älterer Mensch mit einer kleinen Rente oder eine Familie mit geringem Einkommen für eine teure Operation selbst nicht aufkommen können, müsste der Hund oder die Katze womöglich eingeschläfert werden“, argumentiert Grieble.

Sein Rat: „Da halte ich es doch für besser, diese Tierhalter bringen monatlich eine kleine Summe für die Versicherung auf und können ihrem Liebling vom Tierarzt jederzeit helfen lassen.“

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