Jenaer Musiker haben keine Zeit für Halligalli

Thüringen haben sie schon erobert. Jetzt hoffen die sieben Musiker der Jenaer Band "Paolo Macho" mit ihrer witzigen und genreübergreifenden Musik den Sprung aus der Region zu schaffen. Die erste gerade neu erschienene CD "Kings of Shaquedelique" soll dabei helfen.

Spielen seit 2005 in wechselnder Formation bei Paolo Macho: Andreas, Vinzenz, Konrad, Pascal, Clemens und Andreas, der Keyboarder. 2010, so hoffen sie, wird ihr großes Jahr. Foto: tlz/Peter Michaelis

Spielen seit 2005 in wechselnder Formation bei Paolo Macho: Andreas, Vinzenz, Konrad, Pascal, Clemens und Andreas, der Keyboarder. 2010, so hoffen sie, wird ihr großes Jahr. Foto: tlz/Peter Michaelis

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Jena. In weißen Unterhemden, jeder ein Handtuch um den Hals - als wollten sie in den Boxring steigen, betreten sieben Musiker die Bühne. Paolo Macho steht in großen Lettern auf dem Keyboard. Der Bandname suggeriert lateinamerikanische Männlichkeit - wird aber "Macho" wie "Karacho" ausgesprochen. Sänger Clemens geht mit seinen schwarzen Haaren und hochgeschobener Sonnenbrille beinahe als Latin Lover durch. Gitarre und Drums stimmen einen schnellen Ska-Rhythmus an, die Bläser steigen ein und Clemens singt: "Was bin ich für ein Häufchen Elend".

Was ist passiert? Die Frau ist gegangen, natürlich war sie schuld, und der Verlassene trotzt: "Ich fühl mich trotzdem gut dabei, ihr könnt mich alle, hatatatei." "Elend" ist das erste Lied auf der jetzt veröffentlichen CD "Kings of Shaquedelique". Es ist auch das erste, das Clemens für die Band geschrieben hat. "Wir haben ihn zu unserem Bandprojekt eingeladen, weil wir keine Lust aufs Texten hatten", sagt Gitarrist Konrad, der zusammen mit dem Schlagzeuger Vinzenz und Bassist Andreas die Band als Feierabendprojekt gegründet hat. Dazu gestoßen sind der Trompeter Pascal, Karl als Saxophonist und Andreas als Keyboarder.

Sie alle wollen nur mit ihrem Vornamen in der Zeitung auftauchen. Sie sind Studenten und Doktoranden - bis auf einen alle im Bereich Naturwissenschaft - und ihr Musikerleben ist für diese Welt geheim. Gleichwohl haben sie ihren Durchbruch in Thüringen vor allem den vielen Hochschulfesten zu verdanken, auf denen sie in den letzten zwei Jahren gespielt haben.

Sie gelten als Partyband und wollen genau das sein. Seine Texte, sagt der Geisteswissenschaftler Clemens, seien auch gar nicht so wichtig. Trompeter Pascal ist überzeugt: "Man kann die Leute beim Tanzen allein über Laute steuern."

Was bedeutet denn "Shaquedelique"? "Shaquedelique" - mit diesem Kunstwort sehen sie ihre Musik am besten beschrieben: "Viel Ska, Reggae, etwas Punk, immer mehr Rockmusik und neuerdings auch Elektropop." Viele Lieder sind auf Englisch und nicht sofort verständlich, was zum Teil an Wortspielen und versteckten Andeutungen liegt. In "Twix" - eines von mindestens vier hitverdächtigen Liedern - ist von einem einsamen "Raider", genannt "Twix", die Rede und man möchte meinen, dass die Bandmitglieder älter als Mitte bis Ende 20 sein müssten, um sich an diesen Werbespot zu erinnern.

"No time for haligalli" handelt von der eigenen Lage: Sechs "Verlierer" (die Anzahl der Bandmitglieder variiert) haben "keine Zeit für Halligalli", weil sie mit ihrer Musik reich und berühmt werden wollen um die ganze Zeit zu Champus trinken - also eigentlich, um den ganzen Tag "Halligalli" zu haben. Wenn das mal nicht zutiefst philosophisch ist.

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