Erfurt. Abstände von Hecken und Bäumen zur Grundstücksgrenze sind eindeutig geregelt. Beim Telefonforum am Donnerstag beantworten Experten des VDGN Fragen der Leser.

„Die hohe Hecke meines Nachbarn direkt am Zaun nimmt mir viel Sonne. Er weigert sich aber, sie zu schneiden“, klagt ein Leser aus Erfurt. „Wie hoch darf die Hecke sein – und was kann ich noch tun?“ Es antwortet Hagen Ludwig vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer VDGN.

Hagen Ludwig vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) beantwortet beim Telefonforum unserer Zeitung Leserfragen zum Thema „Nachbarrecht“.
Hagen Ludwig vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) beantwortet beim Telefonforum unserer Zeitung Leserfragen zum Thema „Nachbarrecht“. © VDGN | VDGN

Im Thüringer Nachbarrechtsgesetz sind die Grenzabstände für Bäume und Sträucher im Paragraf 44 eindeutig geregelt, sie reichen von 1,5 bis vier Metern, je nach Baum-Art. Ähnliche Regeln gibt es für Obstbäume und Sträucher. Bei Unstimmigkeiten sollte ein Fachmann konsultiert werden.
Speziell den Hecken ist § 45 des Nachbarrechtsgesetzes gewidmet. Je nach Höhe der Hecke nimmt der Grenzabstand zu. Für eine zwei Meter hohe Hecke beträgt er zum Beispiel 75 Zentimeter. Wichtig: Der Abstand wird ab der Mitte des Baumstammes, des Strauches oder der Hecke, und zwar an der Stelle, an der die Pflanze aus dem Boden austritt, gemessen.
Wird der Grenzabstand nicht eingehalten, sind die Pflanzen auf Verlangen des Nachbarn zu beseitigen. Hecken können bis auf die zulässige Höhe zurückgeschnitten werden. Der Anspruch erlischt, wenn der Nachbar nicht bis zum Ablauf des fünften auf das Anpflanzen folgenden Kalenderjahres Klage auf Beseitigung erhoben hat. Danach gilt Bestandsschutz.

Peter Ohm vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) beantwortet beim Telefonforum unserer Zeitung Leserfragen zum Thema „Nachbarrecht“.
Peter Ohm vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) beantwortet beim Telefonforum unserer Zeitung Leserfragen zum Thema „Nachbarrecht“. © TA | Marco Schmidt

Wenn der Nachbar trotz schriftlicher Aufforderung keine Abhilfe schafft, sollte man einen Schlichtungsversuch unternehmen und sich an die Schiedsstelle der Gemeinde wenden. Beide Parteien werden dann geladen, bei Nichterscheinen droht ein Bußgeld. Bei einem Scheitern bleibt nur der Klageweg bei Gericht. Die Erfolgschancen sind recht gut abzuschätzen, da die genauen Vorgaben des Thüringer Nachbarrechtsgesetz wenig Interpretationsspielraum bieten. Und die Prozesskosten zahlt der Verlierer.

Telefonforum zum Thema am 4. April 2024

Weitere Fragen zum Nachbarrecht beantworten Experten vom VDGN beim Telefonforum unserer Zeitung am Donnerstag, dem 4. April 2024, von 10 bis 12 Uhr. Sie erreichen unter 0361 227 5801 Hagen Ludwig und unter 0361 227 5802 Peter Ohm.