Fretterodes "Birkenwunder" ist 100 Jahre und noch kein Naturdenkmal

Fretterode (Eichsfeld). Als die Birke im Jahr 2000 der Baum des Jahres war, fahndete der Thüringer Naturschutzbund bei seinen Mitgliedern nach der stärksten Birke im Land.

Der untere Stammteil dieser etwa 100 Jahre alten mächtigen Birke bei Fretterode war einmal eine alte Kopfweide. Foto: Jürgen Backhaus

Der untere Stammteil dieser etwa 100 Jahre alten mächtigen Birke bei Fretterode war einmal eine alte Kopfweide. Foto: Jürgen Backhaus

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Vom Försterehepaar Ewald und Christine Heerda aus Heiligenstadt kam dabei der Hinweis zwar nicht auf die mächtigste, aber auf die außergewöhnlichste Birke vermutlich in ganz Deutschland. Mit ihren etwa 100 Jahren dürfte sie die älteste Birke sein, die auf einem Wirtsbaum wächst. Das ist in diesem Fall am Schafsgraben im Schierbachstal nahe der Straße zwischen Vatterode und Fretterode ein Kopfweidenstamm.

Für den 2006 verstorbenen Geraer Baumexperten und Begründer des Fotokalenders "Starke Bäume", Reinhard Conrad, zählte in einem 2001 (aufgrund des Hinweises der Heerdas) verfassten Fachbeitrag dieser "vitale und formschöne Baum" zu den dendrologischen Besonderheiten Thüringens, die Bewunderung verdiene. Vital und schön ist er auch zwölf Jahre später noch.

Auf diese Birke hatte schon vor einem halben Jahrhundert bereits der alte Gerbershäuser Förster Johannes Schmerbach seine frisch von der Forstschule gekommene Assistentin hingewiesen. Das war die heute 76-jährige Christine Heerda, die nach der Wende ihren Mann, Forstingenieur Ewald Heerda, der Ende September 92 Jahre alt wird, bei der Beschilderung von 50 besonders wegen ihres Alters bemerkenswerten Bäumen im Landkreis Eichsfeld begleitet hatte. Sie taten dies ehrenamtlich namens des Naturschutzbundes, erhielten Material und Fahrtkosten von der Unteren Naturschutzbehörde erstattet. Als sie im vorigen Jahr 25 dieser Schilder erneuerten, geschah dies gänzlich ehrenamtlich.

Das "Birkenwunder" bei Fretterode, zu dem schon Anfang der 30er Jahre Schulklassen aus Gerbershausen wanderten, hatte Heerda zwar schon 1993 in seinem Büchlein "Entdeckungen im Eichsfeld" erwähnt, aber für ein Schild im Rahmen seiner späteren Aktion habe das Geld nicht gereicht, berichtet er. So wie er und seine Frau will nach einer Anfrage unserer Zeitung bald auch der Leiter der Naturschutzbehörde, Wolfgang Hübenthal, sie in Augenschein nehmen, weil derzeit die Naturdenkmalverordnung wieder zu überarbeiten sei. "Die Birke steht nicht auf unserer Liste der Naturdenkmäler", sagt er, "aber sie hat die Aussicht, eines zu werden".

Wenn die Wunderbirke schon um 1930 ein ansehnlicher Baum war, dürfte sie als Keimling ab etwa 1910 auf der Weide gewachsen sein. Deren Kernholz war weißfaul, wie Reinhard Conrad feststellte, "sodass die wachsenden Birkenwurzeln ohne große Schwierigkeiten den Weg vom Weidenkopf zum Erdboden bewältigten". Im Schutz des Wirtes wurden sie stark genug, um den inzwischen etwa 20 Meter hohen Baum zu tragen. Der Höhenvorteil schützte die Birke in ihrer Jugend zudem vor hungrigen Wildtieren. Und auch außen bildete sich Birkenrinde. Conrad meinte, dass zwar die Form der Weide noch erkennbar, aber von ihr selbst nichts mehr vorhanden sei. Mit einem Stammumfang von 244 Zentimetern in 3,4 Metern Höhe gehöre der Baum zu den mächtigsten Birken Thüringens.

Seine Hoffnung, dass diese Birke als Naturdenkmal geschützt wird, wird ja vielleicht noch Wirklichkeit. Sinnvoll wäre es, denn nach Ansicht von Ewald Heerda kann sie noch 50 Jahre überleben. Uwe Wedekind von der VG Hanstein-Rusteberg ist sich aber sicher, dass dem Baum auch künftig ohnehin keine Gefahr durch menschliche Aktivitäten droht, da er direkt am Bach steht.