Hochzeit mit echtem Adel im Kaiserssal von Schloss Schwarzburg

Die Thüringerin Angelika Steiner und der Holländer Bearn Bilker gaben sich am Freitag Kaisersaal von Schloss Schwarzburg das Ja-Wort. Trauzeugin war Hoheit Woizlawa Feodora Prinzessin Reuss.

Hochzeit von Bearn Bilker und Angelika Steiner im Kaisersaal von Schwarzburg. Trauzeugin war Ihre Hoheit Woizlawa Feodora Prinzessin Reuss. Foto: Peter Scholz

Hochzeit von Bearn Bilker und Angelika Steiner im Kaisersaal von Schwarzburg. Trauzeugin war Ihre Hoheit Woizlawa Feodora Prinzessin Reuss. Foto: Peter Scholz

Foto: zgt

Gebundene Blumensäulen flankieren die Sitzreihen, auf denen die Hochzeitsgäste im Kaisersaal von Schloss Schwarzburg Platz genommen haben. Zeremonienmeister Dieter Zerrenner hat das Brautpaar zu den Klängen von Johann Sebastian Bachs "Bist du bei mir" feierlich zum Trautisch geleitet.

Ein historischer Tag für Schloss Schwarzburg

Das Konterfei von Fürst Günter XXI. blickt von oben trotzig, das von Friedrich Barbarossa hoheitsvoll herab, während Standesbeamtin Susanne Haucke routiniert und einfühlsam die Vermählung vornimmt. Die Braut trägt ein bordeauxfarbenes Kleid mit langer Schleppe, angelehnt an den Stil der Gründerzeit, der Bräutigam ist klassisch mit dunklem Anzug, weißem Hemd und bordeauxfarbener Krawatte bekleidet.

Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, doch gestern war es ein historischer Tag für Schwarzburg. Ihre Hoheit Woizlawa Feodora Prinzessin Reuss, geborene Herzogin zu Mecklenburg, eine Enkelin der schwarzburg-rudolstädtischen Prinzessin Marie und eine Cousine von Königin Juliana der Niederlande, gab der Schwarzatalgemeinde die Ehre.

Im Kaisersaal des Schlosses war sie Trauzeugin. Die 93-Jährige, die Ehrenmitglied im Förderverein Schloss Schwarzburg ist und so manchen mit ihrem vitalen Auftreten überraschte, lebte bis Ende des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie auf Schloss Osterstein und kehrte nach der Wende vorübergehend nach Gera zurück. Jetzt ist sie im Schwarzwald zu Hause. Als kleines Kind und junge Frau besuchte die Prinzessin oft ihre Verwandten auf Schloss Schwarzburg. Der letzte Fürst Günther Viktor, mit Fürstin Anna Luise verheiratet, war ihr Großonkel.

Das glückliche Hochzeitspaar am Freitag waren Angelika Steiner, die in Unterwirbach aufwuchs, und der Niederländer Bearn Bilker. Beide sind in Bad Blankenburg gemeldet. Bilker, der Bürgermeister von Kollumerland in Westfriesland, hatte mit seiner damaligen Ehefrau Magdalena die Thüringerin im Oktober 2009 im Schwarzwald während eines Gesprächs mit Prinzessin Reuss kennen gelernt. Es ging um Details über die Geschichte des Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und über Hollands Königin Juliana, die 2004 verstarb.

Bilker, 59 Jahre alt, gilt "nebenbei" als Adelsexperte und befasst sich mit deutschen Königs- und Fürstenhäusern, um sie in seiner Heimat als touristische Ziele bekannt zu machen. Angelika Steiner war Ausstellungsgestalterin im Stadtmuseum Gera, in dem die Prinzessin nach der Rückkehr in ihre Heimat regelmäßiger Gast war. Zwischen den beiden Frauen reifte eine Freundschaft. Immer wieder war die heute 54-Jährige dabei, wenn Hoheit über ihr Leben erzählte.

Als Bilkers Ehefrau Magdalena im Juli 2010 plötzlich verstarb, entwickelte sich zwischen ihm und Angelika Steiner eine feste Partnerschaft. "Die haben wir jetzt an diesem geschichtsträchtigen Ort in Schwarzburg besiegelt", strahlten die beiden, die Mitglied im Förderverein Schloss Schwarzburg sind.

Das verwandtschaftliche Geflecht von Prinzessin Reuss und ihre Verbindungen zum Fürstenhaus Schwarzburg-Rudolstadt und dem holländischen Königshaus kennt der Frischvermählte aus dem Effeff, musste dafür jedoch länger ausholen. Die beiden Großväter der Prinzessin waren regierende Fürsten, was nicht so oft vorkommen soll: Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin väterlicherseits und Heinrich XXVII. Fürst Reuss j. L. mütterlicherseits. Letzterer war der Begründer des Geraer Theaters.

Die Eltern von Prinzessin Reuss waren Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg (1873 - 1969) und Victoria Feodora, Prinzessin Reuss (1889 - 1918). Sie starb bei der Geburt ihrer Tochter. Adolf Friedrich war der Bruder von Heinrich, Herzog zu Mecklenburg und Prinz der Niederlande. 1901 heiratete Heinrich Königin Wilhelmina der Niederlande. Sie machte ein Jahr zuvor im Frühsommer mit ihrer Mutter, Königin-Mutter Emma, im Hotel "Weißer Hirsch" in Schwarzburg Urlaub und begegnete dort erstmals Heinrich. Schon im Oktober war Verlobung. "Prinzessin Reuss weiß noch viel über ihre Tante, Königin Wilhelmina. Sie war Mutter der holländischen Königin Juliana, die im Jahr 2004 verstarb. Juliana wiederum war Mutter der jetzigen Königin Beatrix", erläuterte Bilker.

Adolf Friedrich und Heinrich zu Mecklenburg waren Söhne des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin und von Marie, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt. Sie lebte von 1850 bis 1922. Marie war die Schwester des letzten Fürsten von Schwarzburg, Günther Viktor. "Prinzessin Woizlawa Feodora Reuss ist also eine Enkelin einer schwarzburg-rudolstädter Prinzessin, was auch Juliana aus Holland war", wusste Bilker.

"Vielleicht wird jetzt verständlich, warum wir unbedingt in Schwarzburg heiraten wollten", sagte die Braut. "Wir haben uns über Prinzessin Reuss kennen gelernt. Es gab die historische Begegnung in Schwarzburg von Wilhelmina und Heinrich. Und nicht zuletzt ist da die verwandtschaftliche Beziehung der Prinzessin mit dem Königshaus der Niederlande. Deshalb ist dieser Ort für uns so bedeutungsreich", setzte der Bräutigam hinzu.

Die Hochzeitreise führt nach Gran Canaria

Nach der standesamtlichen erfolgte die kirchliche Trauung im Gotteshaus von Kleingölitz. Die nahm Pfarrer Roland Geipel aus Gera vor, mit dem das Brautpaar seit Jahren befreundet ist. "Die Hochzeitsreise wird im März 2013 nach Gran Canaria führen, wenn wieder mehr Zeit ist", verriet der sympathische Niederländer.

Seit Juni 2001 besteht im Kaisersaal die Möglichkeit, Ehen zu schließen. So gaben sich bislang 150 Paare in der historischen Anlage das Ja-Wort, darunter ein deutsch-mexikanisches. "Der Kaisersaal hat eben das gewisse Extra", sagte die Standesbeamtin mit Stolz. Erst recht nach gestern kann dem nicht widersprochen werden.