Klare Kante

Lasst Ärzte entscheiden

Hanno Müller

Hanno Müller

Foto: Andreas Wetzel

Hanno Müller über gerechtes Impfen gegen Corona.

Impfen, Impfen, Impfen – das wäre der Idealfall. Dass jeder den Piks bekommt, der ihn will. Die Impfzentren sind da, aber nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Hausärzte dürfen zwar mitmachen, werden aber weiter ausgebremst. Immer noch fehlt es an genügend Impfstoff.

Deswegen ist die Priorisierung richtig. Sie bevorzugt die Schwachen und Kranken, die sich nicht so fix einen Termin besorgen können oder ganz vergessen würden. Die Empfehlungen folgen dem Prinzip „Die am meisten Gefährdeten zuerst“. Wer sich hier vordrängelt, riskiert das Leben anderer.

Der Impfstoff ist der Goldstaub der Pandemie, er darf nicht nur Gierigen und Mächtigen zur Verfügung stehen.

Auch die Priorisierung trifft nur eine grobe Auswahl. Was ist mit der jungen Frau ohne eine der gelisteten Vorerkrankungen, die aber panische Angst vor Corona hat und deswegen nicht mehr denken, arbeiten, schlafen kann? Müsste sie nicht ebenso dringend geimpft werden, um wieder im Leben stehen zu können?

Behandelnde Ärzte könnten dies gut mit entscheiden. Dass Hausärzte nicht nur in den Impfstellen, sondern jetzt auch in ihren Praxen mittun dürfen, war überfällig.

Hier sollte jetzt auch das Prüffeld für mehr Flexibilität beim Impfen liegen. Weniger Bürokratie, dafür mehr Vertrauen in die medizinische Expertise. Wenn geschickte Praxishände es schaffen, statt der üblichen sechs das Maximum von sieben Dosen aus einem Impffläschchen zu ziehen – warum nicht.

Und vielleicht sind es gerade die souveränen Götter in Weiß, die irdischen Dränglern Paroli bieten können.