Berlin. Palästina bezeichnet eine Region im Nahen Osten. Gibt es auch ein Land mit diesem Namen? Die Geschichte des Gebiets – einfach erklärt.

  • Palästina spielt im Nahost-Konflikt und auch im aktuellen Krieg in Israel eine zentrale Rolle
  • Ob das Land als Staat existiert oder nicht, ist umstritten
  • Die wichtigsten Infos zur Geschichte der umkämpften Region im Überblick

Der Konflikt zwischen Israel und Palästina hat eine lange Geschichte. Am 7. Oktober 2023 kam es dann zum schlimmsten Blutbad der israelischen Geschichte: Vom Gazastreifen aus drangen Terroristen der Hamas auf israelisches Gebiet vor und richteten unter Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival ein Massaker an.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Nahostkonflikt schwelt wieder wie seit langem nicht mehr. Dabei stellt sich auch manchem die Frage: Gibt es das Land beziehungsweise den Staat Palästina überhaupt? Das ist nicht eindeutig mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Selbst unter Staatsrechtlern ist es umstritten. Aktuell erkennen 138 Staaten den Staat Palästina an. Deutschland und weitere EU-Staaten sind nicht darunter. Deutschland unterhält allerdings diplomatische Beziehungen zu den Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde.

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Wo liegt Palästina?

Die Bezeichnung Palästina meint heute zunächst ein vorderasiatisches, an der Südostküste des Mittelmeeres gelegenes Gebiet, das das Staatsgebiet Israels, Jordaniens sowie die seit 1967 besetzten Palästinensergebiete (Westjordanland einschließlich Ostjerusalem sowie Gazastreifen) mit einschließt. Das historische Palästina ist noch weiter gefasst: Teile Syriens und des Libanons kommen hinzu. Das Gebiet gehörte bis 1918 vier Jahrhunderte lang zum Osmanischen Reich.

Ein Blick in die Vergangenheit: Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) wurde Palästina von britischen Truppen erobert und zu einem Mandatsgebiet Großbritanniens. Das sorgte allerdings nicht für eine Befriedung der jüdisch-palästinensischen Spannungen vor Ort – ganz im Gegenteil. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Juden aus europäischen Ländern, in denen sie der Verfolgung ausgesetzt waren, und trafen auf die Palästinenser. Der jüdische Bevölkerungsanteil stieg bis 1945 auf rund 30 Prozent.

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es noch komplizierter. Im November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen, Palästina in einen arabischen (rund 43 Prozent der Fläche) und einen jüdischen Staat (56 Prozent) aufzuteilen, wobei Jerusalem unter internationaler Verwaltung stehen sollte. Im Teilungsplan wurde auch beschlossen, dass das britische Mandat für Palästina spätestens am 1. August 1948 beendet werden sollte. Bereits im Mai 1948 zogen die letzten britischen Truppen ab, und der Staat Israel wurde gegründet. Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und der Irak griffen Israel noch am selben Tag an. Hunderttausende Araber wurden während der Auseinandersetzungen aus Israel vertrieben.

Palästina und Israel: Jahrzehnte mit Kriegen

Jahrzehnte voller Kriege prägen seitdem die Region: auf den Unabhängigkeitskrieg von 1948 folgten die Suezkrise von 1956, der Sechstagekrieg von 1967, der Jom-Kippur-Krieg von 1973, der Libanonkrieg von 1982/83 und die beiden Intifadas (Intifada = arabisch für „Abschüttlung“).

Mahmud Abbas ist bereits seit Januar 2005 Präsident der Palästinensischen Autonomiegebiete.
Mahmud Abbas ist bereits seit Januar 2005 Präsident der Palästinensischen Autonomiegebiete. © Alex Brandon/Pool AP/dpa | Unbekannt

Die erste Intifada, die im Dezember 1987 begonnen hatte, endete 1993 mit der Unterzeichnung des Osloer Abkommens. Dessen Problem: Viele Fragen blieben unbeantwortet. Zum Beispiel diese: Was passiert mit den jüdischen Siedlungen? Was mit den palästinensischen Flüchtlingen? Was mit Jerusalem? Übrigens: Diese Fragen sind bis heute nicht geklärt.

Zweite Intifada: Radikale Palästinenser verüben Selbstmordanschläge

Die zweite Intifada startete im September 2000. Sie war durch eine hohe Anzahl von Selbstmordanschlägen in Israel gekennzeichnet, zu denen radikale Palästinenser bereit waren. Erst am 8. März 2005 verkündeten der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas eine Waffenruhe.

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Bereits am 15. November 1988 hatte die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) in Algier den Staat der Palästinenser ausgerufen – mehr ein symbolischer Akt. Die PLO bekam schließlich erst im November 2012 den Beobachterstatus („Non-Member Observer State Status“) als Staat Palästina bei den Vereinten Nationen. Die bereits erwähnten 138 Nationen (von 193 UNO-Mitgliedern) stimmten dieser Anerkennung gegen den Widerstand Israels und der USA zu.