US-Ermittler Jack Smith

„Politischer Auftragskiller“: Vor diesem Mann zittert Trump

Dirk Hautkapp
| Lesedauer: 4 Minuten
Donald Trump in Dokumentenaffäre in 37 Punkten angeklagt

Donald Trump in Dokumentenaffäre in 37 Punkten angeklagt

Der frühere US-Präsident und erneute Präsidentschaftsbewerber Donald Trump ist in der Dokumentenaffäre in 37 Punkten angeklagt worden. Sonderermittler Jack Smith kündigte einen "zügigen Prozess" gegen den 76-Jährigen an. Trump weist alle Vorwürfe zurück.

Video: Politik, Justiz, Kriminalität
Beschreibung anzeigen

Washington.  Der gegen den Ex-Präsidenten eingesetzte Staatsanwalt gilt als „akribischer Ermittler“ – doch das Trump-Lager sucht seine Schwächen.

Seit er im November 2022, damals noch in den Niederlanden an den Folgen eines Radunfalls laborierend, zum Sonderermittler in Sachen Trump bestellt wurde, hat Jack Smith geschwiegen wie ein Grab. Öffentliche Wasserstandsmeldungen zum Verfahren gegen den ehemaligen US-Präsidenten hat sich der 54-Jährige, der aus der Nähe von Syracuse im Bundesstaat New York stammt, komplett versagt.

Dass er neben einer Geschworenen-Jury in der Hauptstadt Washington eine zweite “Grand Jury” in Miami, Florida, installieren ließ, um die Ergebnisse seiner mit Hochdruck betriebenen Untersuchungsergebnisse zu präsentieren und sich das Plazet zur Anklageerhebung einzuholen, kam erst in dieser Woche heraus. Smith, von Justizminister Merrick Garland berufen, hatte sich vollständig unsichtbar gemacht.

Lesen Sie auch: Trump in 37 Punkten angeklagt – Was ihm jetzt droht

Das ist nun vorbei. Wenn am Dienstag in Miami die Anklageschrift gegen den ehemaligen Präsidenten Donald Trump verlesen wird, bekommen Öffentlichkeit und Fachwelt zum ersten Mal einen Einblick in die Vorgehensweise des Mannes, den Trump nach dessen Berufung im vergangenen Herbst einen „politischen Auftragskiller” nannte, der „total kompromittiert“ sei und aufgrund seiner Voreingenommenheit nicht mal in die Nähe des Justizministeriums gelassen werden dürfe.

Vorwürfe der Voreingenommenheit gegen Smith

Ein Tenor, der in Justizkreisen nicht geteilt wird, wo Smith als “beinharter und akribischer Ermittler” gilt, der nur dann eine Anklage anstrebe, wenn er sich seiner Beweisführung sicher sei. Smith, der verheiratet ist und eine Tochter hat, arbeitete im US-Justizministerium einige Jahre federführend in der Abteilung für Korruptionsbekämpfung und öffentliche Integrität. In dieser Rolle war er maßgeblich an der Verurteilung des früheren republikanischen Gouverneurs von Virginia, Bob McDonnell, beteiligt. Ihm war vorgeworfen worden, üppige Geschenke angenommen zu haben.

Doch das Urteil gegen McDonnell wurde später vom Obersten Gerichtshof revidiert. Der Gouverneur warf Smith Voreingenommenheit vor. Auch die strafrechtliche Verfolgung des früheren demokratischen Senators John Edwards, der Geld an eine Gespielin weitergeleitet haben soll, endete erfolglos. Die Jury konnte sich nicht einigen, der Prozess wurde als fehlerhaft verworfen. Aus diesen beiden Details versucht das Trump-Lager nun Honig zu saugen und Smith als Winkel-Advokat darzustellen.

Smith: Von Harvard über New York nach Den Haag

Am meisten aber schießen sich die Trumpianer derzeit auf Smiths Ehefrau ein. Die Filme-Macherin Katy Chevigny hatte an der „Becoming”-Film-Dokumentation von Ex-First Lady Michelle Obama mitgewirkt und 2020 rund 2000 Dollar für den Wahlkampf des heutigen demokratischen Präsidenten Joe Biden gespendet. Aus Sicht von Trump und Co. ist damit der Nachweis erbracht, dass Jack Smith nicht parteipolitisch unabhängig urteilen könne. Seine Karriere lässt allerdings das Gegenteil vermuten.

Auch interessant: Rivalen in Angst – Anklage kann Trump Aufwind geben

Smith beendete 1987 die Highschool. Nach dem Jura-Studium an der Elite-Universität Harvard fing er in der Staatsanwaltschaft in Manhattan an. Justizminister Merrick Garland sagt: “Über seine Karriere hinweg hat Jack Smith sich einen Ruf als unparteiischer und entschlossener Staatsanwalt aufgebaut, der seine Teams mit Energie und Konzentration führt, den Fakten zu folgen, wo auch immer sie hinführen.”

Smith führten sie 2008 auch an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Der Jurist ermittelte gegen ausländische Regierungsvertreter und Milizen wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Als Chefankläger kehrte Smith 2018 noch einmal nach Den Haag zurück und kümmerte sich dort vor allem um die Kriegsverbrechen im Kosovo. Ende 2021 begann der erste Prozess gegen einen ehemaligen Kommandeur der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK).