Niedrige Löhne treibt Altenpfleger von Saalfeld-Rudolstadt nach Bayern

Wenn Altenpfleger ein paar Kilometer südlich des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt 25 Prozent mehr Lohn bekommen, gibt es hier ein Fachkräfteproblem. Das bekam Thüringens Gesundheits- und Sozialministerin Heike Taubert (SPD) gestern in Bad Blankenburg deutlich zu hören.

Pflegedienstleiter Carsten Nielsen bespricht mit Conny Jahn, Steffi Schilling, Juliane Dietrich und Astrid Hassenstein (von links) die Dienstpläne des ambulanten Pflegedienstes des DRK in der Sozialstation in Bad Blankenburg. Foto: Thomas Spanier

Pflegedienstleiter Carsten Nielsen bespricht mit Conny Jahn, Steffi Schilling, Juliane Dietrich und Astrid Hassenstein (von links) die Dienstpläne des ambulanten Pflegedienstes des DRK in der Sozialstation in Bad Blankenburg. Foto: Thomas Spanier

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Bad Blankenburg. Matthias Schmidt, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Rudolstadt, hat es wieder und wieder erlebt: Junge Leute werden in Thüringen zum Altenpfleger ausgebildet, fangen im ambulanten Pflegedienst des DRK in Bad Blankenburg oder Katzhütte an und kündigen nach wenigen Monaten wieder, weil sie für die anstrengende Arbeit ein paar Kilometer südlich in Bayern rund 25 Prozent mehr Lohn bekommen.

Noch funktionieren die beiden Sozialstationen im Schwarzatal gut, deren Einzugsbereich von Etzelbach bis Goldisthal reicht. Auch deshalb, weil man einen sehr guten Ruf unter den Patienten genießt und alle 37 Beschäftigten, darunter drei Männer, in Vollzeit arbeiten. Das Fachkräfteproblem ist dennoch absehbar. "Wenn wir 65-jährige Frauen diese schwere Arbeit machen lassen, stimmt etwas nicht", sagt Schmidt.

Die Erfahrung teilt der Mann vom Roten Kreuz mit anderen Anbietern ambulanter Pflege. Schmidt hatte gestern aber im Unterschied zu ihnen Gelegenheit, die Politik auf den Pflegefall Pflege aufmerksam zu machen. Thüringens Gesundheits- und Sozialministerin Heike Taubert (SPD) hörte sich in der DRK-Sozialstation in der Bad Blankenburger Siedlung geduldig die Sorgen der Mitarbeiter an. Ohne Patentrezepte anbieten zu können. Immerhin räumte sie ein, dass der Preiskampf in der ambulanten Pflege allen geschadet habe. Auch deshalb liegt der Freistaat mit den Vergütungssätzen, die zwischen Pflegedienst und Pflegekasse ausgehandelt werden, deutschlandweit mit am Ende.

Bei den Kosten sei kaum noch zu sparen. "Wir fahren die billigsten Autos, sitzen in alten Räumen und brauchen dringend qualifiziertes Personal", so Schmidt.

Dabei sind beim DRK schon vier von fünf Pflegern ausgebildete Fachkräfte, deren Arbeitstag in der Frühschicht kurz nach 5 Uhr beginnt und in der Spätschicht 22 Uhr endet. Im Unterschied zu Pflegern im Krankenhaus oder Altenheim kommen in der ambulanten Pflege noch etliche Kilometer Autofahrt bei Wind und Wetter dazu. Juliane Dietrich, deren Tour in Richtung Paulinzella geht, kommt in einer Frühschicht locker auf 100 Kilometer. Von den Beschwerlichkeiten eines richtigen Winters in der Bergbahnregion ganz zu schweigen.

Auf jeder Tour werden von den Pflegern rund 20 Patienten besucht, 260 hat das DRK Rudolstadt insgesamt. Mit steigender Tendenz. "Einerseits durch die verkürzten Liegezeiten in den Krankenhäusern, aber auch wegen der demografischen Entwicklung steigt der Pflegebedarf", erläutert Pflegedienstleiter Carsten Nielsen.