Treppe statt Aufzug: So sollen Thüringens Landesbedienstete Energie sparen

Sebastian Haak
| Lesedauer: 4 Minuten
Besser zu Fuß gehen: Den Landesbediensteten in Thüringen wird jetzt nahegelegt, auf vielfältige Weise Energie zu sparen. (Symbolbild)

Besser zu Fuß gehen: Den Landesbediensteten in Thüringen wird jetzt nahegelegt, auf vielfältige Weise Energie zu sparen. (Symbolbild)

Foto: Christin Klose / dpa

Erfurt.  Es muss Energie gespart werden – und die Möglichkeiten sind vielfältig. Das zeigt sich bei den Thüringer Landesbediensteten. Was sie tun und lassen sollen.

Zu Fuß gehen statt den Aufzug nutzen. Möglichst oft im Home office arbeiten. Wenig heizen … Tausende Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst des Landes haben in den vergangenen Tagen eine ziemlich genaue Vorstellung davon bekommen, welche Auswirkungen die aktuelle Energiekrise auf ihren Berufsalltag haben wird. Oder sie bekommen die entsprechende Mitteilung in den nächsten Tagen nachgereicht.

Nach Angaben eines Sprechers der Landesregierung sind derzeit alle Ministerien sowie deren nachgeordnete Bereiche damit beschäftigt, eigene Energiesparverordnung zu erlassen, um sicherzustellen, dass in den verschiedenen Liegenschaften des Landes in diesem Herbst und Winter deutlich weniger Wärme und Strom verbraucht wird als in der vergangenen Heizsaison beziehungsweise dunklen Jahreszeit.

Selbstverpflichtung angesichts von Angriffskrieg und Klimakrise

Ein Sprecher des Thüringer Energieministeriums sagte, damit setzten die einzelnen Ressorts der Landesregierung eine Selbstverpflichtung um, auf die sich das Kabinett von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) vor wenigen Tagen geeinigt hatte. In dieser Selbstverpflichtung heißt es: „Die Thüringer Landesregierung verpflichtet sich, mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie auf die Ziele zur Abmilderung der Klimakrise und des Vorantreibens einer echten Energiewende und der daraus resultierenden Verantwortung für künftige Generationen einen signifikanten Beitrag zur Einsparung von Energie zur Verhinderung einer drohenden Gasmangellage zu leisten.“

Aus dem Entwurf des Thüringer Infrastrukturministeriums für eine solche Energiesparverordnung in seinem Geschäftsbereich wird im Detail deutlich, was das Land in den kommenden Monaten von seinen Beschäftigten erwartet – weil die Landesverwaltung mit gutem Beispiel vorangehen soll. Immerhin gibt es aus der Landes- und Bundespolitik zahlreiche Appelle an Privathaushalt und Unternehmen, einen eigenen Beitrag zum Energiesparen zu leisten. Ein Tenor dabei: Selbst kleinste Einsparung können im Großen helfen, wenn nur ausreichend viele dabei mitmachen.

Einsatz von elektrischen Heizgeräten auf Arbeit verboten

Ein Beispiel dafür sind die Appelle von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), möglichst viele Menschen sollten wassersparende Duschköpfe in ihre Badezimmer einbauen. In dem Entwurf des Infrastrukturministeriums, der unserer Zeitung vorliegt, wird nun nicht nur festgeschrieben, dass die Büros der Beschäftigten in dieser Heizperiode nur noch auf eine Temperatur von 19 Grad Celsius geheizt werden dürfen.

„Es erfolgt keine Beheizung von Gemeinschaftsflächen, die nicht dem dauerhaften Aufenthalt von Personen dienen“, steht außerdem in dem Dokument. Zudem will das Ministerium den Beschäftigten über diesen Energiesparplan auch untersagen, elektrische Heizgeräte auf Arbeit zu benutzen, wenn ihnen 19 Grad zu kalt ist.

Eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums sagte, ob alle in dem Entwurf vorgeschlagenen Einschränkungen so umgesetzt würden, sei noch offen. Der Personalrat des Hauses müsse dem Entwurf noch zustimmen.

Beim Verlassen des Raums das Licht auslöschen …

Neben Wärmeeinsparungen zielt der Entwurf des Infrastrukturministeriums auch auf das Stromsparen. Die Bediensteten sollten verpflichtet werden, soweit wie möglich auf die Benutzung elektrischer Geräte zu verzichten, heißt es dort. Das schließe auch die Nutzung von Aufzügen mit ein. „Elektrische Geräte in den Büros und in den Teeküchen sind nach Gebrauch nicht im Stand-by-Modus zu belassen, sondern auszuschalten und außer IT-Endgeräten nach Möglichkeit vom Stromnetz zu trennen.“

Andere Sätze dazu lesen sich wie Selbstverständlichkeiten: „Die Verwendung von elektrischer Beleuchtung hat ressourcenschonend zu erfolgen. Diese ist in allen Räumen beim Verlassen durch die jeweils letzte, den Raum verlassende Person auszuschalten.“

Außerdem sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums dem Entwurf zufolge dazu angehalten werden, möglichst oft im Homeoffice zu arbeiten – und wo immer möglich auf Dienstreisen zu verzichten. Unverzichtbare Dienstreisen sollen grundsätzlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen, heißt es in dem Papier. Wer einen Dienstwagen nutzen müsse, dürfe damit – soweit es die Verkehrslage erlaubt – maximal 130 Stundenkilometer schnell fahren.