Eichsfeld. Das Fliegen gilt als Männersport. Um mehr Frauen dafür zu begeistern, ist auf dem Flugplatz Eichsfeld eine besondere Aktion geplant – und eine Party.

Wiebke Goebel schiebt ihre Sonnenbrille zurück auf die Nasenwurzel und schaut prüfend auf das Flugfeld auf dem Flugplatz Eichsfeld in Günterode. Die Hangartore sind weit offen, die große Halle ist allerdings leer. Tragfläche an Tragfläche einsortiert wie in einem Puzzle stehen die Segelflieger und auch Motorflugzeuge draußen in der Sonne. Emsige Helfer putzen und prüfen mit hoher Konzentration. Ab und zu surrt es und ein Segelflieger wird über die Seilwinde regelrecht in die Luft „geschossen“ und schwebt unter dem blauen Himmel in der Thermik.

„Wir sind dieses Jahr etwas später dran als gewohnt“, erzählt Wiebke Goebel. „Zu Ostern war das Wetter so schlecht.“ Sie ist die Chefin der Eichsfelder Luftsportvereinigung, und das schon seit Jahren. Um die 80 Mitglieder sind im Verein. An diesem Tag huschen lauter Männer über den Platz. Die Chefin winkt ab. „Ja, der Frauenanteil bei uns könnte besser sein.“ Sie selbst ist seit ihrer Jugend passionierte Pilotin, liebt es einfach, in luftigen Höhen unterwegs zu sein, egal ob es in der Stille eines Segelfliegers ist oder es mit Motor und Propeller hoch oben ordentlich vorangeht.

Frauenpower im Cockpit und auf den Passagierplätzen

Oliver Zicke gesellt sich hinzu. „Kaffee?“, fragt er. Auch er lässt den Blick über das Flugfeld schweifen, wo jetzt einige junge Männer unter fachkundiger Anleitung an den Flugzeugen beschäftigt sind. „Der Frauenanteil könnte wirklich höher sein“, sagt er. „Aber dagegen wollen wir etwas tun.“ Kurz muss er unterbrechen, eine Walze scheppert auf dem Rasen vorbei, der Boden zittert. „Der Untergrund muss verdichtet werden“, erklärt er kurz. „Der viele Regen...“ Niemand wolle, dass ein Flugzeug bei der Landung auf Gras steckenbleibt oder sich gar überschlägt. „Das gehört zur Pflege des Platzes.“

Oliver Zicke und Wiebke Goebel freuen sich auf ein volles weibliches Haus beim ersten „Ladies Flight Weekend“ auf dem Flugplatz Eichsfeld
Oliver Zicke und Wiebke Goebel freuen sich auf ein volles weibliches Haus beim ersten „Ladies Flight Weekend“ auf dem Flugplatz Eichsfeld © Silvana Tismer

Er kommt zurück zu den Frauen, während er den Kaffee einschenkt. Es gebe einige Damen auf dem Flugplatz. „Aber das Fliegen ist immer noch als Männersport in den Köpfen der Leute.“ Das Klischee gefalle ihm nicht. „Mir auch nicht“, wirft die Vorsitzende ein. Bei Gastflügen seien durchaus Frauen als Passagiere dabei. Aber sie fehlen am Steuer.

„Voriges Jahr haben wir uns etwas überlegt, wie wir das ändern könnten“, erzählt Oliver Zicke. „Unser Verein ist großartig und vom Altersdurchschnitt jung.“ Als Ergebnis der Überlegungen sei herausgekommen, ein Wochenende nur für Frauen auf die Beine zu stellen. „Ein Ladies Flight Weekend“, erklärt er. Frauen müssen jetzt keine Angst haben, dass sie selbst ein Flugzeug steuern müssen. „Nein, natürlich nicht“, lacht Zicke. Aber zwei Tage lang sind „alle Mädels von 9 bis 99 Jahren“ eingeladen, die einmal fliegen möchten. Für die Schnupperflüge werden Segelflugzeuge, aber auch motorisierte Ultra-Leichtflugzeuge und auch welche der sogenannten Echo-Class bereitstehen, für die es wieder einer eigenen Pilotenlizenz bedarf. Man sei einer der wenigen Flugplätze, bei denen Start und Landung auf einer Rollbahn und auf Gras möglich ist.

Hangarparty mit Barbecue und Liveband

„Das kann ein Heidenspaß werden“, blickt Zicke voraus. „Zumindest wird es nicht langweilig.“ Denn die Segelflugzeuge werden auf zweierlei Weise in die Luft befördert, einmal im sanften Flugzeugschlepp und einmal mit der Seilwinde. „Und wir wollen mit den verschiedenen Flugzeugtypen und -klassen auch die Vielfalt zeigen, was als Hobby möglich ist.“ Das geplante Wochenende soll dazu da sein, den Spaß zu wecken und die „Basics“ zu zeigen.

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Wiebke Goebel weiß ebenso gut, dass der Segelflugsport das „Einsteigermodell“ ist. „Und der erste Alleinflug ist schon mit 14 Jahren möglich. Das heißt, dass Kinder und junge Leute auch noch eher in das Hobby einsteigen können.“ Oliver Zicke fügt hinzu, dass im Verein jeder herzlich willkommen ist, der Spaß an der Sache hat, aber auch jeder so genommen wird, wie er ist. „Mobbing oder dummes Gerede gibt es bei uns nicht“, sagt er.

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Oliver Zicke holt eine Postkarte und ein Plakat hervor, mit denen der Verein für den Tag werben will. Es geht nämlich nicht nur um das Fliegen, sondern auch um Geselligkeit und eine richtige Hangarparty mit Livemusik. „Am 8. und 9. Juni“, gibt er das Datum bekannt. Bereits Samstag geht es ab 11 Uhr mit dem „Fly in“ los, bis 17.30 Uhr dreht sich alles ums Fliegen.

Wer Hunger hat, kann sich ab 12 Uhr am „Fly & Turf Barbecue“ stärken, ab 14.30 Uhr heißt es „Pilots Coffee time“. Am Abend startet ab 19.30 Uhr die „BBQ Hangarparty“ mit Livemusik der Band „Beetween Lights“ und einem DJ. Für die Party gibt es den Eintrittspreis von zehn Euro. Ebenso ist am Sonntag das „Fly in“, das „Fly out“ ist für 17 Uhr geplant. „Wir freuen uns“, sagen Wiebke Goebel und Oliver Zicke, ehe sie sich wieder ihrem Hobby widmen und das nächste Flugzeug für den Start vorbereiten.