Neue Miss Thüringen: Weltenbummlerin und Unternehmerin mit 20 Jahren

Gernrode.  Greta Barthel (20) aus dem Eichsfeld erzählt von ihren Reisen, was sie dabei gelernt hat und warum sie Miss Germany werden will. An sich glauben und mutig sein, das sind ihre Grundsätze.

Greta Barthel aus Gernrode ist die Miss Thüringen 2020. Sie erzählt von ihren Reisen durch die Welt und was sie dabei gelernt hat

Greta Barthel aus Gernrode ist die Miss Thüringen 2020. Sie erzählt von ihren Reisen durch die Welt und was sie dabei gelernt hat

Foto: Eckhard Jüngel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sie ist 20 Jahre alt, eine junge Frau, eine Tochter, eine Schwester, eine Jungunternehmerin und Weltenbummlerin. Und Greta Barthel aus Gernrode ist auch die Miss Thüringen 2020. Sie wird im kommenden Jahr an der Wahl zur Miss Germany teilnehmen. Und dabei passt ihr bisheriger Lebenslauf eigentlich nicht zu solchen Schönheitswettbewerben – oder vielleicht doch?

„Ich hätte mich nie für die Miss-Wahl beworben mit ihrem alten Schema“, sagt sie. Miss Germany habe aber einen Imagewandel vollzogen. „Es geht jetzt viel mehr um Persönlichkeit, um Authentizität“, wehrt sie den Vorwurf ab, eine Miss-Wahl sei nicht gerade feministisch. Die Finalistinnen der Bundesländer mussten aber nicht etwa in Abendkleid und Bikini über einen Laufsteg schreiten. „Das lief alles auf multimedialer Ebene. Ein Online-Voting unterstützte die Entscheidung einer Jury“, berichtet sie. Die Vorstellung der Kandidaten war dabei schlicht gehalten. Ein Foto, dafür mehr Informationen über die Frau auf dem Bild. 18 Jahre ist die jüngste Finalistin, 35 Jahre die älteste.

Greta Barthel: „Dann stand für mich fest: Ich will weg“

Als Greta Barthel von ihrem Sieg erfuhr, war sie gerade in Delhi, Indien, am Flughafen. Von dort kommt nämlich ihr Freund. Den hat sie in Shanghai kennen gelernt. Aber der Reihe nach:

Die heute 20-Jährige ging mit einem Hauptschulabschluss von der Breitenworbiser Regelschule. Damals hatte die Familie eine Austauschschülerin aus den USA aufgenommen. „Sie hat mich mit der Idee, ins Ausland zu gehen, angesteckt. Mit ihrer Hilfe habe ich mein Englisch verbessert, und dann stand für mich fest: Ich will weg.“ Aber es sollte ein exotisches Ziel sein, nicht etwas, was jeder macht.

Erst Thailand, dann China

Die Wahl fiel auf Thailand, auf Bangkok. „Die Menschen dort sind so glücklich, auch wenn sie weniger haben als wir hier. Und auch so herzlich. Mit meiner gesamten Gastfamilie stehe ich noch in Kontakt.“ Greta Barthel ging dort auf eine Schule mit 6300 Schülern. Sie war eine der wenigen Ausländer. Dort lernte sie auch Thai und kann es heute noch sprechen.

Voller guter Gefühle und Hoffnungen ging es zurück nach Hause. Doch schnell hatte sie der Alltag wieder, die oft erwähnte „deutsche Kälte“ stand für Great Barthel im krassen Gegensatz zur Herzlichkeit ihrer thailändischen Gastfamilie. Nach einem Jahr brach sie also die Ausbildung zur Kinderpflegerin in Erfurt ab und packte wieder ihre Koffer. „Ich habe einfach gemerkt, dass mich das nicht glücklich macht.“ Diesmal ging es nach China.

Als Aupair lebte sie bei einem der reichsten Chinesen in Hangchou, in der Nähe von Shanghai. „Aber Geld

macht nicht glücklich. Das habe ich dort erfahren. Die Eltern haben ihre Kinder kaum gesehen“, erinnert sie sich. Greta Barthel brachte dem drei, sieben und zehn Jahre alten Nachwuchs Englisch bei, spielte und verbrachte Zeit mit ihnen. Aber mit dem Reichtum kamen dort auch Geiz und Missgunst, und so wechselte sie die Gastfamilie.

Nach dieser Erfahrung überlegte die junge Frau, nach China zu ziehen – sie habe auch chinesisch gelernt – oder nach Thailand. Aber dann kam der Freund aus Indien ins Spiel. „Das ist definitiv auch eine Option als Wohnort“, sagt sie. Nun bleibt sie aber erst einmal im Eichsfeld, freut sich auf das Weihnachtsfest mit der Familie.

Model-Agentur gegründet

Und da ist ja auch noch die Arbeit. Seit Mai dieses Jahres ist die 20-Jährige nämlich selbstständig. Sie hat eine Model-Agentur gegründet. 21 internationale Models hat sie aktuell unter Vertrag. Schon während der Schule arbeitete sie für eine Agentur aus Wien, hatte damals bereits neue Models gesucht und geholfen, sie aufzubauen. „Auf meinen Reisen baue ich mir dazu auch nach und nach ein Netzwerk auf.“ Und Greta Barthel modelt selbst. „Wenn ich lerne, wie ein Model arbeitet, dann ist das auch besser für meine Agentur. So kann ich vieles besser nachvollziehen“, sagt sie. „Das Business kann schon dunkel sein. Auch Prostitution spielt eine Rolle.“ Als Miss Germany hätte sie die richtige Plattform, um die Modelbranche zu verbessern. Sicherheit, faire Bezahlung und die Behandlung der Models als Frauen und nicht als eine Puppe gehören für sie dazu.

„Das Leben im Ausland hat meinen Horizont so sehr erweitert. Ich habe gelernt, an mich zu glauben und Dinge zu schätzen und dass ich, wenn ich Mut habe und den Willen, alles erreichen kann, was ich möchte.“ Man habe ihr immer gesagt, dass sie mit einem Hauptschulabschluss nicht viel erreichen kann. Doch Greta Barthel hat ihren Kritikern das Gegenteil bewiesen.

Ende Januar geht es für die junge Frau ins Miss-Germany-Camp in den Europapark Rust. Dort stehen Fotoshootings und Videoaufnahmen an, auch Workshops im Bereich Soziale Medien, ein Kniggekurs und Laufstegtraining. Darauf folgt eine Woche in Ägypten mit ähnlichen, Inhalten bevor es am 15. Februar 2020 ernst wird und Greta Barthel aus Gernrode mit 15 anderen Frauen um den Titel Miss Germany 2020 kämpft.

20-jährige Greta ist neue Miss Thüringen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren