Straße in Eisenach erinnert an den, der an seinen Werten festhielt

Eisenach.  Vierter und letzter Teil der Serie „Ein Arzt wird Revolutionär“: Die Einheit kommt. Gerhard Friedrich Hasse kehrt an den Operationstisch-Tisch zurück.

Eisenachs Bürgermeister Hans-Peter Brodhun (links) würdigt zum 67. Geburtstag im April 1992 die Leistung von Chefarzt Gerhard Friedrich Hasse anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand.

Eisenachs Bürgermeister Hans-Peter Brodhun (links) würdigt zum 67. Geburtstag im April 1992 die Leistung von Chefarzt Gerhard Friedrich Hasse anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand.

Foto: Norman Meißner

Im Januar 1990 leitete der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow eine entscheidende Wende in der Deutschlandpolitik ein, die die Welt in Erstaunen versetzte. „Die Vereinigung der Deutschen“, sagte er, „wird niemals und von niemandem grundsätzlich in Zweifel gezogen.“ Und im Februar fügte er gegenüber Bundeskanzler Kohl (CDU) hinzu: „Die Entscheidung der Deutschen, in einem Staat zu leben, wird von der Sowjetunion respektiert.“

Ende Januar 1990 trat Gerhard Friedrich Hasse als Vorsitzender des Demokratischen Aufbruchs zurück. Er könne nicht mehr, begründete er seine Entscheidung, „zwei Herren“ dienen, sei er doch mit „Leib und Seele Arzt“. Er blieb der Bürgerinitiative, deren Ziele er weiter kraftvoll vertrat, als Ehrenvorsitzender jedoch fest verbunden. Und auch 1990 wirkte er an führender Stelle im Eisenacher Bürgerkomitee, als Mitglied des Runden Tisches und als Abgeordneter des Demokratischen Aufbruchs im Stadtrat daran mit, die tiefgreifenden Veränderungen zu Ende zu führen, die im Herbst 1989 eingeleitet worden waren.

Nachdem der Demokratische Aufbruch, der Hasses Meinung nach „so vieles angeworfen hat“, aufgelöst worden war, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Bürger für Eisenach, die er auch im Stadtrat vertrat. Erstmals seit 1946 fand am 18. März 1990 in der DDR eine freie und geheime Wahl statt, um die Abgeordneten der Volkskammer zu bestimmen.

Aus der Wahl ging die CDU als stärkste Partei hervor, schien sie doch den meisten Wählern besser als andere Parteien imstande, die Vereinigung Deutschlands voranzutreiben. Vor der Wahl hatte sich Gerhard Friedrich Hasse für die Wiedervereinigung Deutschlands ausgesprochen, obwohl er es für sinnvoll erachtete, sie über einen längeren Zeitraum hinweg vorzubereiten. Später erkannte er jedoch, wie notwendig es gewesen sei, die Einheit bereits im Oktober 1990 herbeizuführen.

Lothar de Maizière (CDU) bildete ein Kabinett, dem zum ersten Mal seit Gründung der DDR keine kommunistische Minister angehörten. De Maizière kam mit Kohl überein, die Währung der Bundesrepublik am 1. Juli in der DDR einzuführen. Gemeinsam mit der Bundesregierung arbeitete das Kabinett de Maizière sodann einen Einigungsvertrag aus, um die beiden deutschen Staaten zusammenzuschließen. Den Weg zur deutschen Einheit machte schließlich der Moskauer Vertrag vom 12. September 1990 endgültig frei, mit dem die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges Deutschland die volle Souveränität zurückgaben.

Nach der friedlichen Revolution, der Gerhard Friedrich Hasse zusammen mit wenigen anderen Männern und Frauen mutig vorangegangen war, hat er an den Werten festgehalten, die ihn immer geleitet hatten: Zivilcourage, Achtung vor den anderen, Vertrauen in die eigene Kraft, aktive und moralische Hilfe für die Menschen neben uns. Von vielen geachtet, erlag der Arzt, der zum Revolutionär geworden war, im Alter von 76 Jahren am 9. September 2001 in Eisenach seiner schweren Krankheit. Die Stadt Eisenach ehrte ihn, indem sie unweit des St.-Georg-Klinikums eine Straße nach ihm benannte.

Zur Serie und zum Autor

In einer kleinen Serie erinnern wir an das Wirken des Arztes Gerhard Friedrich Hasse vor und während der friedlichen Revolution in der DDR 1989. Mit diesem Artikel endet die Serie. Der Eisenacher Mediziner Gerhard Friedrich Hasse war ein entscheidender Protagonist der Opposition in der Wartburgstadt, aber auch darüber hinaus. Wir gehen zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit der Frage nach, was brachte Hasse dazu, vom Arzt zum Revolutionär zu werden.

Unser Autor Bernd Jeschonnek, Historiker von Beruf, lebt seit 1997 in Eisenach. Nachdem Gerhard Friedrich Hasse 2001 verstorben war, übergab seine Witwe den Nachlass ihres Mannes an Jeschonnek, der ihn sichtete und dem Eisenacher Stadtarchiv übergab. Der Nachlass liegt dem Artikel zugrunde.