Erfurt. Nicht nur am Berliner Platz sind sie zu finden, auch am Zughafen gibt es mehrere Stellen, wo man ganz genau hinschauen muss. Wo sie sich verstecken und manchmal sogar leuchten.

Das „ Haus zum Sonneborn“ , das „ Haus zum großen und zum kleinen Löwen“ oder auch das „ Haus zum güldenen Stern“ sind gute Beispiele für Schriftzüge, die im Erfurter Stadtbild auffallen und von früheren Zeiten zeugen. Als Überbleibsel, deren Geschichte oft nicht gänzlich überliefert ist, bilden sie ein längst vergangenes Erfurt ab.

Schriftzüge sind in Erfurt seltene Artefakte – zumindest manchmal

Ähnlich, aber deutlich zurückhaltender gibt es aber noch andere Reste von Schriftzügen im Stadtbild zu entdecken. So sind noch seltene Einblicke in die Handels- und Handwerkskultur des 19.- und 20. Jahrhunderts möglich. Auch wenn diese durch stete Sanierung der Stadt zu seltenen Artefakten und damit Raritäten geworden sind.

Spuren des Gartenbauunternehmens Johann Christoph Schmidt kann man aus wenigen Blickwinkeln im Bereich der Blumenschmidtstraße in der Krämpfervorstadt finden.
Spuren des Gartenbauunternehmens Johann Christoph Schmidt kann man aus wenigen Blickwinkeln im Bereich der Blumenschmidtstraße in der Krämpfervorstadt finden. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Was sind Ghost Signs?

Ghost Signs sind Spuren, die auf etwas hindeuten, dass nicht mehr existiert, aber noch zu erahnen ist.

Alte Schriftzüge oder Materialien, die sich durch Farbe oder Beschaffenheit an Fassaden abheben und auf ein ehemaliges Nachbarhaus hindeuten, gehören beispielsweise dazu.

Nicht nur die Erfurter Altstadt wird man auf der Suche nach Ghost Signs fündig

Wo die Altstadthäuser mit den illustren Titeln ihre Namen über die Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte, behalten, sind die modernen Inschriften an den Hausfassaden heute zumeist Belege für Firmen und Geschäfte, die es nicht mehr gibt. Diese werden unter denen, die solche Funde in ihren Fotogalerien sammeln, als „Ghost Signs“, also „Geisterzeichen“ bezeichnet. Auf den ersten Blick, den unsere Redaktion schon öfter gewagt hat, finden sich da das Café am Busbahnhof, die Spedition Julius König in der Schmidtstedter Straße oder die Rotplombein der Schlüterstraße.

Gartenbau und Schmiedehandwerk im Osten Erfurts

Wer noch ein wenig weitersucht, wird auch an anderer Stelle fündig. Das Gartenbauunternehmen von Johann Christoph Schmidt mag seine glanzvollste Zeit zwar hinter sich haben, jedoch ist sein Name noch an der Blumenschmidtstraße verewigt. Geht man von der Krämpfervorstadt weiter gen Osten, kann man wiederrum Pfennigs Schmiedemeisterei entdecken, die in Kerspleben ansässig war.

Von der Bautischlerei der PGH Erfurter Möbelwerkstätten zeugt am Ammertaler Weg noch ein schwer zu lesendes Schild über einer Doppeltür.
Von der Bautischlerei der PGH Erfurter Möbelwerkstätten zeugt am Ammertaler Weg noch ein schwer zu lesendes Schild über einer Doppeltür. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger
Kaffee und Softeis luden einst am Johannesplatz ein. Mittlerweile ist die alte Schülergaststätte zum Abriss freigegeben.
Kaffee und Softeis luden einst am Johannesplatz ein. Mittlerweile ist die alte Schülergaststätte zum Abriss freigegeben. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Auf Speisegaststätten-Leben am Erfurter Johannesplatz folgt Leerstand

Doch auch im Norden der Stadt gibt es Reste. Nicht ganz so alt wie die steinernen Lettern in der Altstadt, gibt es in der Nähe des Johannesplatzes, wo die PGH Erfurter Möbelwerstätten mit ihrer Bautischlerei ansässig war. Eine Ecke weiter weisen noch ganz modern aussehende Schilde auf Kaffee- und Softeisverkauf an der alten Schülergaststätte hin, die seit Monaten zum Abriss freigegeben ist. Im Neubaugebiet im Rieth sind es dann schon einzelne Leuchtbuchstaben, die den Weg zum damaligen Ambulatorium wiesen. Ähnlich steht es auch um das ehemalige Restaurant „Stadt Berlin“ am Berliner Platz. Es leuchtet zwar nicht mehr, zeugt aber für viele Erfurter noch für eine gute gastronomische Adresse in der Gegend.

An der Vilnius-Passage im Rieth leuchtete ein kompliziertes Wort für eines der Ärztehäuser der Gegend. Das „I“ wurde zwischenzeitlich erneuert, wie man an der satteren Farbe sehen kann.
An der Vilnius-Passage im Rieth leuchtete ein kompliziertes Wort für eines der Ärztehäuser der Gegend. Das „I“ wurde zwischenzeitlich erneuert, wie man an der satteren Farbe sehen kann. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Auch die Erfurter Ortsteile haben etwas zu bieten

Aber auch die Ortsteile lohnen einen Blick. Wie auch in Kerspleben wird der Suchende nämlich auch in Hochheim fündig. Hier lebt nämlich Ludwig Dörings Fleischerei weiter. Zwar nicht in echtem Wurstverkauf, aber in angenagelten Buchstaben. Wer den Schwierigkeitsgrad übrigens ein wengig erhöhen will, der ist am Zughafen gut beraten. Da wimmelt es wie in Hochheim nur so von Backsteinfassaden, doch ist die weiße Farbe der Beschriftungen hier teilweise so verblasst, dass sich dieser Ort in Sachen Ghost-Signs zum Rätselraten lohnt.

Fleischer konnten sich oft große Eckläden leisten. Wie auch Ludwig Döring in Hochheim.
Fleischer konnten sich oft große Eckläden leisten. Wie auch Ludwig Döring in Hochheim. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger
Durch die Außenwandheizung im Obergeschoss musste der Vorname des Fleischermeisters abgekürzt werden.
Durch die Außenwandheizung im Obergeschoss musste der Vorname des Fleischermeisters abgekürzt werden. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger
Schmiedemeister Pfennig war in Kerspleben ansässig. Vor Ort ist nur ein bescheidenes Schild von seinem Handwerk übrig geblieben.
Schmiedemeister Pfennig war in Kerspleben ansässig. Vor Ort ist nur ein bescheidenes Schild von seinem Handwerk übrig geblieben. © Funke MedienThüringen | Kathleen Kröger

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