Erfurt. Michael Keller schreibt über seinen Kniefall auf der heimischen Scholle.

Ritter fielen in grauer Vorzeit vor der Dame ihres Herzens oder vor ihrem Herrn auf ein Knie, um Respekt, Gehorsam und Loyalität zu zeigen. Heute hat diese zur Rubrik der orthopädischen Verrenkungen zählende Bewegung mitunter noch einen anderen Grund: Gartenarbeit.

Zehn Tage Wühlen in der Krume des heimischen Refugiums können einem den Rest geben. Ganz abgesehen vom falschen Ansehen bei den Nachbarn, allesamt versierte Gartenfreunde. Die ziehen falsche Schlüsse, meinen, man sei nun auch vom Virus des Grabens, Pflanzens und Unkrautziehens befallen. Beruhigender Kommentar des Hausarztes: „Keine Angst, das geht wieder weg“.

Weise Worte zum Wuchs von Unkraut

Dabei, es ging doch nur darum, mittels altbewährtem Subbotnik die florale Wüstenei, jahrelang zuverlässig gewachsen, zu beenden. Mit dem Motto „Trau keinem Ort, an dem kein Unkraut wächst“ ließ es sich bis dahin allerdings auch ganz gut leben. Am Tag des Unkrauts letzte Woche war dann aber klar: die naturbelassene Scholle sollte ansehnlicher werden. Fürs Gewissen blieben drei Unkräutlein stehen, für den Orthopäden schmerzende Gelenke. Von Ritterlichkeit aber keine Spur.