Gewusst, wo die Geldtöpfe stehen

Erfurt.  Das Sportzentrum Essener Straße wurde mit 90-prozentiger Bundesförderung saniert.

Große, lichtdurchflutete Fenster, neue Sanitärtechnik, Heizung, Lüftung, Umkleiden – so präsentiert sich das Sportzentrum in der Essener Straße, das am Mittwoch übergeben wurde. Trotzdem sind noch einige Handwerksarbeiten zu erledigen.

Große, lichtdurchflutete Fenster, neue Sanitärtechnik, Heizung, Lüftung, Umkleiden – so präsentiert sich das Sportzentrum in der Essener Straße, das am Mittwoch übergeben wurde. Trotzdem sind noch einige Handwerksarbeiten zu erledigen.

Foto: Marco Schmidt

Im Februar 2017 bekam das Sportzentrum in der Essener Straße, gleich neben der Riethsporthalle, Besuch. Unter anderem von Carsten Schneider, dem SPD-Bundestagsabgeordneten. Was er sah, war nicht berauschend. Man sah dem Komplex die Jahre an. Erbaut worden sein soll es 1974. Vom Kombinat Umformtechnik, das darin sogar Gästewohnungen für hohen Besuch untergebracht hatte.

Die Holzfenster waren wohl noch aus dieser Zeit. Die Spuren, die der nagende Zahn der Zeit hinterlassen hat, waren unübersehbar. Alles heruntergekommen und trotzdem in Eigeninitiative, so gut es ging, erhalten. „Drei Millionen Euro muss man hier schon mindestens einplanen, um den Sportkomplex zu sanieren. Und um ihn völlig neu zu denken“, sagte seinerzeit Jens Batschkus, Chef des Erfurter Sportbetriebes (ESB).

Er hat recht behalten. Gestern wurde das Gebäude übergeben, obwohl die Handwerker noch einiges zu erledigen haben. Und man erkennt, im Gegensatz zu 2017, das „neu gedachte“ Gebäude kaum wieder. Hell, freundlich, große, lichtdurchflutete Fenster, neue Sanitärtechnik, neue Heizung, neue Lüftung, neue Umkleiden, überarbeitete Kegelbahn. Man könnte noch viel aufzählen. Nur die alte Kneipe „Qualle“, „die zu DDR-Zeiten die wichtigste im Wohngebiet war, weil’s da Rosenthaler Kadarka gab“, so Jens Batschkus, gibt es nun nicht mehr.

Wenn Architekt Tilo Hein verrät, dass eigentlich nur die Wände stehen geblieben sind, sagt das vieles. Sogar die Bodenplatte im Erdgeschoss wurde erneuert. Aber die Unterlagen sagten nicht die Wahrheit. Sie war nicht zwölf, sondern 40 Zentimeter dick. Was die Kosten nach oben trieb. Dazu kam, dass einige Ausschreibungen wiederholt werden mussten, unter anderem bei Tischlerarbeiten, bei Elektro und Sanitär. Mit der Folge, dass die von ESB-Chef Batschkus vermuteten Kosten von drei Millionen nicht reichten. Man ist nun bei 3,9 Millionen angelangt. Und muss mit fünf Monaten Bauverzug leben. In Corona-Zeiten aber verkraftbar.

Kraftsportler, Boxer und Billardspieler haben sich teilweise schon einquartiert

Das Bauende sei absehbar und man werde die offizielle Eröffnung im nächsten Jahr nachholen, versprach Oberbürgermeister Andreas Bausewein, der den beiden Erfurter Bundestagsabgeordneten Antje Tillmann (CDU) und Carsten Schneider (SPD) dankte, die sich für deren Engagement beim Bund eingesetzt hatten. Erfurt hatte sich seinerzeit beworben, um in das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur, so der amtliche Titel, zu kommen. Und fiel erst mal hinten runter. Wie viele andere auch.

Das Programm war am Ende zehnfach überzeichnet, der Bedarf war riesig, ließ Carsten Schneider, damals noch finanzpolitischer Sprecher seiner Fraktion, wissen. Als er das Gebäudeensemble, in das sich Fußballer, Judokas, Boxer, Billardspieler, Leichtathleten, Rugbyspieler und American Footballer teilen, in jenem 2017er Februar gesehen hatte, ermutigte er die Stadt zu einem zweiten Anlauf. Denn das Programm war vom Bund inzwischen nochmals mit einem Gesamtbudget von 100 Millionen Euro aufgelegt worden.

Wie das so ist mit Beziehungen. Der SPD-Mann konnte sowohl die damalige Bundesbauministerin Barbara Hendricks (auch SPD), als auch den Haushaltsausschuss des Bundestags von der Notwendigkeit überzeugen, diese Projekte zu fördern. Und das nun sogar mit einer 90-Prozent-Förderung für finanzschwache Kommunen. In Summe: 2,7 Millionen Euro. Und Antje Tillmann drehte ebenfalls an ihren Beziehungsschrauben.

Ende gut, alles gut. Das Sportzentrum steht nun auch noch Kraftsportlern und Schachspielern zur Verfügung. Kraftsportler, Boxer und Billardspieler haben sich schon teilweise einquartiert. Die Möblierung erfolgt im Januar 2021. Die Bezugsfertigkeit soll am 31. Januar gegeben sein, so Architekt Hein. Bis dahin ist auch der vorgelagerte Funktionsbau zur Unterbringung der Sportgeräte fertig. Später wird dann davor noch eine Ladestation für E-Bikes und eine für E-Autos gebaut. Das Wohnquartier werde durch diesen Komplex „bedeutend aufgewertet", so der OB. Im Verbund mit Nordpark und Geraaue ergebe sich im Norden eine klare Steigerung der Lebensqualität.