Jetzt geht es nur noch aufwärts

Kleinrudestedt.  Kleinrudestedter Kirche wächst zehn Meter in die Höhe. Derzeit wird in der Werkstatt am neuen Turmkopf gebaut. Erster Bauabschnitt endet im Mai

Kerstin Ritter vom Kleinrudestedter Gemeindekirchenrat, bringt sich bei Architekt Hubert Voigt regelmäßig auf den aktuellen Stand der Bauarbeiten.

Kerstin Ritter vom Kleinrudestedter Gemeindekirchenrat, bringt sich bei Architekt Hubert Voigt regelmäßig auf den aktuellen Stand der Bauarbeiten.

Foto: Hartmut Schwarz

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Es ist keine Gartenlaube, kein Wartehäuschen und auch kein Camp der Pfadfinder - es ist das Turmdach der Kleinrudestedter Kirche, das derzeit wie das Werk eines Landschaftskünstlers, „aufgebockt“ vor dem ehemaligen Pfarrhaus steht. Der „Fahrplan“ für die Turm-Sanierung steht fest. Und auch die Finanzierung ist gesichert. Etwa 650000 Euro wurden mobilisiert - aus den verschiedensten Fördertöpfen, erklärt Pfarrer Jan Redeker. Städtebaufördermittel fließen ein, auf das Leader-Programm des Flurneuordnungsamtes konnte zurückgegriffen werden, die Landeskirche beteiligte sich und nicht zuletzt der Bauherr selbst, die Kirchgemeinde.

Für diese ist es derzeit eine Herausforderung zu trennen die gesammelten Spenden und Sponsorengelder zu trennen, erläutert Kerstin Ritter vom Gemeindekirchenrat. Denn es wird für zwei Baustellen gesammelt -- für den Turm und das Gemeindehaus, das auf der Fläche des Kirchenschiffes bereits im Rohbau steht. Man lege Wert darauf, dass exakt dem Wunsch des Spenders entsprochen wird. Wer für den Kirchenraum spende, dürfe sicher sein, dass das Geld auch dafür benutzt wird, wer für den Turm, ebenso. Der erste Bauabschnitt für den Turm ist nicht zu übersehen. Im Spätsommer wurde das marode Oberteil des Turmes entfernt und das provisorische Dach abgehoben. Die zu ersetzende Holzkonstruktion des Oktagons und das einst ersatzlos abgerissene Oberteil des Turmes, entstehen in Nohra über den Winter neu in der Werkstatt der Bauhof Denkmalsanierung GmbH.

Im kommenden Jahr wird der Turm mit den neuen Teilen erstmals wieder in seine ursprüngliche Höhe wachsen. Um zehn Meter geht es in die Höhe, auf 33 Meter (unterhalb Turmknopf). Im zweiten, daran anschließenden Bauabschnitt, so erläutert Architekt Hubert Voigt werden die acht Turmfenster erneuert, wird das Uhrwerk restauriert, die Uhr vom bisherigen „Handbetrieb“ auf Elektro umgestellt. Erstmals wird die Kirche dafür mit Strom versorgt, es werden neue Zuleitungen für einen Hausanschluss verlegt, über diesen künftig auch der Kirchenraum versorgt wird. Und es wird der Glockenstuhl wieder in Form gebracht -- für die drei eisernen Glocken. Wie lange diese über 100 Jahre alten Glocken noch genutzt werden, soll von einem Glockensachverständigen beurteilt werden. Langfristig sei geplant, die gusseisernen Glocken durch Bronzeglocken zu ersetzten. Vorerst aber steht dieses Vorhaben hinten an - nicht zuletzt, weil dafür mindestens weitere 30000 Euro aufgebracht werden müssten.

Längere Pausen lassen sich bei der Sanierung allerdings nicht vermeiden, erklärt Hubert Voigt. Dies sei darin begründet, dass die Fördermittel stets nur in Scheiben abgerufen werden können. Aber in Geduld ist man in Kleinrudestedt geübt. Deshalb werde zwischenzeitlich die alte Haube noch gebraucht - um nach der Aufstockung das Innere des Turms bis zum nächsten Geldregen gegen Wind und Wetter zu schützen. 2021 soll von Mai bis Oktober dann ein dritter Bauabschnitt folgen, bei dem das neue Dach den Kirchturm ergänzen wird. Dann werden die acht nach alten Darstellungen dem Original nachgebauten Teile montiert, der Turmknopf wieder aufgesetzt. Dieser dann mit einer Wetterfahne, auf der das Jahr der provisorischen Sicherung 1991 und das Jahr des Wiederaufbaus, 2021, zu finden sein werden.

Im November 2021 wird dann vielleicht auch ein Knopffest gefeiert, bevor wieder Ruhe auf der Baustelle einziehen wird - oder ein Kirchenfest im Sommer, im folgenden Jahr. Die Arbeiten sind damit aber noch lange nicht beendet. Denn für den Außenputz reicht die Finanzierung nicht aus. Auch soll es künftig einen Durchgang geben, vom Kirchenraum in den Turm - womit die Einheit wieder vollzogen wäre. Es wird also weiter für die Kirche gesammelt. Darauf hat man sich eingestellt. Für Pfarrer Jan Redeker ist beim momentanen Stand schon ein Meilenstein bewegt worden. Auch dank seiner Vorgängerin Pfarrerin Christiane Eckert. Offensichtlich ist jetzt schon, dass das Kleinrudestedter Gotteshaus wieder das Zentrum der kleinen Gemeinde werden wird.

Einen Vorgeschmack auf das künftige Kirchenleben gibt es am Heiligabend, am 24. Dezember. Ab 15 Uhr wird dann erstmals zu einem Krippenspiel in den Rohbau des Kirchenraumes eingeladen. Für die gut 50-köpfige Kirchgemeinde und für ihren Pfarrer wird diese Premiere ein ganz besonderer Moment sein. Den Pfarrer Jan Redeker auch mit der Hoffnung verbindet, dass es in Kleinrudestedt bald mehr Kirchgänger geben wird. Er setzt dabei vor allem auf die Jugendreferentin, die ab dem kommenden Jahr für Angebote sorgen wird. Kleinrudestedt werde dabei eine wichtige Rolle spielen - und der neue Kirchenraum sowieso. Deshalb soll dieser schnellstens mit Fenster und Türen und einem Fußboden ausgestattet werden - das Verputzen will die Kirchgemeinde in Eigenleistung übernehmen. Bis dahin werden die Gottesdienste (wie auch das Krippenspiel) im Stehen abgehalten. Opfer, die gerne gebracht werden. Zumal offensichtlich ist: Es geht voran, es geht aufwärts!

Info: 1840 wurde die Kirche von Hofbaumeister Clemens Wenzeslaus Coudray erbaut. In der DDR-Zeit wurde sie vernachlässigt. Durch Feuchtigkeitsschäden wurde sie in den 1980er Jahren baufällig, das Dach stürzte ein, und wurde 1989 bis auf den Kirchturm abgerissen.

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