„Nicht mit Gigantomanie verzetteln“ – SPD kritisiert Pläne für Landesmuseum in Erfurt

Erfurt  Vertreter der Landesregierung wollen in Erfurt ein Landesmuseum schaffen – und dafür die leerstehende Defensionskaserne nutzen. Aus den Reihen der SPD kommt aber deutliche Kritik an den Plänen. Dabei geht es nicht nur ums Geld.

Das Gebäude der Defensionskaserne auf dem Petersberg steht seit Jahren leer. Im September hatte die Landesregierung erklärt, dort solle in den nächsten Jahren ein Landesmuseum entstehen.

Das Gebäude der Defensionskaserne auf dem Petersberg steht seit Jahren leer. Im September hatte die Landesregierung erklärt, dort solle in den nächsten Jahren ein Landesmuseum entstehen.

Foto: Martin Schutt/dpa

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Die Pläne der Thüringer Landesregierung für ein Landesmuseum auf dem Erfurter Petersberg stoßen auf Vorbehalte bei der SPD. Ein solches Vorhaben werde innerhalb von zehn Jahren wahrscheinlich 300 Millionen Euro kosten, sagte der kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Hartung, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sollten uns nicht mit so einer Gigantomanie verzetteln. So viel Geld haben wir nicht.“

Zudem sagte Hartung, ihn überzeuge die Grundidee hinter den Plänen der Landesregierung nicht. Es dürfe nicht sein, dass in Erfurt aus lauter Verzweiflung für viel Geld ein neues Landesmuseum gebaut werde, nur weil sich kein anderes Konzept zur Nutzung der Defensionskaserne auf dem Petersberg finde.

Das Gebäude, das vorrangig im 19. Jahrhundert auf seinen heutigen baulichen Stand gebracht wurde, steht seit Jahren leer. Im September hatte die Landesregierung erklärt, dort solle in den nächsten Jahren auf 4000 Quadratmetern ein Landesmuseum entstehen. Dort sollten vor allem auch Objekte der landesarchäologischen Sammlung gezeigt werden. Diese gehören derzeit dem in Weimar beheimateten Museum für Ur- und Frühgeschichte.

Ramelow verweist auf Machbarkeitsstudie – Taubert zurückhaltend zu dem Vorhaben

„Ich will ein Landesmuseum, in dem die gesamte Geschichte Thüringens von den ersten Spuren von vor 400.000 Jahren bis heute erzählt wird“, hatte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gesagt. Ramelow betonte, der nächste Landtag werde über die Zukunft des Vorhabens entscheiden müssen. Eine Machbarkeitsstudie zu den Plänen der Regierung soll Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Auch Thüringens Finanzministerin Heike Taubert (SPD) äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorhaben. Sie sehe derzeit nicht, wo das Geld für ein solches Projekt in den nächsten fünf Jahren herkommen solle, sagte sie. Ein solches Landesmuseum werde nicht nur mit Mitteln des Freistaates gebaut werden müssen. Auch den Unterhalt werde das Land finanzieren müssen. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigten, dass für Letzteres Kosten zwischen drei und zwölf Millionen Euro jährlich anfielen.

Kostengünstigere Alternativen in Weimar

Hartung, der für die SPD auch im Stadtrat Weimar sitzt, sagte, der von Ramelow formulierte Anspruch, die gesamte Geschichte des heutigen Thüringens in einem solchen Landesmuseum zu erzählen, werde sich aus seiner Sicht nicht erfüllen lassen, wenn die Einrichtung maßgeblich mit den Beständen des Museum für Ur- und Frühgeschichte arbeiten solle. Es sei immerhin kaum möglich, die Geschichte des Freistaats im 20. Jahrhundert mit Hilfe von Ausgrabungsstücken zu erzählen.

Zwar sei es unbestritten, dass das Museum für Ur- und Frühgeschichte und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – zu dem das Museum gehört – mehr Platz brauchten als bislang. Doch gebe es in Weimar selbst ausreichend Möglichkeiten, solche Räume zu finden, sagte Hartung. Die Kosten, um diese Räume zu sanieren, lägen bei deutlich unter 100 Millionen Euro, sagte Hartung.

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