Totgesagt und doch noch am Leben: Vapiano eröffnet nun doch in Erfurt

Erfurt.  Vapiano eröffnet nun doch noch sein Restaurant in Erfurt. Michael Hafermalz, der Chef, plant am 7. Dezember den "Softstart".

Der neue Vapiano-Betriebsleiter Michael Hafermalz (l.) und Tischler Frank Klamt sprechen die letzten Arbeiten an der Innenausstattung des ansonsten komplett ausgestatteten Restaurants ab.

Der neue Vapiano-Betriebsleiter Michael Hafermalz (l.) und Tischler Frank Klamt sprechen die letzten Arbeiten an der Innenausstattung des ansonsten komplett ausgestatteten Restaurants ab.

Foto: Michael Keller

Mut hat er, der Erfurter Michael Hafermalz. Der 36-Jährige geht inmitten der gerade für die Gastronomie so brandgefährlichen Corona-Krise das Wagnis ein, demnächst in seiner Heimatstadt die eigentlich schon totgesagte Vapiano-Filiale an der Augustmauer, Ecke Bahnhofstraße zu eröffnen.

19 Uhr. Bei Vapiano brennt Licht, die Folien an den Fensterscheiben, die monatelang den Blick ins Innere verschleierten, sind verschwunden, leiser Softjazz dudelt aus den Lautsprechern. Drinnen sind zwei Männer, der neue Vapiano-Betriebsleiter Michael Hafermalz und Tischler Frank Klamt, zugange.

Daran, dass hier tatsächlich noch einmal etwas passieren würde, glaubte nach der Insolvenz des Systemgastronomen kaum einer. Und doch, es geht nun weiter.

Vapiano wurde im Stück an "Gastro & Soul" verkauft, dann holte sich das neue Unternehmen Franchisenehmer - eigenständige Unternehmer, die mit einer Lizenz ausgestattet werden und das Geschäftsrisiko tragen - ins Boot.

Start mit einem veränderten Konzept für die Bedienung

Erfurt verdankt die Wiederbelebung von Vapiano dem Dresdner Ehepaar Petra und Olaf Förster. Es suchte für die Erfurter Filiale, eine von sieben, die ihnen gehören, einen geeigneten Betriebschef. Michael Hafermalz überzeugte. Und er ist sicher, sich richtig entschieden zu haben. Das Interesse der Erfurter sei sehr groß. "Eigentlich könnte ich schon wieder die Fensterputzer bestellen, weil sich schon so viele Leute in so kurzer Zeit die Nasen an den Scheiben plattgedrückt haben", sagt er lachend.

Hafermalz ist eine echte "Puffbohne". Er hat das Handwerk der Gastronomie von der Pike auf gelernt. Im Hotel Krämerbrücke. Dann ging er auf Flusskreuzfahrt, später in die Schweiz, nach Malta, 2019 ins Panorama-Hotel Oberhof und im letzten Winter wieder in die Schweiz. Seit Juni ist er wieder in Erfurt.

Mit 19 Jahren ist er in die Gastrobranche eingestiegen. Er wisse daher, worauf er sich hier einlasse, versichert er. Vapiano habe ein schönes Konzept. Das aber, wenn es die Corona-Regeln wieder zulassen, etwas verändert werden müsse. Es soll anfangs nicht so funktionieren, wie bei diesem Systemgastronomen bislang üblich. Nämlich, dass sich der Gast anstellt und die vor seinen Augen zubereitete Pizza oder Pasta selber abholt. Hafermalz wird den Start mit Bedienung am Tisch wagen. Und später eventuell zweigleisig fahren. Das kulinarische Konzept bleibe davon aber unberührt. "Ich werde abends in den ersten Monaten immer selbst präsent sein. Weil ich als Gastgeber wahrgenommen werden möchte", sagt er. Im Gegensatz zum üblichen, eher anonymen Konzept bei Vapiano.

"Außerhaus-Verkauf" ab 7. Dezember

180 Plätze hat das neue Restaurant. Im Sommer kommen noch 80 draußen hinzu. Hafermalz will am 7. Dezember mit einem "Take away"-Schalter, man könnte auch "Außerhaus-Verkauf" sagen, eröffnen. Softstart. Eigentlich wollte er ja schon im November loslegen, aber da hat ihn der zweite Lockdown auf dem falschen Fuß erwischt.

"Ich warte mal ab, was die Regierung noch so festlegt. Langfristig planen kann ich momentan gar nicht", sagt er. Sieben Tage die Woche wird jeweils zwölf Stunden geöffnet sein, wenn mal wieder alles normal laufen sollte. 35 Mitarbeiter braucht er dazu. Die Einstellungsgespräche laufen derzeit.

Und es ist ja auch so noch einiges zu tun. Die Pflanzenwand, die während des Leerstands gelitten hat, muss wieder aufgehübscht werden. Der Vapiano-typische Olivenbaum hat es zum Glück schadlos überstanden.

"Ich freu mich darauf, in meiner Heimatstadt diese Chance zu bekommen", sagt der freundliche und gut gelaunte Erfurter. Und er betont ausdrücklich, es sei das schönste Vapiano-Restaurant, das er bislang gesehen habe.

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