Weihnachtsbaumentsorgung in Erfurt: Früher war mehr Lametta

Erfurt  Aus ausgedienten Tannenbäumen wird in Erfurt-Schwerborn wertvoller Kompost

Sven Hansens wirft einen ausgedienten Weihnachtsbaum in den Schacht des Entsorgungsfahrzeuges, das die nadelnden Reste vom Fest zur Kompostierung auf die Deponie nach Schwerborn fährt.

Sven Hansens wirft einen ausgedienten Weihnachtsbaum in den Schacht des Entsorgungsfahrzeuges, das die nadelnden Reste vom Fest zur Kompostierung auf die Deponie nach Schwerborn fährt.

Foto: Frank Karmeyer

Erfurt. Für einen kompletten Weihnachtsbaum im nächsten Jahr wird der Baumschmuck kaum reichen, den Sven Hansens und Paul Schröder zwischen den Zweigen bislang gefunden haben: Seit 6.30 Uhr sind sie mit dem orangenen Stadtwirtschaftsfahrzeug in den nördlich von Erfurt gelegenen Ortsteilen unterwegs – im Dienste der Weihnachtsbaumentsorgung. Nur eine einzelne batteriebetriebene Kerze, vergessen zwischen den Zweigen einer Nordmanntanne, haben sie heute auf ihrer Tour entdeckt.

Einsam baumelt der Baumschmuck

Die Bäume sammeln sie vor den Häusern ein oder an festgelegten Sammelstellen im Ort, um sie dann – wenn das Fahrzeug mit 3 bis 4 Tonnen an zusammengepresstem Grün und vielleicht 200 Bäumen gefüllt ist -- zur Kompostieranlage auf der Deponie in Schwerborn zu fahren. Nur manchmal hängt noch eine vereinzelte Christbaumkugel am entsorgten Weihnachtsbaum, die von den beiden Männern davor gerettet wird, im Kompost zu landen und dessen Güte zu verderben. Ein paar Leute, die ihren weihnachtlichen Stubenschmuck vors Haus geworfen haben, hielten sich wohl für pfiffig und haben für die Route über Mittelhausen, Kühnhausen, Stotternheim und Schwerborn gleich ihr Tannengrün und Baumschnitt aus dem eigenen Garten mit entsorgt. Dann klingeln Hansens oder Schröder bei den Besitzern, so war das schließlich nicht ausgemacht mit dem Angebot zur Baumentsorgung.

Spruch von Loriot fährt immer mit

„Früher war mehr Lametta“ – der alte Spruch aus einem Sketch von Loriot gelte heute mehr denn je, sagt Sven Hansens. Nur ganz selten hängt das noch an Zweigen, dann müssen ebenfalls die Besitzer nochmal ran und die letzten Silberfädchen rauslesen. Fest steht für Hansens, der seit fünf Jahren schon alljährlich für die Weihnachtsbaumentsorgung im Einsatz ist, dass die Bäume dieses Jahr trockener sind als in den Vorjahren. Über Ursachen dafür lässt sich nur spekulieren: „Vielleicht sind sie dieses Jahr früher geschlagen worden?“ Möglich wär’s, meint Hansens. Folge ist, es rieselt mehr, wenn sie aufgehoben und mit Schwung ins Fahrzeug geschleudert werden. Einen Besen, um die zurückgebliebenen Nadeln aufzukehren, haben die beiden jedenfalls an Bord ihres Fahrzeugs dabei. Und mit etwas Glück hilft manchmal auch der Wind dabei, diese Reste und die Notwendigkeit des Nacharbeitens einfach wegzublasen.

Als Zusatz beim Bioabfall gern genommen

Am Ende werden es wohl wieder 120 Tonnen an Weihnachtsbäumen werden, die sich in Schwerborn in 40 bis 50 Tonnen Kompost verwandeln werden. Das sind jedenfalls die Zahlen aus dem Vorjahr, die Stadtwirtschaftssprecher Ivo Dierbach parat hat. Beliebt sind die zu kleinen Stücken geschredderten Tannen auf der Deponie in Schwerborn auch als sogenanntes Strukturmaterial, das in der Bioabfallverwertung den Mieten hinzugefügt wird. Ohnehin: Mehr als 10 Prozent sollte der Nadelbaumanteil am Kompost nicht haben, damit er gut gerät und nicht zu stark voll Nadelöle ist, wie die Kompost-Experten der Stadtwirtschaft auch privat kompostierenden Erfurtern raten.