Kein Durchkommen für Retter: Zahlreiche Autofahrer verwarnt

Erfurt.  Sechs abgeschleppte Fahrzeuge, 18 mündliche Verwarnungen und mehr als 30 Verwarngelder – was war da los? Die Feuerwehr fuhr testweise durch Erfurt.

Recht eng wurde es in vielen Straßen bei der Feuerwehrbefahrung.

Recht eng wurde es in vielen Straßen bei der Feuerwehrbefahrung.

Foto: Stadtverwaltung Erfurt

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Das Martinshorn schrillt durch die abendliche Stille im Mühlenviertel. Sofort öffnen sich die Fenster. Schnell wird den Bewohnern klar: Ein Notfall ist das hier nicht – doch wäre es einer, würde die Feuerwehr zu spät kommen. Denn ein Durchkommen des Drehleiterwagens ist an manchen Stellen nicht möglich. Um genau das aufzuzeigen und die Bürger zu sensibilisieren, führen der Stadtordnungsdienst, die Berufsfeuerwehr und die Polizei regelmäßig Feuerwehrbefahrungen durch. Am Mittwochabend ging es von der Liebknechtstraße, Lassallestraße, Stauffenbergallee hinüber zum Nettelbeckufer, Storchmühlenweg, Hans-Sailer-Straße, Feldstraße bis zum Ilversgehofener Platz und zur Magdeburger Allee. Auch Erfurts Ordnungsdezernent Andreas Horn (CDU) ist bei der Befahrung dabei. „Die Bürger zeigten großes Verständnis, mit vielen kamen wir ins Gespräch“, resümiert er.

Sechs Autos werden abgeschleppt

Dass den Kontrollierenden Verständnis entgegen gebracht wird, ist nicht immer so. So wurde bei einer Befahrung in der Innenstadt ein Passant so aggressiv, dass die Polizei einschreiten musste, um den Mann zu beruhigen. Auch in Marbach wurden die Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes während der Befahrung teilweise beschimpft. „Am Mittwoch indes zeigten sich die Leite durchweg einsichtig. Wir waren positiv angetan“, sagt Axel Apel-Geßner, Leiter des Stadtordnungsdienstes. Seine Bilanz des Abends: 31 Verwarngeldangebote werden erteilt und sechs Autos abgeschleppt. Eigentlich wären es neun, doch drei Fahrzeughalter konnten rausgeklingelt werden. Natürlich wird kein Fahrzeug abgeschleppt, das auf einem Gehweg steht. Doch ist eine Feuerwehrzufahrt versperrt oder steht ein Auto so im Kreuzungs- und Einmündungsbereich, dass kein Einsatzwagen mehr durchkommt, dann wird abgeschleppt. Steht ein Auto auf der falschen Fahrbahnseite, auf dem Gehweg oder an der Kreuzung, wird ein Verwarngeld fällig.

Wichtig bei solchen Befahrungen: Das Gespräch mit dem Bürger. So ist es nicht Ziel, möglichst viel Geld einzusammeln für die Stadtkasse, sondern aufzuklären. Die Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes, der Kontaktbereichsbeamte und auch die Feuerwehrmänner reden mit den Anwohnern, erklären ihnen, warum es an dieser oder jener Stelle eben nicht erlaubt ist zu parken. Das größte Problem: der hohe Parkdruck. „Dessen sind wir uns bewusst“, sagt Andreas Horn. „Doch es geht um Leben und Tod. Wir müssen noch mehr sensibilisieren, damit die Leute verstehen, warum an manchen Stellen nicht geparkt werden darf. Der Parkdruck kann nicht dazu führen, dass Menschen nicht gerettet werden können.“

Axel Apel-Geßner kündigte an, dass die Viertel auch im kommenden Jahr befahren werden.

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