Gera. Anna Hentschel, Gemeindereferentin der römisch-katholischen Pfarrei St. Elisabeth Gera

Anna Hentschel

Ganz nah beieinander liegen in diesem Jahr Christi Himmelfahrt – für viele einfach „Vatertag“ – und Muttertag. Mitten im Monat Mai, der in der katholischen Kirche besonders der Gottesmutter Maria gewidmet ist. Für mich ist es eine Gelegenheit, über das Elternsein nachzudenken: Bei dem Wort „Mutter“ haben viele ein konkretes Bild im Kopf. Manche haben ein enges Verhältnis zur Mutter, andere eher nicht. Für manche riecht es nach Kuchen, für manche nach unterwegs sein. Manche gehen darin auf, andere rutschen ungewollt in diese Rolle. Welche Assoziationen werden bei Ihnen wach?

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Klar ist, DIE Mutter gibt es nicht. Schon ein Blick in die Bibel zeigt, dass Mutterschaft divers gelebt wurde. Kämpferisch alleinerziehend, wie Hagar, ungewollt kinderlos und spätgebärend, wie Elisabeth, ungeplant schwanger in Patchworkfamilie, wie Maria, bewusst kinderfrei … Mir zeigt das: Alles ist okay! Jede Familie darf selbst herausfinden, was gut tut, jede Frau sollte die freie Entscheidung haben, ob und wie sie Mutterschaft gestalten will. Noch ist es nicht so: strukturell werden Frauen, und Mütter noch immer benachteiligt, etwa in der Teilzeitregelung im Job, oder auch im Ausschluss kirchlicher Ämter. Noch leisten überwiegend die Mütter die Sorge-Arbeit um Kinder und Haushalt – gleichzeitig sollen sie aber erfolgreich eine Karriere starten.

Zurück zu Maria: Ihre Geschichte zeigt mir, dass Gott offene Augen hat. Er sieht ihre individuelle Situation und sieht SIE an, geht mit ihr ins Gespräch und nimmt Sorgen, Wünsche und Hoffnungen ernst. So tut Gott es mit allen Menschen. Für Gott zählt das Individuum, nicht Geschlecht, Position oder Status. Für mich, eine große Bestärkung und zugleich Sehnsucht, dass alle Frauen und Müttern dieses Ansehen erfahren. Das sollte sich nicht nur am 2. Sonntag im Mai zeigen, sondern im Alltag!