Das Geraer Stadtmuseum nach 1945

Gera.  Zunächst wurde hier die Geschichte des Bezirkes Gera dokumentiert, ehe in den 1980er-Jahren Stadtgeschichte einzog.

Blick in die Ausstellungsgestaltung des Stadtmuseums Gera am Museumsplatz 1. So präsentierten sich die Ausstellungen vergangener Jahre. Ausstellung in den 1960er-Jahren

Blick in die Ausstellungsgestaltung des Stadtmuseums Gera am Museumsplatz 1. So präsentierten sich die Ausstellungen vergangener Jahre. Ausstellung in den 1960er-Jahren

Foto: Stadtmuseum Gera

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Das Stadtmuseum gilt als die Mutter der Geraer Museen. am 12. April 1914 eröffnet, brannte es nach dem Bombenangriff vom 6. April 1945. Sowohl das Gebäude als auch Teile der Sammlung wurden zerstört. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bot das Stadtmuseum einen traurigen Anblick: der Dachstuhl zerstört, das 2. und 3. Obergeschoss ausgebrannt, Scheiben, Türen und Fensterrahmen schwer beschädigt. Wasser drang allmählich bis in den Keller vor.

Als Zwischenlösung konnte das Städtische Museum 1950 im Schreiberschen Haus aus dem Nicolaiberg wieder eröffnet werden. Gleichzeitig war der Wiederaufbau des alten Waisenhauses im Gange. Im Herbst 1951 wurde Richtfest gefeiert, 1953 war das Äußere des Hauses wieder hergestellt, der Innenausbau endete 1956. Am 1. Mai 1957 öffnete das Gebäude wieder als Museum für Kulturgeschichte. Damit vollzog sich auch eine bereits 1953 beschlossene Trennung von Natur- und Stadtgeschichte. Während die Stadt- beziehungsweise Kulturgeschichte wieder ihre alte Örtlichkeit bezog, verblieb die naturkundliche Sammlung fortan im Schreiberschen Haus.

Als Kultureinrichtung einer Bezirkshauptstadt erhielt das Stadtmuseum den Status eines Bezirksmuseums. Sozialistische Großbetriebe wie das Chemiefaserwerk Schwarza, die Keramischen Werke Hermsdorf und die Maxhütte Unterwellenborn fanden sich in den Ausstellungen, ebenso wie die Freundschaft zur Sowjetunion oder der antifaschistische Widerstand in Jena und Eisenberg. Die Stadtgeschichte konzentrierte sich auf Arbeiter- und Klassenkampf.

Eine vorsichtige kulturelle Liberalisierung in der DDR in den 1980er-Jahren ermöglichte auch dem Stadtmuseum eine intensivere Auseinandersetzung mit der eigenen städtischen Vergangenheit. Mit der Eröffnung des ersten Teils einer neuen Dauerausstellung gelang 1987 die Umsetzung einer bemerkenswert sachlichen und modernen Konzeption. Dieser und noch zwei folgende Ausstellungsteile konnten – ohne Brüche durch die Wendezeit – bis 2002 gezeigt werden.

In den 1990er-Jahren wurden die baulichen Mängel des Hauses immer gravierender, 2001 begann daher mit der Dacherneuerung eine Komplettsanierung des Museums. Im Frühjahr 2005 konnte mit der Ausstellung „Stromauf. Das moderne Gera zwischen 1900 und 1930“ das Haus in neuem Gewand wieder eröffnet werden.

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. Seit dem 29. April ist das Haus nach der Schließung in der Corona-Krise wieder geöffnet und erwartet auch zu Himmelfahrt von 12 bis 17 Uhr Besucher.

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