Die Arbeit an der Kulturstadt Gera geht weiter

Gera.  Die Reaktionen nach dem Aus der Stadt Gera im Rennen um den Titel „Kulturhauptstadt 2025“ fallen unterschiedlich aus.

Die Reihen lichteten sich schnell im Rathaussaal nach der Entscheidung. Rita Stielau im Gespräch mit Alt-OB Horst Jäger und Margit Jung (von links).

Die Reihen lichteten sich schnell im Rathaussaal nach der Entscheidung. Rita Stielau im Gespräch mit Alt-OB Horst Jäger und Margit Jung (von links).

Foto: Peter Michaelis

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Schade“ war wohl das häufigste Wort, das nach der Entscheidung zu hören war. Das Rennen um die deutsche Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 geht ohne Gera weiter. Das ander „Sch...“-Wort entfuhr Gitta Heil bei der Live-Übertragung im Rathaussaal bereits, als mit Chemnitz der vierte von fünf Bewerbern feststand, die sich weiter Hoffnung machen dürfen. Im Grunde habe sie es da schon gewusst, sagt die langjährige Leiterin der Höhler Biennale, einem kulturellen Aushängeschild der Schild.

Sie war mit in Berlin, bei der Präsentation in dieser Woche. „Wir hatten dort ein tolles Gefühl“, sagte sie voller Aufregung vor der Entscheidung und meinte nachher enttäuscht: „Ich hätte es der Stadt zugetraut. Schade. Wir waren so im Aufwind.“ Womit sie Bezug auf das Motto der Geraer Bewerbung nahm.

Etwa 40 Geraer, Kulturschaffende, Mitglieder des Stadtrates, der Stadtverwaltung, aber auch Interessierte verfolgten im Rathaus den Ausgang, litten mit. Darunter auch Joachim B. Schulze. „Wir hatten keine Chance und haben sie genutzt“, sagte der Künstler und Inhaber der Eventgalerie „Kaiserwerke“. Er nannte die Bewerbung Geras „mutig, vielleicht sogar dreist“ und lobte die private Initiative, die das Thema so angeschoben hat. Dennoch dürfe man über die Entscheidung nicht erschüttert sein, schätzt er ein. Die breite Bevölkerung habe man nicht wirklich von der Idee begeistern können. Noch schwerer wiegt für ihn, dass Gera strukturell noch nicht so weit sei und der Stadt so „eine Bauchlandung“ im weiteren Prozess erspart bliebe. „Aber!“ betont er, es sei sehr positiv, dass durch die Bewerbung nach Jahren ein Kulturentwicklungsplan für eben jene Strukturen auf den Weg gebracht wurde.

24 Bewerber um Leitung des Geraer Kulturamtes

Die Arbeit an diesem Plan werde wohl eine der ersten Aufgaben für den künftigen Kopf des Geraer Kulturamtes, sagte Rita Stielau, die den Fachdienst derzeit amtierend leitet. Auch sie sei natürlich enttäuscht, sagte sie nach der Übertragung im Rathaus, Doch nehme man viel mit aus dem bisherigen Verlauf, es gebe eine Menge Idee, Visionen, Netzwerke. Darauf könne der künftige Kulturchef beziehungsweise die künftige Kulturchefin der Stadt bauen.

24 Bewerbungen gab es nach städtischen Angabe auf die Stelle im wieder eigenständigen Kultur-Fachdienst, sechs Bewerber wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, die, wie es hieß, in den nächsten Tagen geführt werden. Rita Stielau selbst habe sich nicht beworben, verrät sie. Sie werde sich künftig wieder ihrem Fachgebiet Museen/Kulturförderung widmen, das sie leitet.

Geteilte Meinungen auf der Straße

Auf der Straße gingen am Freitag die Meinungen zum Gera-Aus auseinander. „Wenn’s nich is, isses nich“, sah es Hubert Franz pragmatisch. Schade sei es schon , Gera habe durchaus einiges an Kultur zu bieten. Wenn man dann aber in einige Ecken Geras, wie seinen Wohnort Bieblach-Ost, schaue, sei da nicht viel Kultur zu entdecken.

Während eine andere Passantin die Entscheidung sehr bedauerte und Gera durchaus Kulturhauptstadt zugetraut hätte, fand Nadine Bräunlich aus Kauern, ursprünglich aber aus Gera, andere klare Worte: „Gott sei dank, es gibt wirklich wichtigeres, wo Gera etwas tun muss, Schulen, Kinder- und Familienfreundlichkeit zum Beispiel.“

Märchenmarkt-Besucher aus Glauchau wussten dagegen zwar vom Weiterkommen ihrer „Bezirkshauptstadt“ Chemnitz, hatten von den Geraer Ambitionen aber nichts mitbekommen. „Trotzdem frage ich mich, was das ganze überhaupt soll“, meinte einer aus der Gruppe. „Am Ende geht es doch dabei nur ums Geld, um irgendwelche Fördermittel.“

Konkrete Begründung für Gera-Aus soll noch folgen

Aufgeräumt wirkt am Tag nach der Entscheidung Thomas Laubert, der mit zur Verkündung in Berlin war und dort das Gespräch mit allen Bewerberstädten gesucht habe. Natürlich sei der Architekt und Haupt-Antreiber der Geraer Kulturhauptstadtbewerbung traurig. Doch sieht auch er den Gewinn für die Stadt aus dem bisherigen Prozess.

Eine konkrete Begründung der Jury für ihre Entscheidung gegen Gera soll in knapp drei Wochen folgen, sagt er. „Wir müssen und wollen trotzdem weiter arbeiten. Streichen wir die ‘Hauptstadt’ und machen unter dem Banner ‘Kulturstadt Gera’ weiter“, sagt er und fügt lachend an: „Oder Kultstadt.“ Arbeite man konsequent und einfallsreich weiter, könne Gera trotzdem im Kulturhauptstadtjahr 2025 etwas vom Schwung in die Region holen, sinniert Laubert. Als charmanter „Ex-Bewerber“, der keine Chance hatte und diese nutzte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren