Ausstellung in Bad Tabarz: Die Wahrheit hinter der Maske

Bad Tabarz.  Der Verein „ScenePart“ zeigt Cartoons, Gemälde und Plastiken von Willi Malz.

Das Kunstwerk des Bad Tabarzer Vereins „ScenePart“ zeigt Cartoons, Karikaturen-Gemälde und Plastiken von Willi Malz. Hier der Künstler vor seinem Gemälde „Jeder ist sein eigener Teufel“. In einem kleinen aufgeklebten Spiegel kann sich der Betrachter wiedererkennen.

Das Kunstwerk des Bad Tabarzer Vereins „ScenePart“ zeigt Cartoons, Karikaturen-Gemälde und Plastiken von Willi Malz. Hier der Künstler vor seinem Gemälde „Jeder ist sein eigener Teufel“. In einem kleinen aufgeklebten Spiegel kann sich der Betrachter wiedererkennen.

Foto: Dieter Albrecht

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„Alles passiert im Kopf“: Auf einem Plakat ein Er und eine Sie – menschenähnliche Fantasiewesen; die Hirnareale sind sichtbar nummeriert. Der eigentliche Witz ist die umfangreiche Legende, etwa: 3 Einparkneuron, 4 Kloschüssel-Treff-Zelle, 7 Schokoladenzentrum, 10 Immer-den-Klodeckel-runterklappen-Nerv, 15 Faule-Ausreden-Neuron… Ein Vielzahl von Zeugnissen derart ungewohnter Weltbetrachtung findet sich in einer Ausstellung, die der Kunstverein „ScenePart“ unterm Motto „Jeder hat seinen Vogel“ am Freitag eröffnet hat. Gezeigt werden Cartoons und Gemälde, nicht selten in Form von Collagen, sowie drei Plastiken des Erfurter Künstlers und Dozenten Willi Malz. Tatsächlich erinnern dessen skurrile Mischwesen oft an Vögel. O-Ton Malz: „Die Menschen sind komische Vögel.“ Nacktheit, Erotik, Sexualität, Frivolität beherrschen viele seiner Cartoons, aber immer so hintersinnig entlarvend ins Bild gesetzt, dass dem Betrachter die Lust vergeht, gutbürgerlich entsetzt zu tun. Im Gegenteil – diese Übertreibungen, ebenso wie der manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbare Sarkasmus, fordern in uns das freilich oft bittere Lachen über das Schmierentheater heraus, das wir wichtigtuerisch Leben nennen.

Laudator Matthias Mörstedt zitierte den Galeristen Herbert Frübing, der eine Seelenverwandtschaft zwischen Willi Malz und dem Wiener Komponisten, Sänger und Dichter Georg Kreisler feststellt. Dessen makabren Humor, Reaktion auf pervertierte menschliche und gesellschaftliche Verhaltensweisen, finde man auch im grafischen Schaffen des Willi Malz. In beiden Fällen spiegelten sich im Kunstwerk Eitelkeit, Dummheit und Bosheit als Abbild einer sensiblen, verwundbaren Seele.

Malz stellt seine Cartoons öffentlich aus und lebt von ihrem Verkauf. Für Zeitungen arbeitet er grundsätzlich nicht – politische Auftragskarikaturen im Dienste eines gerade aktuellen Narrativs scheint er nicht zu mögen. Zumal ihm die „große Politik“ mehr oder weniger doch das Ergebnis menschlicher Unzulänglichkeiten ihrer individuellen Akteure zu sein scheint. Doch es gibt Ausnahmen. So verwandelt er etwa Leonardo da Vincis hintergründig lächelnde Mona Lisa in eine „Mobile Lisa“, indem er sie in ein schwarzes, kaum mehr als die Augen freigebendes Ganzkörpergewand hüllt und mit einem Gewehr versieht.

Einige der Bilder verkünden ihre Botschaft ohne Umwege. So etwa das eines Politikers, der vorm Theatervorhang steht und seine Maske abgenommen hat – zum Vorschein gelangt ein unverkennbares menschliches Hinterteil. Andere Cartoons wiederum führen den Betrachter erst um drei Ecken zur Erkenntnis. Da kommt etwa – man denkt an das Moses-Baby, das im Binsenkörbchen den Nil bereist – eine Katze, im Körbchen und mit roter Schleife garniert, angeschwommen. Im Hintergrund eine Maus als willkommene Speise, aber auch die drohenden Schatten zweier Hunde, denen sie lieber aus dem Weg gehen sollte. Das Ufer im Vordergrund entpuppt sich nach genauerem Hinsehen als liegender Frauenakt: Das Leben ist halt durchwachsen...

Die Ausstellung in der Bad Tabarzer Zimmerbergstraße 18 währt bis zum 1. März 2020. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

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