Geht es etwa um mich persönlich?

Gotha.  Im „Fundament“ in Gotha spielt die ältere Generation.

Die ältere Generation spielt Theater. Sieben Senioren wollen miteinander reden – oder auch lieber nicht.

Die ältere Generation spielt Theater. Sieben Senioren wollen miteinander reden – oder auch lieber nicht.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Wie ist es, das Alter? Ist es der Lebensabschnitt fortschreitender Verluste? Nehmen dafür die Ängste zu? Das sind Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss. Da machen auch Barbara Klose, Hermann Schüttler, Iris Streubel-Stegner, Kathy John, Lotte Schuchardt, Meinhard Nowack und Rolf König keine Ausnahme. Andererseits lassen sich die sieben vom Alter nicht in die Knie zwingen. Sie halten dagegen. Und weil sie Spaß am Theaterspielen haben, fanden sie sich beim Verein „art der stadt“ zusammen, gründeten kurzerhand ein „Institut für Darstellungsforschung“.

Wöchentlich debattierten sie über die Welt und das Theater. Dass irgendwann die Lust übermächtig wurde, sich selbst auf die Bühne zu begeben, war vorhersehbar. Nur wollten sie nicht irgendein Stück spielen, sondern selbst eines machen. Fragen aufwerfen, die altersgerecht sind, und womöglich sogar die Antworten gleich mitliefern.

Auf die Bühne begaben sich Darsteller mit reichlich Erfahrung, andere wiederum betraten am Freitagabend zur Premiere Neuland. Wer in welche Kategorie gehörte, war erfreulicherweise im Spiel nicht auszumachen. „Moment mal, geht’s jetzt etwa um mich persönlich?“ heißt das Stück. Und ja, es wird persönlich, sehr sogar. Doch zwischen den Einblicken ins Seelenleben zeigen die Protagonisten, dass auch im Alter nichts von dem verloren geht, was nur allzu menschlich ist: Man streitet, zankt, redet und findet doch nicht zusammen, man misstraut und gibt nur allzu schnell seinen Vorurteilen nach. Doch dazwischen gibt es immer wieder tiefe Einblicke ins Seniorenleben.

Jeder der Darsteller darf erzählen, was ihm wichtig ist. Die Angst vor dem Tod, natürlich im Alter ist man dem näher als je zuvor. Die Angst vor Krankheiten; weiß man was auf einen zukommt?, wird bang gefragt. Doch es wäre trist und traurig, würde das den Alltag bestimmen. Wer sich immer mit dem eigenen Tod beschäftigt, weiß man, lebt nicht länger, aber wesentlich schlechter. Und so zeigen die Akteure, was sie um- und antreibt. Da wird von Momenten auf der Jagdkanzel erzählt, von den ergreifenden Augenblicken fast vollkommener Stille, wo der Jäger am Schritt hört, ob sich ein Fuchs oder ein Reh nähert. Aber auch die großen Fragen der Zeit werden nicht ausgeblendet. Wird es der Menschheit gelingen, Atomwaffen endgültig abzurüsten. Können Kriege gebannt werden, auch wenn die Friedensbewegung immer weniger Zulauf findet?

Senioren sind durchaus mit einer Menge Wut im Bauch unterwegs. Besonders im Supermarkt, wo die Vielfalt schon die Vernichtung von Lebensmitteln dokumentiert. Von früh bis zur späten Schließungszeit ist alles zu haben, frisches Brot und sämtliche Fleischsorten. Das Gemüse, hübsch aufgereiht, ist makellos. Und jenseits allen Geschmacks. Die Welt ist traurig, in der Äpfel nicht mehr wie Äpfel und Möhren nicht mehr wie Möhren schmecken. Es wird aber auch vom persönlichen Scheitern erzählt, von schmerzlichen Jahren. Von dem Augenblick, da der Sohn endgültig auszieht. Vom Verlust der eigenen Firma. Und von den vielfältigen Möglichkeiten, die das Leben trotzdem bietet.

In Katharina Vötter haben die Senioren eine behutsame Spielleiterin gefunden. Wer Lust hat: Am Samstag, 15 Uhr, und am Sonntag, 17. November, 20 Uhr, zeigen die Sieben noch einmal im „Fundament“: Hinter der Angst wird’s erst richtig interessant.

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