Gotha: Londoner im Alten Schlachthof schließt

Gotha.  Die traditionsreiche Gothaer Musikkneipe kann mit Corona-Beschränkungen nicht länger existieren.

Der Musikpub The Londoner, seit 2013 im Alten Schlachthof in Gotha ansässig, muss schließen. Bitter ist das für Geschäftsführer Maik Schulz und seine Mitarbeiter. Das Ausräumen hat bereits begonnen.

Der Musikpub The Londoner, seit 2013 im Alten Schlachthof in Gotha ansässig, muss schließen. Bitter ist das für Geschäftsführer Maik Schulz und seine Mitarbeiter. Das Ausräumen hat bereits begonnen.

Foto: Claudia Klinger

„Es ist ein bitterer Tag.“ Maik Schulz versagt beinahe die Stimme, als er am Donnerstag in einem Pressegespräch das Aus für die Musikkneipe „The Londoner“ verkündet. Offiziell schließt das Lokal im Alten Schlachthof zum 30. September, doch Gäste empfängt es bereits jetzt nicht mehr. „Wir haben inzwischen mit dem Ausräumen begonnen“, so der Chef, der am Mittwoch seine Mitarbeiter informiert hatte.

Maik Schulz ist Geschäftsführer der MSB Gastro- & Veranstaltungs GmbH, die das Lokal samt seiner Schlachthof-Bühne seit September 2013 betreibt und seit fünf Jahren im Sommer die Beach-Bar gleich nebenan. Von den drei festangestellten Mitarbeitern können zwei in die MSB Verlags-, Vertriebs- und Werbe GmbH wechseln, der Schulz ebenfalls vorsteht und die unter anderem monatlich die Zeitung „Oscar am Freitag“ herausgibt. „Unsere zwölf Teilzeitkräfte und unser Barmann werden hoffentlich neue Stellen in der Gastronomie finden“, sagt Schulz.

Verständnis für Gesundheitsschutz

Das Aus sei angesichts der Corona-Krise unabwendbar gewesen, „wobei ich durchaus Verständnis für den Gesundheitsschutz habe. Aber Tanzveranstaltungen sind grundsätzlich untersagt, und mit den derzeit geltenden Abstandsregeln hätten maximal 20 Besucher zu einem Konzert bei uns kommen können. Lockerungen sind in den nächsten Monaten zudem ausgeschlossen, und wir haben nun mal mit den Veranstaltungen unser Geld verdient“, erklärt der MSB-Geschäftsführer.

Als reiner Gastronomiebetrieb funktioniere der Londoner an diesem Standort nicht. „Das Objekt ist dafür auch viel zu groß, als dass es sich wirtschaftlich betreiben ließe.“ Zugleich sei die demografische Entwicklung in Gotha für ein solches Angebot ein Problem – es fehlt an 20- bis 40-Jährigen.

Eigentlich gibt es den Londoner schon seit 18 Jahren in Gotha. Ursprünglich war die Musikkneipe im heutigen Perthes-Forum zu Hause. 2013 übernahm die MSB Gastro den Betrieb und eröffnete ihn neu im Alten Schlachthof. 2574 Tage hatte der Londoner dort geöffnet. „Wir haben unseren Beitrag zum kulturellen Leben in dieser Stadt geleistet“, äußert Schulz stolz. „Als wir losgelegt haben, waren aber auch die Bedingungen andere. Da gab es nur eine einzige Musikveranstaltung pro Quartal in der Stadthalle und so gut wie keine Klein-Konzerte“, macht Maik Schulz aufmerksam.

Weiterhin Podiumsdiskussionen und Kreativ-Messen

Ganz aufgeben will er dennoch nicht. Veranstaltungen von MSB in der Stadthalle soll es wieder geben, wenn Corona das zulässt. Die Podiumsdiskussionen und die Kreativ-Messen sollen ebenfalls fortgesetzt werden. Trotz seiner traurigen Situation ermuntert Maik Schulz die Gothaer, kulturelle Angebote in ihrer Stadt auch unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie zu nutzen, ob die Thüringen-Philharmonie, der Art der Stadt, die Kultourstadt oder die Stadtbibliothek einladen.

Mit seinem Unternehmen hatte sich Maik Schulz am 22. Juni dieses Jahres auch an der Night of Lights beteiligt, als mit rot angestrahlten Kultureinrichtungen auf Alarmstufe Rot in der Veranstaltungsbranche aufmerksam gemacht wurde. „Im Londoner müssen wir die Lichter jetzt ausschalten, und ich befürchte, wir werden nicht die letzten sein“, sagt Schulz resigniert.

Zahlen und Fakten

577 Veranstaltungen gab es seit September 2013 im Londoner – durchschnittlich 82 pro Jahr (und davon 97 Prozent jeweils von September bis Mai). Dazu gehören 240 Live-Konzerte sowie 118 Musik- und Diskopartys. Es wurde zudem 35 mal zum Pub-Quiz sowie zu 30 Lesungen eingeladen.

Das Londoner war Schauplatz für 27 Politveranstaltungen, davon zahlreiche Podiumsdiskussionen auch in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung vor Wahlen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene. 26 Comedy-Veranstaltungen, zwölf Messen, neun Vorträge, sechs Filmnächte, fünf Theater-Abende sowie 20 Musik-Partys in der Beach-Bar gehören ebenfalls zur Bilanz der sieben Jahre Londoner im Alten Schlachthof.