„Wir machen aufmerksam“: Läden werden in Gotha nicht aus Protest geöffnet

Gotha  Der Gewerbeverein Gotha schließt sich der Gegenkampagne zu „Wir machen auf“ an.

Die „Wir machen aufmerksam“-Schilder hängen in den Scheiben der Läden, die an der Aktion teilnehmen. (Symbolbild)

Die „Wir machen aufmerksam“-Schilder hängen in den Scheiben der Läden, die an der Aktion teilnehmen. (Symbolbild)

Foto: Harald Tittel / dpa

Für den Einzelhandel ist fünf vor zwölf – das betonen die Mitglieder des Gewerbevereins Gotha, die nun in einem Video auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen. Das Video kursiert in den sozialen Netzwerken, wurde dutzende Male geteilt. Aus Protest werde man jedoch nicht einfach die Läden öffnen, betont Gewerbevereinschef Andreas Dötsch. Er distanziert sich von der bundesweiten Aktion „Wir machen auf“.

Für die Gothaer Händler heißt es stattdessen „Wir machen aufmerksam“. So steht es auf Plakaten, die in den Schaufenstern der geschlossenen Geschäfte hängen. Denn ihre Läden zu öffnen und so vorsätzlich gegen die Pandemieverordnung zu verstoßen, wie es die Netzinitiative „Wir machen auf“ fordert, sei unvernünftig.

Auf eine baldige Wiedereröffnung drängen wollen die Händler, jedoch auf gesetzeskonforme Weise. Sie wollen online, wie auch in den Einkaufsstraßen auf ihre Lage hinweisen und die Politik so zum Handeln bewegen. In dem Video sprechen sich Christoph Gösel (Kultourstadt Gotha), Matthias Goldfuß (GTS Goldfuß), Robert Luhn (Kaufhaus Moses), Mario Röhreich (Coderider GmbH), Cathleen Kruspe (Ergotherapie-Praxis Progression) und Johannes Duparré (Tanzschule Duparré) für schnelle Lösungen in der Schließzeit aus.

Wintergeschäft in allen Bereichen blieb völlig auf der Strecke

Mittlerweile gehe man davon aus, dass die Geschäfte nicht vor März öffnen dürfen, so Dötsch. In dieser Zeit bleibt das ganze Wintergeschäft auf der Strecke – nicht nur in Bekleidungsgeschäften. Auch Technik sei auf eine Art verderblich, weiß Andreas Dötsch als Inhaber eines Multimediahandels in Gotha. Smartphones, die gerade neu erschienen sind, sind in einigen Wochen bereits weniger gefragt, als die Ware, die dann auf den Markt kommt.

Dringende Investition, wie zum Beispiel für die Bestellung der Ware oder den Aufbau einer Internetpräsenz für den Onlinehandel, seien durch die Corona-Hilfen der Bundesregierung nicht abgedeckt, erklärt Andreas Dötsch. Sie bieten lediglich Unterstützung bei der Finanzierung der Betriebsmittel. Dass nun zumindest die Abholung von Bestellungen möglich ist, bewirke wenig, vor allem Gotha. In der Stadt und im Landkreis sei der Altersdurchschnitt hoch. Dadurch sind Händler wie Kunden weniger interessiert, einen Onlinehandel aufzubauen oder auf diese Weise einzukaufen.

Die Aktion „Wir machen auf“ wurde derweil auf den 18. Januar verlegt. Die Öffnung aus Protest lehnen Thüringer Händler mehrheitlich ab, wie aus einer Umfrage des Mitteldeutschen Rundfunks hervorgeht. Die Mitglieder des Gewerbevereins Gotha jedenfalls sind sich einig, wie sie am kommenden Montag handeln.