„Schott“ plant Rekordinvestitionen - Biotechnik sichert Standort Jena

Jena.  Mit Umsatz und Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr ist der Glas-Hersteller „Schott“ zufrieden. Jetzt sollen weltweit neue Werke entstehen. 15 Millionen Euro werden investiert.

Der Glas-Hersteller „Schott“ investiert weltweit in neue Werke.

Der Glas-Hersteller „Schott“ investiert weltweit in neue Werke.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In eine lange Reihe hermetisch abgeriegelter Wasserbäder tauchen die kleinen Glasscheiben ab, immer wieder und wieder - am Ende werden sie mit Infrarotlicht getrocknet. Ein Schritt in der Fertigung des Bereichs Nexterion bei Schott in Jena. Mit gut 50 Mitarbeitern soll er eines der Zukunftsfelder des einst in Jena gegründeten Spezialglasherstellers sein. Auf winzigen Glasplatten sind Strukturen aufgebracht, mit denen Reaktionen auf kleinstem Raum möglich sind. Wer Tests für Krankheiten oder im Erbgut vornehmen will, ist potenzieller Kunde.

Nexterion ist einer der vier Unternehmensbereiche, die Schott in Jena hat, und alle wachsen. Vergessen ist das Solar-Experiment der Schott AG in Jena nicht - aber überstanden. Nachdem die Zahl der Beschäftigten nach dem Aus für eine ganze Branche in Deutschland bei dem Unternehmen von 1200 auf zwischenzeitlich etwa 350 geschrumpft war, arbeiten bei dem Spezialglashersteller in Jena inzwischen wieder mehr als 500 Menschen. Hinzu kommt immer stärkere Automatisierung, weshalb mehr und mehr Glas aus Jena kommt, wie Schott-Standortleiter Reiner Mauch zur Bekanntgabe der Bilanz 2018/19 erläutert.

Jenas Zukunft liegt in der Diagnostik

Sein Vorgesetzter Frank Heinricht gibt sich ebenfalls zufrieden mit dem, was das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr erreicht hat. 2,2 Milliarden Euro Umsatz, 206 Millionen Euro Gewinn blieben übrig. 16.200 Mitarbeiter beschäftigte man weltweit Ende September, 700 mehr als ein Jahr zuvor. 5,1 Prozent betrug das Umsatzwachstum im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. „Jena ist genauso stark gewachsen wie der Konzern“, sagt der Vorstandschef.

Diagnose-Anwendungen seien ein Megatrend, den man bedient, so Mauch. Schott hat im vergangenen Jahr zudem eine australische Firma gekauft, die vergleichbare Anwendungen mit Kunststoff verwirklicht. Damit könne man die eigene Kompetenz mit allen gängigen Materialien anbieten. Und Jena sei auch in der Anwendung ein Zentrum der sogenannten In-Vitro-Diagnostik. Firmen wie Abbott oder Blink beschäftigen in der Saalestadt zusammen Hunderte Mitarbeiter. Schott liefert weltweit.

Glasbruch im Handy soll dank Schott-Glas aus Jena nicht mehr vorkommen

In vielen Bereichen hat das Unternehmen nach eigener Einschätzung die Fühler am Puls der Zeit und ist dort tätig, wo per se Wachstum herrscht. 11 Milliarden Glasbehälter für Medikamente hat man binnen eines Jahres hergestellt, weitere Fertigungen sind in Planung und im Bau. In Jena wird dünnes Glas hergestellt, das für Displays von Smartphones eingesetzt wird. „Bisher sind Geräte damit erst in sechsstelligen Stückzahlen verkauft“, so der Vorstandschef. „Aber wir haben den Wiedereinstieg in diesen Markt geschafft“, sagt er.

Aktuell sei das neue Glas zehn Mal so bruchfest wie das der Konkurrenz. „Diese Entwicklung sehen Hersteller und Kunden oft als ganz natürlichen Innovationsschritt“, so Heinricht. Neben einem großen chinesischen Smartphone-Hersteller sollen weitere auf den Zug aufspringen. Dem Kunden soll beim Herunterfallen des Geräts aus einem Meter Höhe in den meisten Fällen kein Schaden am Display mehr entstehen, der Reparaturkosten von oft 100 Euro und mehr nach sich zieht, um den Schaden zu
beheben.

Neubau entsteht ab März in Jena

Haken an der Sache: In Deutschland sind die Geräte noch nicht erhältlich, der Hersteller ist bisher nur in Asien vertreten und verbaut das Spezialglas in Smartphones ab der oberen Mittelklasse. In ein paar Wochen soll Schott dann mit von der Partie sein, wenn ein Telefon mit faltbarem Glas-Display vorgestellt wird - das allerdings kommt nicht aus Jena.

Derweil will das Unternehmen in Jena im laufenden Jahr etwa 15 Millionen Euro investieren. Die Wannen für die Glasschmelze werden modernisiert, das neue Verwaltungsgebäude nach derzeitiger Planung ab März gebaut. 2021 soll es fertig sein, lange bevor Zeiss gleich nebenan mit seinem Neubau fertig sein wird.

Jenaer Mitarbeiter profitieren von Rekordergebnis der Carl Zeiss AG

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.