Kriminalistische Feinarbeit nach Mord in Jena – Polizisten sagen zu Ermittlungen aus

Gera  Im Prozess um die Tötung einer Rentnerin in Jena-Winzerla sagten Polizisten am zweiten Verhandlungstag aus – Details der akribischen Ermittlungen.

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft.

Foto: Tino Zippel

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Der Prozess am Land­gericht Gera nach dem Tod einer Rentnerin in Jena-Winzerla zeigt, wie akribisch Ermittler nach einem Mordfall vorgehen. Dennoch fällt es trotz eines Riesenaufgebotes an Polizisten schwer, alles zu prüfen.

Am zweiten Verhandlungstag sagten Polizei­beamte aus, die an den Ermittlungen beteiligt waren. So suchten Trupps der Bereitschaftspolizei die Wege zu allen Haltestellen des Öffentlichen Nahverkehrs in der Umgebung ab. Ergiebiger war die Suche direkt am Haus. Hier entdeckten die Kriminalisten unter anderem Schnipsel von Bankkarten, darunter einen, der den Namen des Opfers trägt. Und es fand sich eine Socke mit dem gleichen Muster „BRKLN“ wie im Rollkoffer mit der Leiche lag.

Fehlende Gegenstände: Container und Müll durchsucht

Weil unter anderem das Portemonnaie und die Handtasche der alten Dame fehlten, durchsuchte die Polizei die Container im Umfeld. Aus der Altkleidersammlung angelten die Beamten eine Handtasche, eine Jacke und ein Oberteil, die der getöteten Frau gehört haben sollen.

Der Jenaer Kommunalservice tauschte Hausmüll­behälter des Appartementblockes aus und fuhr die mit Müll gefüllten Container in eine Halle. Dort durchkämmten Polizisten den Inhalt. „Wie beim Pilzsuchen haben wir das Umfeld genauer betrachtet, wenn wir etwas Interessantes gefunden hatten“, berichtet ein Kriminalhauptkommissar. Die Polizisten entdeckten zwar Damenoberteile, Unterwäsche, eine Handtasche und Teile zerrissener Fotos, aber die waren nicht dem Opfer zuzuordnen.

Überwachungsvideos zwei Wochen lang ausgewertet

Die Landespolizeiinspektion Jena stellte extra zwei Polizisten ab, um ein Überwachungsvideo der Bank auszuwerten, das den Angeklagten zeigt. Er soll nach dem Tötungsverbrechen einen gefälschten Überweisungsbeleg eingeworfen haben. Das Duo musste auch zwei Wochen lang Videos von bis zu sieben Überwachungskameras je Bus und Straßenbahn anschauen. Die Polizisten entdeckten zwei Fahrten des nun Angeklagten.

Allerdings stellt sich auf Nachhaken der Verteidigung heraus, dass sie gar nicht die Daten aller Fahrzeuge ausgewertet haben. Unter anderem fällt auf, dass der Tatverdächtige stets in Richtung Zentrum fuhr, aber nicht zurück nach Hause. Das andere, nicht untersuchte Material scheint verloren, weil der Nahverkehr Videos in Fahrzeugen nur zwei Tage speichert.

Verdacht gegen zwei Bekannte des Angeklagten

Die Beamten sollten auch prüfen, ob sie einen Bekannten des Angeklagten sehen – auf dem ausgewerteten Material war dies nicht der Fall. Ihn hatte eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes beim Zugriff in Erfurt zunächst mit festgenommen, weil er mit dem Verdächtigen durch die Fußgängerzone bummelte. Beide wurden mit Schutzanzügen und Handschuhen versehen abtransportiert, um in der Dienststelle die Spuren auswerten zu können. Der Verdacht gegen den zweiten Mann erhärtete sich wie gegen einen weiteren Bekannten nicht.

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