Zuerst die Jenaer Vorschulkinder und ihre Geschwister

Jena.  In der Stadt Jena werden Kindergärten nicht so neugestartet, wie es die allgemeine Vorgabe des Freistaats vermuten lässt.

Jetzt geht’s für noch mehr Mädchen und Jungen wieder ran ans Spielzeug auch in den Jenaer Kindergärten.

Jetzt geht’s für noch mehr Mädchen und Jungen wieder ran ans Spielzeug auch in den Jenaer Kindergärten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Kindergärten der Stadt werden kommenden Montag noch nicht mit „eingeschränktem Regelbetrieb“ an den Start gehen. Doch noch sind viele Fragen offen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Statt jener allgemeinen Vorgabe des Freistaats gilt von Montag, 18. Mai, bis zum Freitag nach Himmelfahrt, 22. Mai, eine „erweiterte Notbetreuung“, in der die zuletzt 1200 notbetreuten Mädchen und Jungen von Eltern in systemrelevanten Berufen inbegriffen sind und nun auch die Vorschulkinder und deren Geschwister. Nach der Schätzung von Christine Wolfer, Leiterin des Fachdienstes Jugend und Bildung der Stadt, werden somit weitere 1000 bis 1300 Mädchen und Jungen nächste Woche in ihre Kitas zurückkehren. Insgesamt gibt es in der Stadt 5700 Kindergartenkinder.

Sozial-, Bildungs- und Jugenddezernent Eberhard Hertzsch merkte auf Anfrage der Redaktion an, dass der Freistaat die Definition zum Schlagwort „eingeschränkter Regelbetrieb“ leider „komplett schuldig geblieben ist“. Die Verordnung des Freistaats folge offenkundig dem Prinzip „Macht, was ihr wollt“, sagte Hertzsch.

Mit dieser Marschroute sei die Stadt „auf der ganzen Linie der Buhmann“. Es seien „noch viele, viele Fragen offen“, etwa zu den Quadratmeter- und Hygiene-Vorgaben, sagte Christine Wolfer. Montag treffe sich wieder die AG Kita, der auch die Vertreter der freien Träger von Kindergärten angehören. Dann würden noch Fragen an den Bildungsminister zusammengetragen. Beispiel: Wie steht es um den Einsatz zusätzlicher Assistenzkräfte – etwa Studenten? In der Frage steckt der Hinweis auf jene pädagogischen Fachkräfte, die nach Lesart des Infektionsschutzgesetzes vom Alter her gefährdet und nicht einsetzbar sind.

„Falsche Hoffnungen geweckt“

René Zettlitzer ist in Jena Chef des Arbeiter-Samariter-Bundes ASB und so auch für drei Kindergärten mit 300 Mädchen und Jungen verantwortlich. Er wunderte sich am Mittwoch auf Anfrage über die veränderte Zeitschiene des Freistaats. Zuletzt sei immer unter der Maßgabe „Stufenweise“ der 18. Mai genannt worden als Startzeitpunkt zunächst für Vorschulkinder und deren Geschwister. „Das wurde am Dienstag kurzerhand geändert.“ Regelbetrieb sei aber vom nächsten Montag an auf keinen Fall zu haben. Da bedürfe es noch vernünftiger Modelle. Bis hin zu diesem Problem: Die Kinder systemrelevanter Eltern seien nach anderen Flächenvorgaben betreut worden – mit „Rundum-sorglos-Paket“, wie Eberhard Hertzsch es formulierte. Das könnte sich mit neuen Vorgaben beißen, so dass womöglich die Kinder der systemrelevanten Eltern keinen Platz finden. Christine Wolfer hält es auch für möglich, dass Wechselmodelle nach Vorbild der Schulen greifen und Mädchen und Jungen unterteilt nach A- und B-Wochen in den Kindergarten kommen.

„Das Land macht sich einen schlanken Fuß“, sagte Tim Wagner, Elternsprecher des Eltern-Kind-Zentrums „Anne Frank“ in Lobeda-Altstadt. Den Kommunen werde somit ein Bärendienst erwiesen. Ja, schon richtig, die örtlichen Besonderheiten! „Aber die Art und Weise, wie man das kommuniziert, weckt falsche Hoffnung.“ Es hätte nach Wagners Meinung gesagt werden müssen, dass es Ungleichbehandlungen von Kita zu Kita zum Beispiel wegen sehr unterschiedlicher Freiflächen-Bedingungen gebe. Die Schuld entfalle doch auf den Überbringer solcher schlechten Nachrichten. „Das Land sonnt sich aber in einer guten Nachricht.“