Lieder vom wahren Leben in Bad Langensalza

Bad Langensalza.  Barbara Thalheim singt in der Gottesackerkirche in Bad Langensalza.

Barbara Thalheim

Barbara Thalheim

Foto: Dieter Albrecht

Eine sensible, kritische Beobachterin ihrer Zeit und ihrer selbst, unbequem den Etablierten, unangepasst an den jeweiligen Zeit(un)geist, kompromisslose Wahrheitssucherin mit tief verankertem Gerechtigkeitssinn, klar im Denken und tief im Fühlen: Barbara Thalheim.

Damals, im Oktoberklub, sang sie für die DDR – nicht wie die war, sondern wie sie sich die wünschte. Am Freitagabend, knappe 60 Jahre später, sang sie für ihre Fans in der Gottesackerkirche. Von der großen Politik und dem kleinen Leben mittendrin. In „Klick-Klack – Welt gerettet, eventuell“ geht es um ein Mädchen, das in Pakistan sein schönes Gesicht verliert, und um Kampfdrohnen, die eine Braut „brutal entschleiern“.

Sie erinnert sich an verflossenes Leben („Ach, berühr mich noch mal wie ... ich weiß nicht mehr, wann“), singt von den „Zeiten der Stagnation“ und hat ihrer Freundin Katharina und deren unglücklicher Liebe zu einem Sowjetsoldaten ein Lied gewidmet. Barbara Thalheim erzählt von sich, um dann, im nächsten Lied, zu zeigen: Das geht auch dich an! Erfrischend ist der Wechsel zwischen Grundsätzlichem und dem amüsant Nebensächlichen. Manches ist einfach nur skurril, etwa wenn sie von Frankreichs einziger FKK-Insel berichtet, auf deren anderer Hälfte, nur durch einen löchrigen Zaun getrennt, ein Raketenstützpunkt der französischen Armee liegt.

Ihre stets treffsicheren Texte, die sie mit ihrem warmen, ausdrucksvollen Alt, nur von der eigenen Gitarre begleitet, ins Publikum sendet, bezeugen poetisches Können, gehen unter die Haut. Und immer kommt sie auf den Punkt. Allein ihr Lied „In eigener Sache“ strotzt von klugen Gedanken: „festgezurrte Sicherheiten“, nostalgisches Dösen und nervender Chauvinismus, „beschränkte ideologisch Eingeengte“, sich in ihrer Macht Räkelnde – und die entscheidende Antwort auf das delphische „Erkenne dich selbst!“: „Doch wir sind lebend‘ge Seelen.“

Langer Beifall und eine Zugabe: „Als ich vierzehn war“ – ihr erstes aufgenommenes Lied, aber so berührend wie einst.

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