Saale-Holzland-Kreis. Bei der Landratswahl im Saale-Holzland treten ausschließlich Männer an. Luise Giggel erkennt darin ein gesellschaftliches Problem.

Der Blick auf die Kandidatenaufstellung zur Landratswahl im Saale-Holzland-Kreis fällt auffallend eintönig aus. Sechs Männer werben um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Jetzt könnte man die Antwort auf die Frage, warum es denn keine weibliche Kandidatin gibt, natürlich impulshaft auf persönliche Entscheidungen schieben: Es hat sich keine getraut, es interessieren sich so wenige für Kommunalpolitik, keine will für das Amt antreten.

Allerdings kommen Vertreter der Argumentation „an fehlender Gleichberechtigung kann es nicht liegen, immerhin war Angela Merkel Kanzlerin“ beim Blick auf die Zahlen nicht weit: Seit 1994 gab es im Landkreis für den höchsten Posten nur zwei weibliche Bewerbungen, demgegenüber stehen elf männliche, die zum Teil mehrfach angetreten sind. Zufall? Eher ein strukturelles Problem, wie engagierte Feministinnen zum Glück nicht müde werden zu betonen.

Landratswahl im Saale-Holzland: Verschiedene Perspektiven nötig

Die Gründe sind eben doch immer dieselben und damit gesellschaftlich zu bekämpfen: Keine Zeit neben Kinderbetreuung, Haushalt und Erwerbsarbeit, wenig Motivation sich zwischen alteingesessenen männlichen Strukturen durchzukämpfen und wenig Selbstvertrauen – schließlich werden Frauen noch immer in dem Glauben erzogen, Mädchen müssten brav und leise sein, sich um Puppen (also später die Familie) kümmern und rosa Kleidchen tragen (versuchen Sie mal, Kinderkleidung ohne geschlechterstereotypische Muster zu finden).

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Viel wichtiger noch, als Frauen zu ermutigen und ihnen Zeit für politisches Engagement zu schenken (zum Beispiel zum Muttertag, statt Blumen oder Haushaltshilfen) ist es aber, gleichzeitig Männern und Jungs beizubringen, anderen Menschen Raum zu lassen, Frauen zuzuhören und sich nicht selbst wie selbstverständlich nach vorn zu drängen und vielleicht sogar allein Elternzeit zu nehmen. Auf lange Sicht braucht es nämlich verschiedene Perspektiven in der Politik, damit diese wirklich für alle Menschen gemacht werden kann. So haben die Wählerinnen und Wähler im Saale-Holzland in diesem Jahr schonmal eine Wahl weniger zu treffen, denn fest steht: Es wird wieder ein Mann.