Fotosammlung bildet wichtigen Arbeitsschwerpunkt

Weimar.  Hinter dem Stadtarchiv liegt ein arbeitsreiches Jahr. Zu den großen Jubiläen wurden wichtige Archivalien bereit gestellt und neue Archivalien übernommen.

Hans Röthig, ehemaliger Betriebsdirektor des VEB Weimar-Werk, übergab seine bildlichen Erinnerungen aus seinem Berufsleben an den Direktor des Stadtarchivs Weimar, Jens Riederer.

Hans Röthig, ehemaliger Betriebsdirektor des VEB Weimar-Werk, übergab seine bildlichen Erinnerungen aus seinem Berufsleben an den Direktor des Stadtarchivs Weimar, Jens Riederer.

Foto: Michael Baar

Als historisches Gedächtnis der Stadt konnte das Stadtarchiv auch im Vorjahr wertvolle Erwerbungen tätigen und zahlreiche Schenkungen übernehmen. Wie die Archivleitung mitteilt, bildete die Aufarbeitung und Vervollständigung der Fotosammlung 2019 einen Arbeitsschwerpunkt. Diese Fotosammlung hat sich in den letzten Jahren zu dem meistbenutzten Archivbestand entwickelt. Von besonderem historischem Wert sei zum Beispiel ein Fotoalbum, das den Bau der Weimarhalle 1931/32 detailliert dokumentiert. Es stammt von den Architekten Max und Günther Vogeler, die den Bau ausgeführt haben. Ergänzend dazu hat der Nachfahre Jo Vogeler (Frankfurt a.M.) zwei Ordner mit Schriftdokumenten zu Wettbewerb, Vorplanung und Realisierung der damals hochmodernen Weimarhalle sowie Lebens- und Arbeitszeugnisse von Vater und Sohn Vogeler als Schenkung überlassen.

Hingewiesen wird auch auf den rund 50.000 Bilder umfassenden Vorlass des Fotografen Roland Dressler, der vor allem die Jahre 1970 bis 1990 umfassend abdeckt. Erst jüngst konnte das Stadtarchiv als äußerst großzügige Schenkung seitens der Witwe den Nachlass des Ende 2018 verstorbenen Weimarer Fotografen Harald Wenzel-Orf übernehmen, der etwa in gleichem Umfang städtische Ereignisse ab den 1990er Jahren in ganzer Breite dokumentiert. Hochwillkommen sind dabei die fotografischen Eindrücke, die Wenzel-Orf bei der „Friedlichen Revolution“ in Weimar einfing. Diese seltenen Aufnahmen konnten ergänzt werden durch den Ankauf von Fotos zum gleichen Thema von Klaus Hiltscher, womit eine bisher schmerzliche Überlieferungslücke über dieses einschneidende Jahrhundertereignis geschlossen werden konnte.

Unterlagen zum Weimar-Werk ergänzen Bestand

Interessante Stadtaufnahmen in reizvoller Gegenüberstellung des Zustandes im Abstand von 50 Jahren, etwa 1957 gegenüber 2007, hat Heidi Krey dem Archiv geschenkt. Mit regelmäßigen Schenkungen bedenkt Bernd Schmidt das Stadtarchiv. Nun überließ er zahlreiche Unterlagen aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Ingenieur im Weimar-Werk. Auch der vormalige Direktor des Weimar-Werkes, Hans Röthig, hat mehrere Ordner mit hochinteressanten Zeugnissen seiner jahrelangen Leitungstätigkeit dem Stadtarchiv überlassen. Beide großzügigen Schenkungen ergänzen die vorhandene Sammlung über den einstmals strukturbestimmenden Betrieb Weimars in hervorragender Weise.

Erneut sind dem Stadtarchiv Unterlagen aus einem vormals privaten Architektenbüro überlassen worden: Reinhard Pasch hat in seiner langen Berufslaufbahn seit den 1970er-Jahren unter anderem bei der in Weimar angesiedelten Planungsabteilung des „VEB Gesellschaftsbau Buttstädt“ und im Architekturbüro „Kontur Bauplanung“ viele für Weimar wichtige Objekte baulich betreut, darunter das „Interhotel Belvedere“ (heute „Leonardo“), das vormalige „Haus der Offiziere“, die spätere „Redoute“ in der Ettersburger Straße, die Brauerei Ehringsdorf sowie eine ganze Reihe von Schulen. Die umfassenden Sanierungsarbeiten sind mit Fotos ausführlich belegt. Außer bei den öffentlichen Bauten bedarf es zur Einsicht in die Unterlagen gleichwohl der Zustimmung der jeweiligen Hausbesitzer.

Die 1834 gegründete Firma Bosse, seit 1896 am Theaterplatz ansässig, gehörte einmal zu den großen Einrichtungshäusern Weimars. Firmenunterlagen hatte die Familie schon vor Jahren an das Stadtarchiv abgegeben. Nun hat sie großzügig persönliche Zeugnisse überlassen, darunter Lebenserinnerungen und Feldpostbriefe von Walter Bosse, dem letzten Inhaber, dazu Fotos der weit verzweigten Familie. Das bis zum Ersten Weltkrieg international agierende Unternehmen spiegelt ein bedeutendes Kapitel Weimarer Wirtschaftsgeschichte. Über die Stadtführerin Bärbel Lau fand eine zweibändige Ortschronik des Neubaugebiets Rosa-Luxemburg-Siedlung/Waldstadt Schöndorf, 1985 bis 1989 verfasst von Georg Nicke, den Weg ins Archiv und ergänzt die bisher nicht allzu reichliche Überlieferung dieses Ortsteils auf willkommene Weise.

Wer etwas besitzt, das für die Nachwelt gesichert werden sollte, wendet sich an das Stadtarchiv, Kleine Teichgasse 6, Telefon 03643/762-532, E-Mail: stadtarchiv@stadtweimar.de.

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