Weimar-Comeback für Busemann

Weimar  Weltklasse-Zehnkämpfer begleitet die Sportabzeichen-Tour des DOSB nach zehn Jahren erneut in die Kulturstadt

Über 1000 Schüler aus Weimar und Umgebung zog die Sportabzeichen-Tour gestern ins Wimaria-Stadion.

Über 1000 Schüler aus Weimar und Umgebung zog die Sportabzeichen-Tour gestern ins Wimaria-Stadion.

Foto: Jens Lehnert

„Die Weimarer sind sehr sportlich. Wir haben ja den Vergleich.“ Einen ordentlichen Fitness-Zustand konnte Gerd Schönfelder am gestrigen Dienstag dem Gros der rund 1200 Schüler attestieren, die im Wimaria-Stadion beim Sportabzeichen-Tag an den Start gingen.

Schönfelder, seines Zeichens 16-facher Paralympics-Sieger im Alpin-Ski, ist als Botschafter mit der Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes unterwegs. Ihren Thüringen-Stopp – bundesweit 2019 der neunte und vorletzte – legte sie diesmal in Weimar ein.

Die frühere Stuntfrau und heutige Fernsehmoderatorin Miriam Höller, die 2010 erst „Germany’s Next Topmodel“ werden wollte und dann Stefan Raabs TV-Total-Turmspringen gewann, gehörte ebenso zur Tour-Prominenz wie Zehnkämpfer Frank Busemann, der 1996 in Atlanta olympisches Silber holte. Buse- mannist seit 2009 im Dienst des Sportabzeichens auf Reisen.

Im ersten Jahr war er bereits in dieser Mission in Weimar. „Erst konnte ich mich gar nicht daran erinnern, hier schon einmal gewesen zu sein. Immerhin war ich mit der Tour an rund 100 Orten. Womöglich hatte ich die Erinnerungslücke auch wegen des Balls, den ich damals in Weimar an den Kopf bekam“, sagte Buse-mann grinsend – und sein Hirn holte noch mehr hervor: „Ich hab hier 2009 Hochsprung gemacht – in Spikes und mit soooolchen Beinen“. Er formte mit den Händen einen kapitalen Kreis. Schließlich lag sein Karriereende damals erst sechs Jahre zurück.

Die Motivation, ihre Fitness zu beweisen, lag bei zahlreichen Weimarern entsprechend hoch – allen voran OB Peter Kleine. Seit er 2013 in Weimar das Amt des Bürgermeisters antrat, erreichte er jedes Jahr das Sportabzeichen in Gold. Drei der vier geforderten Leistungsbereiche – Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit – bereiteten dem 46-Jährigen auch diesmal keine Kopfzerbrechen. Einzig mit den Disziplinen der Koordination kann er sich nicht recht anfreunden. „Schleuderball empfinde ich als schwer. Die Alternative dazu ist Seilspringen. Aber das trainiert man im Alltag nicht“, sagte Kleine – und bekam den Tipp, es mit Weitsprung zu versuchen.

Die halbe Miete fürs Abzeichen hatte Hans-Joachim Fein, der Vorsitzende des Stadtsportbundes, bereits drin, bevor der Sportabzeichentag gestern begann. Er nutzte schon die offiziellen Trainingstage im Stadion, um zwei Disziplinen abzulegen und sich mit Schleuderball und Kugelstoßen auf Goldkurs zu bringen. Feins letztes Sportabzeichen datiert von 2017. Seinen Ehrgeiz, 2020 nicht erneut zu pausieren, fördert ein privates Jubiläum. Dann wird der Stadtsportbund-Chef 70 Jahre jung – und damit sinken die Anforderungen fürs Sportabzeichen.

Bis dahin hat Armin Romstedt noch ein ganzes Weilchen Zeit. Auch mit dem 62-jährigen Frankendorfer bescherte der Sportabzeichen-Tag ein Wiedersehen. Für den Landessportbund betreute er den Fußball-Parcours. In Sachen Ballbehandlung ließ der Rot-Weiß-Oldie hier und da schonwieder alte Klasse aufblitzen. Erst im März hatte sich Romstedt einer Hüft-OP unterzogen. Derweil räumte er ein, noch nie das Sportabzeichen abgelegt zu haben.

Ganz anders die Sportlehrer Kirsten und Jens Schröter, die sich seit 27 Jahren für die Leichtathletik in Weimars Vereinssport engagieren. Zusammen mit ihren Töchtern Julia und Anja absolvierten sie schon 55 Mal das Sportabzeichen. Fürs ehrenamtliche Wirken im KSSV Victoria wurden Schröders gestern mit der Urkunde des DOSB geehrt.

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