Neues Jahrzehnt, neues ICH?

Mehr Sport, mit dem Rauchen aufhören, besser Essen: Vorsätze für das neue Jahr gibt es viele. Wie aber schafft man es, sie wirklich umzusetzen?

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Es ist der 2. Januar. 7.30 Uhr. Der Wecker klingelt und wie ich merke, hat der Silvesterkater beschlossen, dieses Mal noch einen Tag länger zu bleiben. Eigentlich könnte ich jetzt noch eine Stunde schlafen. Aber ich hatte ja im alten Jahr die tolle Idee, mich zum Auftakt für 2020 mit Torsten Jung auf eine Laufrunde zu treffen. Gute Vorsätze und so – und herausfinden, wie man sie auch wirklich einhält.

Läufer brauchen keine teure Ausrüstung

Als ich in Weißendorf eintreffe, wartet der Organisator des Weidatalmarathons schon auf mich. In Trainingsjacke, Jogginghose und Laufschuhen. Sehr gut, denke ich mir. Viel schlechter bin auch ich nicht ausgestattet. Gut Mütze und Kondition fehlen bei mir, aber ich hoffe einfach mal, die paar Sonnenstrahlen und mein Überlebenswille verhindern einen Komplettabsturz. „Zum Laufen brauchst du nicht viel. Es müssen auch keine Schuhe für mehrere hundert Euro sein. Man sollte sich darin wohl fühlen und die Sohle sollte gut gepolstert sein“, sagt er. Dann kann es ja losgehen.

Mehr Sport ist eine der beliebtesten Vorsätze für das neue Jahr

„Große oder kleine Runde?“, fragt Torsten Jung. Instinktiv entscheide ich mich für die kurze Variante. Schließlich hat Torsten Jung, der heute auch Marathondistanz läuft, auch mal klein angefangen. Im Jahr 2010 beschließt er, mehr für seinen Körper zu tun und Sport zu treiben. „Mehr bewegen/Sport“ haben sich für das neue Jahr laut einer Studie der Krankenkasse DAK auch 56 Prozent der Befragten vorgenommen. Der Vorschlag ist damit unter den Spitzenreitern der guten Vorsätze für das Jahr 2020.

Torsten Jung begeht damals einen Fehler, den viele Laufanfänger machen. „Nach den ersten Erfolgen wollte ich zuviel und das Knie begann zu schmerzen. Deshalb: Lieber mit kurzen Strecke anfangen und langsam steigern“, sagt er. Vom Arzt bekommt er eine Zwangspause verordnet. Bei Überlastung hilft nur ruhig stellen. Mit zunehmenden Muskelaufbau werden die Probleme weniger. Torsten Jung bleibt dran, denn er hat ein Ziel vor Augen. Die Teilnahme am New-York-Marathon. „Ich finde es wichtig, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Das hat mich damals enorm motiviert“, sagt er. Aber das müsse natürlich nicht gleich ein Marathon sein.

Sport in der Gruppe motiviert zusätzlich

Wir haben inzwischen die Turnhalle am Ortseingang erreicht und biegen auf einen Feldweg in Richtung in das Weidatal ab. Noch klappen Reden und Laufen gleichzeitig ganz gut. Der wunderschöne Weg durch den Wald und entlang der Weida trägt den Rest zur guten Stimmung bei. „Ich laufe diese Strecke sehr gerne. Egal, ob bei Regen, Schnee oder Sonne“, sagt er. Es tue ihm gut, die Jahreszeiten zu spüren. Im Sommer geht es Abends mit dem Hund an die Talsperre. Im Winter genießt er den rauen Wind. Oft genug läuft er diese Strecke auch nicht alleine. Zweimal die Woche geht er mit seiner Laufgruppe auf eine Runde.

Jeder darf sein eigenes Tempo wählen

„Ist schon erstaunlich, wen ich seit meinem Entschluss 2010 alles über das Laufen kennen gelernt habe“, sagt er. Gemeinsam in der Gruppe mit dem Laufen anzufangen, könne motivieren, dran zu bleiben. Mittlerweile haben wir die Hälfte der Runde geschafft. Aber meine sozialen Fähigkeiten leiden jetzt an einem längeren Bergaufstück stark unter zunehmender Atemlosigkeit. Also machen wir etwas langsamer. „Das ist nicht schlimm. Jeder sollte beim Laufen sein Tempo selbst wählen“, sagt Torsten Jung. Gerade Hobbyläufer sollten sich nicht mit anderen messen, sondern es für sich tun.

Auch Torsten Jung hat manchmal Phasen, in denen seine Motivation flöten geht. „Nach dem diesjährigen Rennsteiglauf war erstmal die Luft raus“, sagt er. Aber schnell vermisst er seine Laufeinheiten in der Woche. Denn sobald das Laufen einmal zur Alltagsroutine geworden ist, fehle einem etwas. Ob man Abends oder Frühs Laufen geht, sei egal. „Es ist nur wichtig, eine gewisse Routine reinzukriegen und auf ein Ziel hinzuarbeiten“, sagt er. Dies sei auch der Ansatz, den man mit dem Weidatalmarathon verfolge. Menschen aller Alters- und Fitnessklassen ein Ziel vor die Nase zu setzen, auf das sie das ganze Jahr hinarbeiten.

Ein Anfang ist gemacht

Schließlich erreichen wir wieder das Haus von Torsten Jung. 4,9 Kilometer zeigt seine Fitnessuhr an. „Ich fühle mich jetzt gleich besser. Der Kopf ist frei. Meist kommen mir beim Laufen auch gute Ideen für den Arbeitsalltag“, sagt er. Ich versuche erst mal wieder zu Atem zu kommen und hoffe, dass es mir auch so geht. Zumindest halte ich meine noch im alten Jahr geborene Idee jetzt schon gar nicht mehr für so schlecht. Mal sehen, vielleicht schaffe ich dieses Jahr ja wirklich, den losen Vorsatz „Mehr Sport“ länger durchzuhalten. Ein Anfang ist immerhin gemacht.

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