„Die Halle steht hinter euch“ schallt es in Jena

Jena.  Stimme des Sports:  2008 wechselte Hallensprecher Martin Hertzsch vom Fußball- ins Basketballlager. Seitdem kennen Jenas Basketballs die Stimme aus dem Off.

Hallensprecher Martin Hertzsch möchte die Jenaer Basketballer und deren Fans zu Höchstleistungen animieren.

Hallensprecher Martin Hertzsch möchte die Jenaer Basketballer und deren Fans zu Höchstleistungen animieren.

Foto: Christoph Worsch

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Über sein Alter spricht Martin Hertzsch nicht gern. Dies behält er lieber für sich. Aber ansonsten ist der Jenenser ganz und gar nicht auf den Mund gefallen. Kein Wunder, das wäre auch schlecht für einen ambitionierten Hallensprecher.

Bereits in seinem elften Jahr begrüßt er Spieler und Fans mit tiefer Stimme zu den Heimspielen von „Science…City…Jeeenaaaaa“. Für die sportbegeisterten Einwohner der Stadt ist Martin Hertzsch kein Unbekannter. Bei den Fußballern des FC Carl Zeiss war er zu deren Zweitligazeiten offizieller Bundesliga-Stadionsprecher. „Nach dem Abstieg 2008 kam der Kontakt zu den Basketballern zustande. Ob ich mir den Hallensprecher vorstellen könnte, wurde gefragt. Ich sagte nie im Leben, das ist doch total langweilig“, erinnert sich der Freiberufler.

Doch nach 20 Minuten bei seinem ersten Live-Besuch stand für ihn fest: „Das fetzt, das mache ich.“ Seitdem kennen die Stammgäste, von denen die Zweitligabasketballer viele haben, seine typischen Anfeuerungen: das langgezogene „Drrrrrreier“, die „Power von der Saale“ und natürlich „die Halle steht hinter euch“.

Eine indirekte Zündkerzemit Sinn für das Spielgeschehen

Dabei war es zu Beginn schon eine Umstellung für den Fußballmann. Gleich bei seinem ersten moderierten Basketballspiel verkündete er eine Jenaer Führung mit „48 zu 44 Toren“, nicht etwa Punkten. Doch das sei normal, da müsse jeder Neuling durch. Und an Selbstvertrauen mangelt es dem Mann hinter dem Mikro keineswegs.

Seit Schulzeiten liebt er die Moderation, hatte beim „Fest junger Künstler“ seinen ersten, größeren Auftritt. Das Interesse für den Sport kam später, unter anderem durch das von ihm ins Leben gerufene Format „Heimspiel TV“. Für Martin Hertzsch ist der Job des Hallensprechers ein ständiger Spagat zwischen seriösem Ansager und Motivator, der Mannschaft und Fans gleichermaßen nach vorn treiben will.

„Eine indirekte Zündkerze mit Sinn für Spielgeschehen, Empathie und dem Gespür für die nächste Ansage“, sagt Hertzsch über sich. In der heimischen Sparkassen-Arena sei dies nicht all zu schwer. Hier beeindrucken den Hallensprecher der familiäre Umgang, die Verbundenheit und auch das Durchhaltevermögen der Fans, selbst wenn es einmal nicht so läuft.

Bei den Heimspielen der Jenaer Basketballer interagiert Hertzsch auf verschiedene Weise mit den Besuchern. Sei es bei kurzen Videos auf der Leinwand, dem Verlesen der Startaufstellung, dem Einlauf der Spieler oder der Pausenunterhaltung samt Wurf von der Dreierlinie. Während des Spiels sieht man ihn dann nur selten sitzen. „Das passt bei einem so schnellen Spiel einfach nicht.“

Für die nötige Sensibilität sehe Martin Hertzsch es als Vorteil, dass er ein Kind der Stadt ist. „Das wirkt schon glaubhafter“, sagt er. Aufgeregt sei er nach elf Jahren nicht mehr, aber jedes Mal voller Vorfreude und einer gesunden Grundspannung. „Es gibt eine Reihe von Talenten in der Branche. Entscheidend ist die herauszufiltern, die nicht nur denken, dass sie gut sind. Sondern die es auch wirklich sind“, sagt der erfahrene Moderator.

Gern würde er sich noch einen Traum erfüllen: „Einmal ein großes Musikfestival mit über 50.000 Leuten moderieren. Das wäre toll.“ 15.000 im Stadion waren es bereits, 2000 und mehr sind es bei Science City. Vielleicht hat Martin Hertzsch für die Erfüllung seines Traums noch viel Zeit. Wer weiß, über sein Alter spricht er ja nicht so gern.

Die Serie

In unserer Reihe „Stimme des Sports“ stellen wir in loser Folge Hallen- und Stadionsprecher aus allen Regionen Thüringens vor.

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