Die Wunden sind noch nicht verheilt

Saalfeld  Vorstände der Saalfelder Frauen-Fußballer des FFC und der Titans reden über eine gemeinsame Zukunft - ohne Erfolg

Eine Spielszene aus dem Stadtderby vom 20. Oktober: Titans-Torschützin Franziska Jahn versucht sich gegen die FFC-Akteure Claudia Ludwig (links) und die am Boden liegende Melissa Maak durchzusetzen.Derbys gibt es nach dem Rückzug der Titans aus der Verbandsliga in der kommenden Saison nicht mehr. Andere wiederum sehen mittelfristig für den Saalfelder Frauenfußball auf diesem Niveau düstere Wolken aufziehen.

Eine Spielszene aus dem Stadtderby vom 20. Oktober: Titans-Torschützin Franziska Jahn versucht sich gegen die FFC-Akteure Claudia Ludwig (links) und die am Boden liegende Melissa Maak durchzusetzen.Derbys gibt es nach dem Rückzug der Titans aus der Verbandsliga in der kommenden Saison nicht mehr. Andere wiederum sehen mittelfristig für den Saalfelder Frauenfußball auf diesem Niveau düstere Wolken aufziehen.

Foto: ARCHIV/Peter Scholz

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Der Sprung über den eigenen Schatten ist manchmal schwer, für manchen manchmal gar nicht möglich. Das erleben jetzt wieder die Fußballerinnen des 1. FFC Saalfeld und der Saalfeld Titans. Denn fünf Jahre nach dem Weggang von mehr als einem Dutzend Spielerinnen vom FFC und dem späteren Anschluss an die Saalfeld Titans gab es jetzt Gespräche auf Vorstandsebene, vielleicht im kommenden Spieljahr doch wieder gemeinsam in die Punktspiele zu gehen. Doch daraus wurde nichts.

„Der große Konsens ist, dass ein Zusammengehen aus sportlicher Sicht sinnvoll ist“, sagt Titans-Präsident Christopher Mielke. Doch das scheint schon die einzige Gemeinsamkeit zu sein. Denn: „Es fehlt vielfach die Vertrauensbasis“, sagt Mielke. „Es gibt viele Interessenlagen. Für uns macht es Sinn, unseren Verein zu reformieren. Wir ändern vielleicht den Namen, schaffen Bedingungen, die auch den Titans wichtig sind“, so Carsten Sprenger, Vorsitzender beim 1. FFC. Doch er stellt zugleich fest: „Wenn wir zusammengehen, muss sich die Marke Titans verändern. Doch das konnte und wollte die andere Seite nicht. Wir sind der Auffassung, Frauen-Fußball passt nicht wirklich zu einem American Football-Verein“, so Sprenger. „Und dass wir uns den Titans anschließen, das können wir nicht machen“, erinnert sich Sprenger an das Fazit einer internen Gesprächsrunde im Verein. Selbst die Gründung eines neuen Vereins wurde erwogen - und wieder verworfen: „Einen neuen Verein gründen ist Quatsch. Das ist ein Haufen Arbeit. Da passen wir lieber die Satzung und den Namen an, damit wird die Symbolik nach Außen auch gut sichtbar“, so der FFC-Vorsitzende.

Dabei hatten die Verantwortlichen des Verbandsliga-Dritten schon konkrete Vorstellungen, wie es vielleicht ab kommender Saison laufen könnte: „Wir konnten uns vorstellen, dass die ambitionierten Spielerinnen in der Verbandsliga spielen, die weniger sportlich interessierten in einer zweiten Mannschaft in der Landesklasse. Das war unser Angebot. Aber die ganze Sache ist sehr emotional“, umschreibt es Carsten Sprenger.

Denn auch wenn die Trennung fünf Jahre her ist, sind bei einigen die damaligen Wunden offenbar noch nicht richtig verheilt. Und so hat die vergleichsweise kleine Stadt Saalfeld zwei Teams in der Verbandsliga – wenn man sportlich ambitioniert ist, ist das „ein Unding“, sagt FFC-Trainer Frank Schwalenberg.

Der Coach, der seit zwei Jahren an der Seitenlinie die Geschicke beim FFC in der Hand hat, vertritt schon seit langem die Auffassung, dass sich Saalfeld auf diesem sportlichen Niveau nicht zwei Mannschaften leisten kann. „Dass es Gespräche gab und gibt, ist erfreulich. Aber man kommt ja offenbar nicht wirklich zueinander“, so der 55Jährige, der seine Zukunft vor allen von den Ergebnissen dieser Gespräche zwischen den beiden Vereinen abhängig macht: „Wenn man keine gemeinsame Zukunft sieht, dann war das heute hier gegen Erfurt mein letztes Pflichtspiel für den FFC“, so Schwalenberg.

Beim FFC kennt man freilich die Einstellung Schwalenbergs: „Ich würde mich dennoch weiterhin über ein Engagement bei uns von ihm freuen“, so Carsten Sprenger, der aber einräumt: „Natürlich besteht ganz klar das Risiko, dass er in der kommenden Saison nicht mehr an der Seitenlinie bei uns steht. Aber letztes Jahr konnten wir ihn überzeugen, weiter zu machen und für mich gilt, es gibt zum Optimismus keine Alternative. Es wird weitere Gespräche mit ihm geben. Und ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht alles versucht haben.“

Zumal man sowohl beim FFC als auch bei den Titans betont, dass trotz der derzeitig „geringen Schnittmengen“ (Mielke) die Gespräche nicht für immer und ewig beendet sind: „Derzeit muss man freilich zugeben, dass wir von der Vision eines Fußball-Leistungszentrums in Saalfeld, sehr weit entfernt sind“, so Sprenger. Und weiter: „Ich würde es immer wieder probieren, weil ich es für absolut sinnvoll erachte. Wir haben schon noch das Ziel, dass wir irgendwann wieder gemeinsam auf das Spielfeld marschieren. “

Nach Einschätzung von Frank Schwalenberg sollte man damit freilich nicht mehr allzu lange warten: „Wenn man es weiter mit zwei Vereinen im Frauenfußball versucht, dann prophezeie ich Ihnen, dass es in zwei Jahren gar keinen Frauenfußball auf diesem Niveau in Saalfeld mehr gibt.“

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