Lund. Der TV-Blackout soll ein WM-Ansporn sein. Die DHB-Frauen drängen auf der Weltbühne ins Rampenlicht. Am Donnerstag findet für die deutsche Auswahl das erste WM-Spiel gegen Japan statt.

Annika Lott träumt von Paris, auch Johanna Stockschläder sehnt sich nach der Reise im kommenden Sommer an die Seine. Der weite wie schwierige Weg zum Sehnsuchtsort beginnt für die THC-Handballerinnen und ihre deutsche Auswahl in Skandinavien; auf der großen WM-Bühne, die weitgehend hinter dunklen Bildschirmen liegt.

Der Kampf der deutschen Handball-Frauen um ihren Traum von ei­nem Olympia-Ticket wird hinter ei­ner Bezahlschranke im Internet ausgetragen. Das stört Bundestrainer Markus Gaugisch. „Klagen werde ich nie“, sagte er. Die Tatsache, dass die WM wieder nicht im frei empfangbaren Fernsehen live zu sehen sein wird, sei „natürlich schade“. Doch Gaugisch wäre nicht Gaugisch, wenn er daraus nicht ei­ne große Motivation ziehen würde. Der TV-Blackout stachelt ihn noch mehr an. „Ich hoffe, dass wir als Zugpferd mit der deutschen Nationalmannschaft dabei unterstützen können, dass unser Sport in den Medien präsent ist und dass wir vielleicht auch über eine Qualifikation für die Olympischen Spiele ins öffentlich-rechtliche Fernsehen vordringen.“ Spätestens dann, ist Gaugisch sicher, würden „mehr Externe hängen bleiben und sehen, was Handball für eine geile Sportart ist“.

Auftakt am Mittwoch gegen Japan

Der Bundestrainer, das wird mit jedem Satz deutlich, brennt auf das am Mittwoch beginnende WM-Turnier in Dänemark, Norwegen und Schweden. Seine Augen blitzen auf, wenn er vom DHB-Auftakt am Donnerstag gegen Japan spricht (18 Uhr/Sportdeutschland.TV). Die Serie von mehr als einem Jahr ohne Niederlage gibt Selbstvertrauen – da wiegt auch die am Sonntag verpatzte WM-Generalprobe gegen Schweden (23:30) nicht übermäßig. In die Vorrundenspiele gegen Japan, den Iran (Samstag) und Polen (Montag) geht das DHB-Team als Favorit. Vom Minimalziel Viertelfinale, was wohl die Teilnahme an ei­nem der Olympia-Qualifikationsturniere bedeutete, ist Gaugisch überzeugt. Co-Kapitänin Alina Grijseels geht mit Respekt in die Auftaktpartie. „Der asiatische Handball-Style ist ein bisschen anders. Sehr schnelle, kluge, disziplinierte Spielerinnen. Die machen wenig Fehler“, sagte die 27-Jährige.

Im dänischen Herning startet das DHB-Team in der Gruppe F mit der Vorrunde. Die besten drei qualifizieren sich für die Hauptrunde. Dort könnten es die Deutschen unter anderem mit Titelkandidat Dänemark zu tun bekommen oder auch mit Rumänien, Serbien und Chile. Die Teilnahme an den Sommerspielen 2024 in Paris wäre die erste für das deutsche Frauenhandball-Team seit 2008 und für Gaugisch „ein absoluter Traum. Ich werde alles dafür tun, dass wir diesen Weg beschreiten werden.“ Ähnlich sehen das die Spielerinnen. „Wir haben es in eigener Hand, eine Platzierung zu erreichen, die es uns ermöglichen kann“, sagte DHB-Kapitänin Emily Bölk.

Bölk vermisst Wertschätzung

Auch bei ihr sorgt die Übertragungssituation in Deutschland für Unmut. „Das hat für mich ganz klar mit Wertschätzung zu tun“, sagte die Rückraumspielerin im Podcast „Erste 7“. Für sie ist es „ganz klar der Job der Medien, da für Gleichberechtigung zu sorgen“. Die deutsche Mannschaft, verspricht Bölk, werde jedenfalls „alles dafür tun, um bei dieser WM erfolgreich zu sein, damit die Free-TV-Sender einfach nicht an uns vorbeikommen“.

Ähnlich formulierte Alina Grijseels. „Natürlich wären wir lieber im Free-TV, aber die Rechtelage ist nicht unsere Baustelle“, sagte sie am Montag: „Wir versuchen auch durch Leistung und Erfolg, ei­nen gewissen Druck auf die öffentlich-rechtlichen Sender auszuüben.“