Erfurt. Beim 16. Erfurter Technologiedialog stand Künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben im Mittelpunkt.

Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker – sie alle sind der Einladung gefolgt und haben beim 16. Erfurter Technologiedialog über das Thema Künstliche Intelligenz diskutiert.

„Wir veranstalten diese Reihe seit dem Jahr 2007 regelmäßig, wenn man von der Unterbrechung durch Corona absieht“, begrüßte Gabriel Kittler, Geschäftsführer des Erfurter Spezialchipherstellers X-Fab Semiconductor Foundries GmbH und Vorstandsvorsitzender des Forschungs- und Industriezentrum (fiz) Erfurt, die Gäste.

Der Verein veranstaltet die Gesprächsreihe gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Die Tatsache, dass die Veranstaltung bereits seit Wochen ausgebucht ist, belegt aus Sicht der Veranstalter das enorme Interesse am Thema. Man wähle bewusst stets Themen mit großer gesellschaftlicher Relevanz aus, so Kittler. Im Vorjahr sei es etwa um Quantentechnologien gegangen.

Mikroskopische Bildaufnahmen in Halbleiterfertigung

Künstliche Intelligenz (KI) kommt heute schon in vielen wirtschaftlichen Bereichen produktiv zum Einsatz, wie zum Beispiel bei der Auswertung von großen Mengen mikroskopischer Bildaufnahmen bei der Qualitätssicherung in der Halbleiterfertigung“, erklärte Kittler. Gleichzeitig würden die Chancen, aber auch die Risiken der KI im gesellschaftlichen Kontext nur unzureichend diskutiert. „Auch dazu soll der 16. Erfurter Technologiedialog anregen und einen Beitrag leisten“, so der Manager.

„Künstliche Intelligenz ist eine neue Kraft, die unsere Gesellschaft grundlegend verändern wird“, zeigte sich Kerstin Schreiber, IHK-Vizepräsidentin und Vorstand der Kölledaer Funkwerk AG, überzeugt. Man wolle als Thüringer Unternehmer Vorreiter bei diesem Thema sein und „vor die Welle kommen“, so Schreiber.

Noch viele offene Fragen

„Künstliche Intelligenz strahlt völlig zu Recht eine große Faszination aus und ist schon heute in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Eine Selbstverständlichkeit ist sie trotzdem noch nicht – zu viele Fragen sind ungeklärt“, bestätigte auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bestehenden Redebedarf.

Genau diesen Fragen zum Umgang mit KI, ihren Chancen und potenziellen Risiken widme sich der 16. Erfurter Technologiedialog. Dabei sei das Thema keinesfalls völlig neu, so Tiefensee. Er habe sich während des Studiums –noch in DDR-Zeiten – mit Kybernetik, dem Vorläufer der KI beschäftigt.

Datenschutz und Verantwortlichkeiten

„Künstliche Intelligenz kann komplexe Aufgaben schneller und genauer als Menschen erledigen und bietet immense Möglichkeiten zur Automatisierung und Effizienzsteigerung“, sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Allerdings birge KI auch Herausforderungen und ethische Bedenken, die eine sorgfältige Berücksichtigung von Datenschutz, Sicherheit und Verantwortlichkeit von allen Entscheidungsträgern einforderten. „Die Zukunft der KI birgt enorme Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen“, zeigte sich Bausewein überzeugt.

Die neue Elektrizität

Wolfgang Maaß von der Universität des Saarlandes schreibt der KI einen tiefgreifenden Einfluss auf verschiedene Branchen und Lebensbereiche zu, vergleichbar mit der Einführung der Elektrizität im 19. Jahrhundert. Er hatte seinen Vortrag demzufolge auch mit dem Titel „Künstliche Intelligenz: Warum KI die neue Elektrizität ist“ überschrieben.

Begleitet wurde der Dialog von einer Ausstellung, auf der unter anderem die Erfurter Firmen Ibykus und NT AG, die Hochschulen Schmalkalden und die Thüringer Fachkräfteagentur präsent waren.

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