Pandemie

Warum Brillen das Infektionsrisiko für Corona senken könnten

Berlin.  Brillenträger haben womöglich ein niedrigeres Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Das ist Ergebnis einer Studie.

Wien und Budapest zu Corona-Risikogebieten erklärt

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt Wien und Budapest zu Corona-Risikogebieten. Auch das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für Wien und Budapest ausgesprochen.

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  • Erstmals waren Brillenträger Gegenstand einer Corona-Studie
  • Forscher aus China wollten wissen, ob Brillen das Infektionsrisiko beeinflussen
  • Das Auge ist ein Einfallstor für Krankheitserreger

Das Tragen einer Brille kann womöglich das Risiko senken, sich mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Diese Schlussfolgerung legt eine Beobachtungsstudie aus China nahe, die jetzt im Fachjournal „Jama Ophthalmology“ veröffentlicht worden ist.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Yiping Wei vom Universitätskrankenhaus Nanchang hatten 276 mit dem Coronavirus infizierte Menschen betrachtet, die vom 27. Januar bis zum 13. März im Suizhou Zengdu Krankenhaus in der chinesischen Provinz Hubei behandelt worden waren. Ihr Alter betrug im Mittel 51 Jahre. Die meisten Patientinnen und Patienten waren den Angaben zufolge mäßig krank.

Corona: In Vergleichsstudie war der Anteil der Brillenträger größer

Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie viele der Infizierten mindestens acht Stunden täglich eine Brille trugen. Ihr Ziel war es, herauszufinden, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Tragen einer Sehhilfe und der Ansteckungsgefahr mit Covid-19.

„Der Anteil der stationären Patienten mit Covid-19, die eine Brille trugen, war geringer als in der Allgemeinbevölkerung“, heißt es in dem Bericht. Zum Vergleich diente eine Studie von Ende der 80er-Jahre, bei der die Kurzsichtigkeit bei jungen Menschen im Alter von 7 bis 22 Jahren in der Provinz Hubei untersucht worden war.

„Bis 2020 waren diese Studenten 42 bis 57 Jahre alt, was nahe am Durchschnittsalter unserer Patienten mit Covid-19 liegt“, schreiben die Autoren. Während von den Corona-Kranken nur 5,8 Prozent eine Brille trugen, waren es bei der Vergleichsstudie 31,5 Prozent.

Die Autoren selbst weisen auf Schwächen ihrer Arbeit hin: So hat die Studie mit 276 nur wenige Teilnehmer, darüber hinaus ist die Vergleichsstudie sehr alt. Um die Ergebnisse zu erhärten, seien weitere Untersuchungen nötig.

Corona: Vorbeugung sollte stärker berücksichtigt werden

Gleichwohl deuten die Ergebnisse den Autoren zufolge darauf hin, dass das tägliche Tragen einer Brille mit einer geringeren Anfälligkeit für eine Covid-19-Infektion verbunden ist. Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Auge ein bedeutender Infektionsweg für das neuartige Virus sein könnte. „Vorbeugende Maßnahmen wie häufiges Händewaschen und das Vermeiden von Berührungen der Augen sollten stärker berücksichtigt werden“, schreiben sie.

Nach Angaben der Stiftung Auge sind Augen allgemein ein potenzielles Einfallstor für Krankheitserreger. „Wenn wir Viren auf der Handoberfläche tragen und uns dann ins Gesicht fassen, können die Erreger über die Bindehaut eindringen“, sagt Sprecher Christian Ohrloff, ehemaliger Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt. Deswegen würden bei der Behandlung von Infizierten ja auch Schutzbrillen getragen.

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