Infektion

Die späten Folgen eines Zeckenstichs: FSME und Borreliose

Berlin.  Eine Borreliose kann erst Monate nach einem Zeckenstich entdeckt werden. Was bei der gefährlichen Infektionskrankheit zu tun ist.

Gefährlicher Blutsauger: Die Zecke saugt in menschlicher Haut, bevor sie zusticht.

Gefährlicher Blutsauger: Die Zecke saugt in menschlicher Haut, bevor sie zusticht.

Foto: H. Bellmann/F. Hecker / imago/blickwinkel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bei Pop-Star Justin Bieber, 25, blieb die Krankheit lange unentdeckt. Gerade hat er mit einem Instagram-Post bekannt gegeben, an Borreliose erkrankt zu sein. Er leide an der auch in Deutschland verbreiteten Lyme-Borreliose. Laut Robert Koch-Institut infizieren sich hierzulande mehr als 200.000 Menschen pro Jahr.

Die Zecken schlagen von April bis Oktober zu und lieben es feucht. Sie bevorzugen Wälder, verstecken sich auf Blättern, im Gebüsch und auf Grashalmen und warten, bis eines ihrer Opfer vorbeistreift und sie mitnimmt. Auf Hund, Katze oder Mensch wandern die Zecken bis zu einer Stunde umher und suchen sich ein feuchtwarmes Plätzchen.

Mit scherenartigen Mundwerkzeugen zerschneiden sie die Haut ihres Wirts, senken einen mit Widerhaken besetzten Stachel in die Wunde und saugen Blut, bis sie von wenigen Millimetern auf Perlengröße angeschwollen ist. Für die Opfer der Zecke birgt das gefährliche Krankheitsrisiken.

Borreliose: Welche Risiken von Zecken übertragene Infektionskrankheiten bergen

Die Blutsauger können mehrere Infektionskrankheiten auf ihre Opfer übertragen. Zu den bedeutendsten gehören die durch Bakterien hervorgerufene Lyme-Borreliose, die in ganz Deutschland vorkommt, und die durch Viren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die vor allem im süddeutschen Raum verbreitet ist. Die Fallzahlen von FSME liegen nur bei etwa 250 pro Jahr, allerdings mit starken Schwankungen.

Borreliose: Was macht die Infektion im Körper?

Borreliose kann „verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke“, erklärt das RKI. „Ein wichtiges Symptom ist die sogenannte Wanderröte – eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle“, erklärt Dr. Christine Klaus vom Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut, „sie tritt allerdings nicht immer auf“.

Borreliose: Anzeichen, die erst Monate später auftauchen

  • Dazu können auch unspezifische Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen kommen.
  • Nach bis zu sechs Monaten können bei unbehandelten Infizierten brennende Nervenschmerzen und leichte Lähmungen der Hirnnerven auftreten, was zu Taubheitsgefühlen, Seh- oder Hörstörungen führen kann.
  • Wird die Infektion rechtzeitig erkannt, „sind Antibiotika sehr gut wirksam, eine Impfung gibt es jedoch nicht“, sagt Klaus.
  • Eine nicht rechtzeitig behandelte oder gar nicht diagnostizierte Borreliose könne in eine chronische Form übergehen, die in manchen Fällen nur sehr schwer zu behandeln sei.

„Überall, wo Zecken vorkommen, kann man sich mit Borrelien infizieren. Aber nicht alle Zecken tragen die Erreger in sich“, so die Parasitologin, „die Infektionsrate kann zwischen fünf und über 50 Prozent liegen, also führt auch nicht jeder Stich einer infizierten Zecke zur Erkrankung.“ Nach Angaben des RKI dauert es nach dem Einstich ein bis zwei Tage, bis Borrelien übertragen werden, wird die Zecke rechtzeitig entfernt, lässt sich das Risiko einer Infektion minimieren.

Frühsommer-Meningoenzephalitis: So gefährlich ist FSME wirklich

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird hauptsächlich durch Zecken übertragen.

  • Schon kurze Zeit nachdem der Blutsauger sein Opfer angezapft hat, wandern die Viren über.
  • Kommt es zu einer Infektion, verläuft diese im Extremfall in zwei Phasen: Zunächst treten „grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwindelgefühl und Erbrechen“ auf, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf der Seite infektionsschutz.de.
  • Nach einer bis zu dreiwöchigen fieberfreien Zeit komme es bei einigen Patienten zu einer Entzündung der Hirnhäute, die erneut von Fieber, Übelkeit und Erbrechen begleitet wird.

Hinzu kommen Ausfälle des Nervensystems, in schweren Fällen kann es auch zu einer Lähmung des ganzen Körpers oder zum Koma kommen. Vor allem bei älteren Menschen könnten Folgeschäden zurückbleiben, warnt die BZgA. „Gegen FSME gibt es eine wirksame Impfung. Im Falle einer Erkrankung ist allerdings nur noch eine symptomatische Therapie möglich“, sagt Parasitologin Klaus. Experten warnen, dass sich das gefährliche FSME-Virus ausbreitetund nicht mehr nur in Süddeutschland auftaucht.

Zwar ist die Krankheit selten und nicht ansteckend, bei 70 bis 95 Prozent der Infizierten bleibt die zweite Phase der Krankheit aus. Dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung für Personen, die in FSME-Risikogebiete reisen, dort wohnen oder Zecken aus beruflichen Gründen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel Förster, Landwirte oder Wissenschaftler im Labor. In diesen Fällen übernimmt meist die Krankenkasse die Kosten.

Tropeninstitute, Gesundheitsämter aber auch viele Hausärzte beraten dazu, in welchen Ländern eine Impfung sinnvoll sein könnte.

Zecken entfernen: So macht man es richtig

Um eine Infektionskrankheit zu vermeiden, gilt es, den blutdürstigen Plagegeist so schnell wie möglich aus der Haut zu ziehen. Zum Beispiel in der Apotheke gibt es dafür speziell geformte Pinzetten, Karten oder Zangen. Experten empfehlen, die Zecke nah an der Haut zu greifen und vorsichtig herauszuziehen. Ob dabei eine leichte Drehbewegung sinnvoll ist, ist umstritten – das RKI rät davon ab. Besonders wichtig: Das Tier muss an den Beißwerkzeugen gepackt werden, auf keinen Fall am Körper quetschen.

Auch Öl und Klebstoff haben bei der Zeckenentfernung nichts zu suchen, beides kann den Blutsauger reizen, sodass er vermehrt Speichel und damit Krankheitserreger in die Wunde absondert. Die Stiftung Warentest empfiehlt, das Tier mit Vereisungsspray zu betäuben, so lasse es sich leichter abziehen. Zur anschließenden Desinfizierung empfehlen die Arzneimittelexperten der Stiftung die Mittel Sepso J Lösung mit dem Wirkstoff Providon-Jod oder Octenisept mit Phenoxyethanol.

Lesen Sie auch zum Thema:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren