Silvester

Böller und Co.: Viele Händler verkaufen 2020 kein Feuerwerk

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Berlin.  Ein Böllerverbot ist im Pandemiejahr 2020 wahrscheinlich. Zahlreiche Händler verzichten bereits aus Umweltgründen auf den Verkauf.

Wird Feuerwerk dieses Jahr verboten?

Das Feuerwerk zu Silvester löst jedes Jahr erneut eine Debatte aus. Nun entfachen die neuen Umstände unter Corona die Diskussion erneut.

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  • Gut einen Monat vor Silvester werden die Rufe nach einem Böllerverbot lauter
  • Einige Ketten haben bereits bekanntgegeben, dass sie keine Feuerwerkskörper verkaufen werden
  • Welche Läden bleiben beim Feuerwerksverkauf? Anders als Baumarktketten planen die Discounter Lidl und Aldi den Verkauf von Böllern, Feuerwerk und Co. nach wie vor ein

Dass es in Zeiten von Corona keine Silvesterparty wie im Vorjahr geben kann, liegt auf der Hand. Nun wird auch ein Böllerverbot immer wahrscheinlicher . Mit dem Verzicht auf Knallerei und Feuerwerk sollen Notaufnahmen und Arztpraxen entlastet werden, die traditionell nach Silvester klassische Böller-Unfälle behandeln müssen – und derzeit wegen Corona ohnehin alle Hände voll zu tun haben. Einige Einzelhändler verzichten ohnehin schon auf den Verkauf von Feuerwerk.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert seit längerem die gängige Böllerpraxis an Silvester – ganz unabhängig von Corona: Bereits im Vorjahr warb die Organisation unter dem Motto „Silvester for Future“ für einen Verzicht von Feuerwerkskörpern, um Luftverschmutzung und Verletzungen zu vermeiden. Mehrere Handelsketten haben sich auch aus diesen Gründen bereits vor der Pandemie dazu entschieden, keine Feuerwerkskörper anzubieten.

Feuerwerk: Diese Baumärkte verzichten auf Verkauf

  • Die Baumarktkette Obi will keine Böller verkaufen. „Wir haben uns als Unternehmen dazu entschieden, in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper anzubieten“, sagte die Pressestelle des Baumarktes gegenüber dem Technikportal chip.de . Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass in einigen Obi-Filialen die Feuerwerkskörper von Franchisepartnern zu finden seien.
  • Auch bei Bauhaus werden 2020 weder Feuerwerk noch feuerwerksähnliche Produkte verkauft, wie es in einer Pressemitteilung der Baumarktkette heißt. „Nachhaltiges Handeln hat für Bauhaus eine große Bedeutung“, wird Sven Unrath, Leiter Einkauf bei Bauhaus, in der Mitteilung zitiert. Mit dem Verkaufsverzicht solle die Umwelt geschützt werden.
  • Ähnlich sieht es bei Hornbach aus: Das Baumarktunternehmen gab bereits 2019 bekannt , 2020 kein Feuerwerk mehr anbieten zu wollen – „insbesondere aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes“, wie es in der Pressemitteilung aus dem Vorjahr heißt.

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Verkaufen Supermärkte 2020 Böller, Feuerwerk und Co.?

Anders als die Baumarktketten planen die Discounter Lidl und Aldi den Verkauf von Böllern, Feuerwerk und Co. nach wie vor ein. Nach einem Bericht von chip.de sollen erste Discounter-Filialen bereits Teillieferungen von Feuerwerken für den Verkauf kurz vor dem Jahreswechsel bekommen haben.

„Wir richten unser Angebot nach den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden aus“, wird Aldi Süd von chip.de zitiert. „Die Erfahrung zeigt, dass das Interesse unserer Kunden an Feuerwerk zu Silvester seit Jahren sehr groß ist. Und auch wenn die Silvesterfeier in diesem Jahr eher klein ausfallen wird, rechnen wir mit einer entsprechenden Nachfrage.“

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Lidl äußerte sich ähnlich gegenüber dem Portal: Der Discounter orientiere sich „bei der Sortimentsgestaltung an Kundenwünschen“, weshalb man plane, in allen rund 3.200 Filialen Feuerwerksartikel anzubieten.

Nach Angaben der DUH haben Einzelhändler wie Edeka und Rewe hingegen bereits 2019 verkündet, aus Umweltschutzgründen in vielen Filialen keine Feuerwerkskörper mehr anbieten zu wollen.

Mögliches Böllerverbot bedroht Pyrotechnik-Unternehmen

Nach Einschätzung des Branchenverbandes wäre ein Böllerverbot an Silvester für viele Pyrotechnik-Unternehmen eine existenzielle Bedrohung . „Die Hoffnung, einigermaßen durch dieses Corona-Jahr zu kommen, ruht auf Silvester, das ist der Tag, an dem wir 90 Prozent unseres Jahresumsatzes machen“, sagte Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI), in der vergangenen Woche.

Einige Hersteller hätten bereits mit Einbußen zu kämpfen, weil sie 2020 wegen des Ausfall vieler Veranstaltungen keine Bühnen- oder Großfeuerwerke verkaufen konnten. „Das Dilemma ist auch: Wenn wir nicht abverkaufen können, sind die Lager voll und wir können nichts Neues produzieren.“ Das bedrohe auch Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro.

„Natürlich werden in diesem Pandemiejahr keine großen Silvesterfeiern möglich sein. Wir sind aber der Überzeugung, dass es möglich ist, im kleinen Kreis coronakonform Feuerwerk abzubrennen“, sagte Gotzen weiter. „Die Menschen mussten doch in diesem Jahr auf so viel verzichten. Da muss es doch möglich sein, diese ja auch emotionale Tradition aufrechtzuerhalten. Das ist doch der Ursprung von Feuerwerk: die bösen Geister dieses Jahres mit Getöse zu verabschieden.“

(raer/mit dpa)