Modernisierung

Deutsche Bahn soll digitaler, pünktlicher und größer werden

Berlin.  Wichtige Stellwerke sollen für weitere 500 Millionen Euro modernisiert werden. Das zusätzliche Geld könnte der Bahn viel Zeit sparen.

Ronald Pofalla (r.) und Enak Ferlemann stellen das neue Projekt vor.

Ronald Pofalla (r.) und Enak Ferlemann stellen das neue Projekt vor.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Wenn Züge verspätet ihr Ziel erreichen, ist nicht selten die Störung eines Stellwerks die Ursache. Um die besonders betagten Stellwerke der Deutschen Bahn nicht nur zu modernisieren, sondern auch zu digitalisieren, stellt der Bund aus dem aktuellen Konjunkturpaket im Zuge der Corona-Krise weitere 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Bahnnetz mit seinen 33.000 Kilometern Schienen soll bis 2040 mit insgesamt 32 Milliarden Euro Investitionen voll digitalisiert werden, darunter 2600 Stellwerke. Durch die zusätzliche halbe Milliarde könnte das Ziel bereits 2035 erreicht werden, kündigte Enak Ferlemann, Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, an.

Bahn soll Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts werden

Das zusätzliche Geld soll bereits bis Ende 2021 ausgegeben und verbaut werden, sodass sich erste Erfolge bereits bald in einer höheren Pünktlichkeitsquote im Personenverkehr zeigen dürften, meinte Ferlemann. Um das Ziel möglichst schnell zu erreichen, haben die Bahn, das Eisenbahn-Bundesamt und die Bahnindustrie eine enge Zusammenarbeit vereinbart.

In der Verkehrspolitik nimmt die klimafreundliche Bahn eine herausgehobene Position ein. Die Bundesregierung als Eignerin des Staatskonzerns verfolgt das Ziel, die Bahn als Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts auszubauen. Der Personenverkehr soll verdoppelt, der Güterverkehr auf der Schiene einen Anteil von 25 Prozent erreichen. Dies ist nur durch den Ausbau der Kapazitäten möglich.

Bahnindustrie will international führend werden

Durch die Digitalisierung könnten bis zu 35 Prozent mehr Züge das bestehende Bahnnetz nutzen, ohne dass ein einziger Gleiskilometer neu gebaut werden müsste, nannte Bahnvorstand Ronald Pofalla den großen Vorteil. „Je schneller wir digitalisieren, desto mehr Züge können auf die Schiene.“

Die Bahnindustrie hat durch die zusätzlichen Investitionen wiederum die Chance, in der neuen Technik führend zu werden. In der Bahnindustrie arbeiten in Deutschland rund 65.000 Beschäftigte – viele in mittelständischen Unternehmen. Für die Unternehmen sind die Milliarden zudem ein Beschäftigungs- und Konjunkturprogramm. Staatssekretär Ferlemann zeigt sich ehrgeizig für die Bahnindustrie: „Wir müssen Deutschland zum Leitmarkt machen.“

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