Tech-Konzerne

Warum für Amazon und Co der Erfolg gefährlich werden kann

Berlin.  Trotz Krise machen die Tech-Konzerne Milliardengewinne. Das freut nicht alle. Google, Amazon, Apple und Facebook stehen in der Kritik.

Nach Werbeboykott: Facebook will gegen Hass-Posts vorgehen

Twitter versieht problematische Posts von US-Präsident Donald Trump seit kurzer Zeit mit Warnhinweisen, Facebook hat das dagegen bisher abgelehnt. Nun will auch Facebook stärker gegen Hass-Posts vorgehen - weil massenweise Werbekunden abspringen.

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Eigentlich können sich die Chefs der großen Tech-Konzerne Amazon, Apple, Google und Facebook derzeit nicht beklagen. Ihre Unternehmen laufen glänzend und fahren trotz Corona-Krise Milliardengewinne ein. Die ohnehin schon optimistisch gestimmten Erwartungen einiger Analysten wurden nochmal übertroffen, die Börsen belohnten die Zahlen teils mit kräftigen Zugewinnen.

Für die Tech-Riesen ist das eine Aufmerksamkeit, die sie sich wünschen. Erfolgsmeldungen, übertroffene Erwartungen. Doch der Erfolg freut nicht jeden – auch nicht in Amerika.

US-Kongress lud Tech-Chefs zur Anhörung

So wurde der Mittwochabend für Amazon-Chef Jeff Bezos, Apple-Chef Tim Cook, Google-Chef Sundar Pinchai und Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein langer Abend. Fünfeinhalb Stunden lang mussten sich die Manager der Tech-Riesen den Fragen von Abgeordneten des US-Kongresses stellen.

Denn die Marktmacht der großen Digitalunternehmen wird auch in den USA zunehmend kritisch gesehen. Die Repu­blikaner finden, dass die Konzerne konservative Ansichten unterdrücken würden, die Demokraten beschuldigen die Tech-Giganten, einen fairen Wettbewerb zu unterbinden.

Die vier per Videokonferenz zugeschalteten Manager wiesen die Vorwürfe zurück. Ihre Unternehmen kleiner zu reden, als sie in Wirklichkeit sind, dürfte aber keine leichte Aufgabe gewesen sein. Denn die Tech-Konzerne profitieren enorm von der Krise.

Amazon ist der größte Krisengewinner

Während die US-Wirtschaft einen historisch einzigartigen Konjunktureinbruch einstecken musste, verzeichneten die Tech-Riesen Milliardengewinne. Amazon verdoppelte im zweiten Quartal seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 5,2 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 4,4 Milliarden Euro).

Als Gewinner der Krise hebt sich Amazon deutlich von den anderen Tech-Schwergewichten ab. Im zweiten Quartal schoss der Umsatz im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar (75,1 Mrd Euro) hoch. Der Gewinn war mit 5,2 Milliarden Dollar in etwa doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Dabei hatte Amazon in dem Quartal vier Milliarden Dollar für Corona-Maßnahmen wie Schutzausrüstung, Reinigung und Prämien ausgegeben.

Auch die Cloud-Plattform AWS bildete ein lukratives Geschäft für Amazon. Vor allem deshalb, weil die vermehrte Heimarbeit die Nachfrage steigen ließ.

Neue iPhone-Modelle kommen später

Apples Ankündigung, dass die neuen iPhone-Modelle nicht wie geplant im September, sondern erst „einige Wochen später“ in den Handel kommen werden, wurde von ebenfalls starken Zahlen überdeckt. Der iPhone-Umsatz stieg im Jahresvergleich um 1,7 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar.

Insgesamt erwirtschaftete Apple im vergangenen Vierteljahr 59,7 Milliarden Dollar – nie war der Umsatz im zweiten Quartal höher. Auch der Gewinn wuchs mit 11,25 Milliarden Dollar um satte zwölf Prozent.

Facebook hat nun 2,6 Milliarden Nutzer

Auch Facebook verzeichnete ein Umsatzplus von elf Prozent, auch die Nutzerzahlen steigen schnell, mittlerweile sind 2,6 Milliarden Menschen in dem sozialen Netzwerk aktiv. Zu Facebook gehören auch die Fotoplattform Instagram und der Messenger WhatsApp – weltweit griffen 3,14 Milliarden Nutzer auf ein Facebook-Produkt zu.

Allerdings wächst Facebook langsamer als zuvor. In der Corona-Krise sind Werbeeinnahmen weggebrochen, auch mieden viele Werbekunden die Plattform aus Proteste gegen Hate Speech. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um elf Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar.

Google erhält Dämpfer bei Anzeigengeschäft

Bei Alphabet, dem Mutterkonzern von Google, hat die Corona-Krise das Wachstum ebenfalls gebremst – wenn auch auf einem hohen Niveau. 6,96 Milliarden Euro nahm Alphabet im zweiten Quartal ein. Vor einem Jahr waren es noch 9,95 Milliarden Dollar gewesen.

Zum ersten Mal in der 22-jährigen Geschichte des Unternehmens gingen zudem die Erlöse zurück: um acht Prozent auf 29,9 Milliarden Dollar.

• Interview: Microsoft-Chefin warnt vor Cyber-Angriffen

Bitkom warnt vor zu starker Regulierung in Europa

Insgesamt sind die Zahlen der Tech-Konzerne stark. Aber sie dürften auch den Kritikern im US-Kongress Auftrieb verleihen, die mehr Regulierung fordern.

Auch in Deutschland ist eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht geplant, um den Wettbewerb zu gewährleisten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Januar vorgelegt.

Der Digitalbranchenverband Bitkom warnt allerdings vor einer zu starken Regulierung. „So kann zum Beispiel die vorgesehene Verschärfung der Missbrauchsaufsicht gegenüber Digitalunternehmen auch deutsche und europäische Unternehmen treffen, deren Wachstum durch die Neuregelung gerade gefördert werden soll“, sagte Rebekka Weiß, Leiterin der Sicherheitssparte beim Digitalverband Bitkom, unserer Redaktion.

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Die Tech-Konzerne Google, Amazon und Co. dominieren weite Teile des Marktes. Ganz ohne Einschränkungen soll das allerdings nicht weitergehen: Amazon, Google, Facebook: Tech-Giganten geht’s an den Kragen. Vor allem Facebook soll reguliert werden. Mark Zuckerberg reagiert meist zögerlich. Facebook: Will Zuckerberg künftig mehr Steuern zahlen? Dabei musste der Konzern küzrlich auch inhaltlich Kritik einstecken: Nach Werbeboykott: Facebook sperrt Hunderte rechte Accounts.

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