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Nervöse Corona-Börse: Was Anleger jetzt beachten sollten

Berlin.  In der Pandemie reagieren die Märkte besonders nervös auf schlechte Nachrichten. Warum sind Wertpapiere derzeit dennoch stark gefragt?

Genervte Händler im Frankfurter Börsensaal: Die Aktienkurse fahren in der Corona-Krise Achterbahn.

Genervte Händler im Frankfurter Börsensaal: Die Aktienkurse fahren in der Corona-Krise Achterbahn.

Foto: dpa Picture-Alliance / Arne Dedert / picture alliance/dpa

In dieser Woche mussten Anleger wieder einmal starke Nerven haben. Nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am späten Mittwoch folgte die Reaktion an der Börse prompt: Direkt nach Handelsbeginn am Donnerstagmorgen rauschte der deutsche Aktien-Leitindex Dax in der Spitze um drei Prozent in den Keller. Die Anleger reagierten nervös auf Warnungen vor einem neuen Lockdown und damit drohenden Folgen für die weitere Erholung der Wirtschaft.

Doch der Spuk war schnell vorbei. Ein Börsenbeben blieb aus. Langfristig orientierte Investoren nutzten am Freitag die Gelegenheit zum günstigen Einstieg, berichteten Händler. Es ging wieder aufwärts mit den Aktienkursen.

Die Corona-Krise hat an der Börse deutliche Spuren hinterlassen. Im März war der Dax, der die 30 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands umfasst, innerhalb weniger Wochen von seinem Allzeithoch von 13.750 Punkten auf unter 8500 gestürzt. Aktuell pendelt der Dax wieder um die Marke von 13.000 Punkten. Wer also im Frühjahr zum richtigen Zeitpunkt Geld in Aktien investiert hat, konnte fantastische Gewinne einstreichen. Sind Aktien in dieser Zeit also eine lohnenswerte Anlageform?

Corona-Krise: Aktienkurse spiegeln nicht die Wirtschaftslage wider

„Wie geht es weiter – das weiß keiner ganz genau“, muss Ralf-Joachim Götz enttäuschen. „Einen deutlichen Einfluss darauf wird auch die weitere Entwicklung der Corona-Zahlen haben – und wie diese von der Politik interpretiert werden“, sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung AG.

Zudem bestünden weiter Risiken wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China und ein harter Brexit. Götz: „Das Thema Corona hat diese Entwicklungen stark überlagert.“

Anleger sollten zudem beachten, dass sich in Aktienkursen nicht unbedingt der Zustand der Wirtschaft niederschlägt. „An der Börse werden Erwartungen gehandelt“, sagt Götz. „Die reale Lage der Wirtschaft und die Entwicklung an der Börse haben sich in der Corona-Krise entkoppelt.“ Die Erwartungen seien besser als die Lage.

Anleger auf der verzweifelten Suche nach Erträgen

Darauf weist auch Jörg Krämer hin: „Verglichen mit den eingebrochenen Unternehmensgewinnen sind die Aktienkurse der Unternehmen in Deutschland und im Euroraum zu hoch“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank. Daher könne es zwischenzeitlich immer wieder zu Kurseinbrüchen kommen.

Dies setze dem Aufwärtstrend jedoch kein Ende. Aufgrund der in der Corona-Krise steigenden Staatsschulden stehe die Europäische Zentralbank unter starkem Druck, an der Politik der negativen Leitzinsen festzuhalten. Soll heißen: Aufs Sparbuch oder Festgeld gibt es auf Dauer kaum noch oder gar keine Zinsen. „Auf der verzweifelten Suche nach Erträgen weichen Anleger immer wieder auf Sachwerte aus, wovon auch Aktien profitieren dürften“, sagt Krämer.

„Viele Analysten gehen davon aus, dass es trotz dieses rasanten Aufstiegs an den Börsen noch weitergehen könnte“, sagt auch Volkswirt Götz. Es gebe weiter wenig attraktive Möglichkeiten, Geld in Zinsanlagen zu investieren. „Das wird die Börse weiter beflügeln.“ Er weist jedoch auf deutliche Verschiebungen hin: Während klassische Industriekonzerne an Bedeutung verlieren, legen Technologieunternehmen deutlich zu. Der Onlinehändler Amazon etwa hat seinen Börsenwert in diesem Jahr verdoppelt.

Götz beobachtet in der Corona-Krise zwei Entwicklungen: Weil den Menschen während des Lockdowns Möglichkeiten fehlten, Geld auszugeben, sparen sie mehr. Und es gebe ein gestiegenes Interesse an aktienorientierten Anlagen.

Geldvermögen der Deutschen erreicht neuen Höchstwert

Tatsächlich sitzen die Deutschen auf so viel Geld wie nie zuvor. Nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie infolge des Kursrutsches an den Börsen ist das Geldvermögen der Privathaushalte bis Ende Juni auf 6630 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Bundesbank mit. Das waren vier Prozent oder 253 Milliarden Euro mehr als im ersten Quartal.

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Wer Geld in Aktien investiert hat, dürfte langfristig trotz der aktuellen Unsicherheiten zu den Gewinnern gehören. Auf lange Sicht habe sich der Aktienmarkt stets gut entwickelt, betont Götz. „Der Dax hat seit dem Start 1988 im Jahresschnitt über acht Prozent an Wert gewonnen.“

Zwar gab es Zeiten, in denen die Entwicklung bis zu drei Jahre am Stück negativ war. „Dem folgten allerdings sehr positive Zeiten“, so Götz. Wer in Aktienfonds investiere, sollte daher einen Zeitraum von mindestens zehn bis 15 Jahren in Betracht ziehen. „Wer für den nächsten Urlaub spart, sollte sein Geld nicht in Aktien anlegen.“