100 Jahre Thüringen: Feuer, Zerstörung und Tod – Luftangriffe auf Thüringen

Von Immanuel Voigt.

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Foto: Steffen Walther

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Zahlreichen Deutschen ist bis heute, teils aus eigenem Erleben, die Zerstörung deutscher Städte in der Endphase des Zweiten Weltkrieges durch britische und amerikanische Bomben noch immer im Gedächtnis. Dieses Schicksal zieht sich durch die gesamte Republik und hinterließ nicht nur einen wirtschaftlichen und kulturellen Verlust ohnegleichen, sondern auch Tausende an Toten. Thüringen bleibt dabei keine Ausnahme, denn auch hier gibt es genügend Ziele, die bereits Anfang der 1940er-Jahre, besonders aber 1944/45 aus der Luft aus angegriffen werden.

Oftmals sind es die Rüstungsbetriebe der jeweiligen Städte, die getroffen werden sollen. So etwa in Jena, wo Briten und Amerikaner versuchen die Zeiss und Schott-Werke zu treffen. Dies gelingt Ende Mai 1943 erstmals, doch die schwersten Angriffe erleidet die Stadt an der Saale im Frühjahr 1945. Am 9. Februar zerstören amerikanische B-17-Bomber größere Teile der Innenstadt, knapp 100 Menschen verlieren ihr Leben, über 250 werden verletzt.

Doch den schlimmsten Angriff erleidet Jena am 19. März. Knapp 200 amerikanische Flugzeuge werfen in nicht einmal einer halben Stunde über 500 Tonnen Bomben auf die Stadt. Große Teile der Altstadt werden getroffen, über 230 Menschen verlieren ihr Leben, 12.000 Jenenser sind obdachlos. Bis dato ist Jena die am stärksten zerstörte Stadt Thüringens. Dies wird allerdings wenig später vom Doppelangriff auf Nordhausen weit übertroffen.

Am 3. und 4. April 1945 zerstörten britische Bomber in zwei schweren Angriffen die Stadt am Harz zum Großteil. Der anschließende Feuersturm bewirkt den Rest. Nordhausen liegt zu 75 Prozent in Trümmern. Etwa 8800 Menschen, darunter etwa 1300 KZ-Häftlinge, die zwangsweise in einem Lazarett untergebracht waren, sterben. Da es in der Vergangenheit immer wieder Debatten um die tatsächlichen Opferzahlen gegeben hat, ist aktuell eine neue Untersuchung damit beschäftig, Licht ins Dunkle zu bringen.

Anderen Städten im heutigen Freistaat geht es ähnlich. Gera wird am 12. Mai 1944 erstmal angegriffen. Eine damalige Schülerin erinnert sich wenig später, dass sie zunächst aus dem Fenster schaut und „noch nie so viele Bomber gesehen“ hat. Dann plötzlich schreit die Mutter: „Schnell in den Keller!“, wobei es im nächsten Augenblick schon kracht. „Wie wir alle in den Keller gekommen sind, das kann wohl keiner sagen.“In der Aufregung nimmt keiner etwas mit „nicht mal eine Decke oder Mantel“. Doch hat die Familie Glück, ihr Haus wird nicht getroffen. Dennoch: „Der Schreck war noch sehr lange in allen Gliedern, bei dem kleinsten Laut hört man darauf.“An diesem Tag sterben in Gera 85 Menschen. Nicht zuletzt wird auch das idyllische Weimar wegen der „Wilhelm-Gustloff-Werke“, einem Rüstungsbetrieb, Ziel alliierter Luftschläge.

Den schwersten Angriff erlebt die Stadt an der Ilm am 9. Februar 1945, als etwa 200 amerikanische Bomber den Rüstungsbetrieb am Bahnhof angreifen und dabei auch die Stadt treffen. Über 1100 Menschen werden getötet, darunter wiederum KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter. Etwa 2000 Weimarer sind danach ohne ein Dach über dem Kopf.

Im Frühjahr 1945 dauert es dann nicht mehr lange, bis Thüringen von den Amerikanern besetzt wird und damit der Krieg und die Luftangriffe ein Ende finden.

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