Kunstpause: Dialog mit meiner Urenkelin (3)

Frank Quilitzsch hat erneut eine E-Mail aus der Zukunft erhalten.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

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Wieder schaue ich ungläubig auf die Betreff-Zeile: „An meinen Urgroßvater“, öffne die Mail mit Maus-Klick und lese – nichts. Beunruhigt drücke ich auf den Antwort-Button und tippe:
„Filipa? Bist Du das?“

Nach wenigen Sekunden kommt die Antwort. „Ja, ich bin‘s, Deine Urenkelin. Gerade hat sich mir noch mal ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet. Ich bin jetzt 21 und studiere in Dublin Umwelttechnologie. Es hat sich einiges verändert, leider nicht viel zum Guten. Aber wir geben nicht auf, Urgroßvater, wir versuchen, die schwindenden Ressourcen gerecht zu verteilen. Übrigens ist es nun noch schwieriger, Dich zu kontaktieren, seit es das Internet nicht mehr gibt.“

Ich tippe ratlos: „Was, kein World Wide Web mehr?“

„Es musste gesperrt werden, denn es wurde nur noch gehackt. Lüge und Wahrheit waren kaum noch zu unterscheiden. Wir kommunizieren seitdem anders miteinander.“

„Da seit unserem letzten Mailwechsel sieben Jahre vergangen sind, schreibt Ihr offenbar das Jahr 2078. Was macht Jan? Wenn er noch lebt, müsste mein Sohn, Moment, 94 sein . . .?“

„Keine Sorge, Opa! Jan geht es seinem Alter entsprechend gut. Zu seinem 90. haben wir ihm eine Frischzellenkur geschenkt. Danach hat er sich zum Weinanbau nach Finnland zurückgezogen.“

„Finnischer Wein? Nimm mich nicht auf den Arm, Filipa!“

„Das tu ich nicht, Urgroßvater. Dort, woher ihr Euren Wein bezogen habt, wächst schon lange nichts mehr. Zu heiß, zu trocken oder bereits Wüste. – Tut mir leid, ich muss Schluss machen, das Zeitfenster schließt sich . . .“

„Eine letzte Frage, Filipa: Unser Zeitreise-Dialog birgt Gefahren, denn mit jeder Information, die Du mir gibst, rührst Du an der Kausalitätskette. Bedenke die Wirkung! Du bist doch für mich noch gar nicht geboren, kennst aber schon mein Todesjahr. Verrückt, nicht wahr? Hast Du keine Angst, wenn Du mir aus der Zukunft schreibst, dass sich etwas ändert?“

„Das hoffe ich doch, Urgroßvater! Wir alle hoffen, dass sich was ändert!“

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